Langfristig anders – EU plant Finanzierung nachhaltigen Wachstums

10 September, 2018

Auswirkungen auch für Leitungsgremien, vor allem in der Finanzindustrie 

Die EU Kommission legte im März einen Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums vor. Dieser enthält Maßnahmen zur Entwicklung Europas, die vor allem das Finanzsystem betreffen.

Hauptsächlich sollen bestehende Vorschriften zur Kapitalanlage und zur Unternehmensberichterstattung bezüglich der Förderung von Nachhaltigkeit unter die Lupe genommen werden. 

Werden Nachhaltigkeitsstrategien für Leitungsgremien zur Pflicht?

Der Plan ist Teil der EU-Bestrebungen, eine emissionsarme, ressourcenschonende Kreislaufwirtschaft zu schaffen. Kapitalflüsse sollen zum Beispiel auf nachhaltige Investitionen umgelenkt werden. Es geht auch um finanzielle Risiken, die beispielsweise aus Klimawandel und Umweltzerstörung resultieren. Die gesamte Finanz- und Wirtschaftstätigkeit in Europa soll transparenter und langfristiger gestaltet werden.

Von den Maßnahmen des Aktionsplans können auch Aufsichtsräte betroffen sein. Denn die Kommission will Unternehmensführung fördern, die bessere Rahmenbedingungen für nachhaltige Investitionen bietet.

Im zweiten Quartal des nächsten Jahres sind diesbezüglich umfassende Analysen und Konsultationen geplant. 

In Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Interessenträgern wird es zunächst darum gehen, ob „Leitungsgremien“ verpflichtend Nachhaltigkeitsstrategien ausarbeiten und veröffentlichen müssen. Die Strategien sollen zumindest die gesamte Lieferkette einbeziehen und messbare Ziele sowie angemessene Sorgfaltspflichten beinhalten. Der Aktionsplan lässt offen, ob und in welchem Umfang damit auch neue Aufgaben auf Aufsichtsorgane zukommen könnten. 

Geplant ist darüber hinaus, bestehende Vorschriften, die Mitglieder von Leitungsgremien zum Handeln im langfristigen Interesse des Unternehmens anhalten, zu überprüfen. Die Europäischen Aufsichtsbehörden sollen untersuchen, ob es Hinweise auf einen unangemessen kurzfristigen Druck der Kapitalmärkte auf Unternehmen gibt und gegebenenfalls Gegenmaßnahmen ergreifen.

Regulierung soll Anreize für Nachhaltigkeit schaffen

Auch bei den derzeit geltenden Vorschriften zur Unternehmensberichterstattung einschließlich CSR-Richtlinie sind Änderungen zu erwarten. In diesem Kontext wurde unter Einbeziehung der breiten Öffentlichkeit eine Konsultation „Fitness check on the EU framework for public reporting by companies“ gestartet, die im Sommer endete. 

Auf dem Prüfstand stehen die Wirksamkeit des aktuellen EU-Vorschriftenrahmens bezüglich Digitalisierung und Nachhaltigkeit sowie die Auswirkungen von neuen IFRS auf langfristige Investitionen.

Außerdem wird die EU Kommission im kommenden Jahr ihre Leitlinien für nichtfinanzielle Informationen überarbeiten. 

Um den Nachhaltigkeitsaspekt in die Aufsichtsvorschriften einzubeziehen, prüft die Kommission, ob Klima- und Umweltfaktoren in Risikomanagementstrategien und die Berechnung der Kapitalanforderungen von Banken integriert werden können. In der Versicherungsaufsicht sollen die Auswirkungen der bisherigen Vorschriften auf nachhaltige Investitionen noch in diesem Jahr untersucht werden. Zusätzlich sind noch in diesem Jahr Änderungen an der Finanzmarktrichtlinie (MiFID II) und der Versicherungsvertriebsrichtlinie (IDD) geplant, um die Nachhaltigkeit in der Finanzberatung zu stärken. 

Als weitere Maßnahme wurde eine Sachverständigengruppe für ein nachhaltiges Finanzwesen gegründet, die unter anderem für die Einführung eines EU-Klassifikationssystems für nachhaltige Tätigkeiten verantwortlich ist. Der Aufruf, sich für die Mitarbeit in dieser Expertengruppe zu bewerben, wurde zusammen mit dem Aktionsplan veröffentlicht. 

Der Anteil grüner Anleihen soll durch eine neue EU-Norm erhöht werden. Um „Greenwashing“ zu reduzieren und Nachhaltigkeit zu stärken, sind weitere Rechtsakte geplant. Betroffen sind Nachhaltigkeitsbenchmarks und die Anlage institutioneller Investoren. Noch in diesem Jahr soll außerdem die Aufnahme von Nachhaltigkeitsfaktoren in die Ratingverordnung diskutiert werden. 

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