Studie zur Vorstands- und Aufsichtsratsvergütung 2018 – Petra Raspels im Interview

24 Oktober, 2018

PwC und die Goethe-Universität Frankfurt am Main haben die „Vergütungsstudie 2018“ veröffentlicht. Petra Raspels, Head of People & Organisation bei PwC, im Interview über steigende Vorstands- und Aufsichtsratsgehälter, die Gründe dafür und den Wettbewerb um die besten Köpfe.

Frau Raspels, Sie haben gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Lehrstuhl für Wirtschaftsprüfung und Corporate Governance der Goethe-Universität Frankfurt am Main die „Vergütungsstudie 2018“ veröffentlicht. Wie lautet das Kernergebnis?

Die Vorstands- und Aufsichtsratsvergütung ist insgesamt im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Dieser Effekt spiegelt unter anderem die überwiegend gestiegenen Unternehmensgewinne wider und fällt je Index und Position unterschiedlich aus.

Ursächlich für die gestiegenen Unternehmensgewinne war auch die robuste Weltwirtschaft. Für welchen Index zeichnet sich der konjunkturelle Rückenwind am deutlichsten in der Vorstandsvergütung ab?

In absoluten Zahlen für die Vorstandsvorsitzenden im Dax 30. Sie haben für das Jahr 2017 eine Median-Gesamtvergütung von 6,17 Millionen Euro erhalten – das sind 8,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Prozentual liegen die SDax-CEOs vorne: Sie erhalten 16,4 Prozent mehr als noch 2016, das entspricht 1,56 Millionen. Wir sollten allerdings bedenken, dass die Median-Werte lediglich Tendenzen ausdrücken. Die individuellen Vergütungen der einzelnen Personen unterscheiden sich mitunter deutlich.

Haben Sie ein Beispiel parat?

Einzelne Ausreißer können auch die sonst robusten Statistiken beeinflussen. Vor allem wenn die Anzahl der betrachteten Vergütungen gering sind und die Streuung groß ist, haben einzelne Ausreißer einen vergleichsweise großen Effekt. So haben wir für Dax-CEOs für 2017 eine Gesamtvergütungsspanne von 2,7 bis 13,2 Millionen Euro erfassen können. Im TecDax liegt sie sogar zwischen 434.000 Euro und 6,3 Millionen. Das Gros der CEO liegt jedoch relativ nah beieinander. Bei den Aufsichtsratsvergütungen sieht es ähnlich aus, jedoch auf deutlich niedrigeren Vergütungsniveaus.

Nochmal zu den SDax-Vorständen und -Aufsichtsräten. Die haben beim prozentualen Vergütungszuwachs auch die Nase vorn, wenn man die Jahre 2014 bis 2017 betrachtet. War das nur der guten Unternehmensgewinnentwicklung geschuldet?

Im SDax gab es in den vergangenen Jahren auch einige Besonderheiten, die auf andere Indizes nicht in vergleichbarem Maße zutrafen: So hatte der SDax nach dem TecDax die insgesamt zweitbeste Aktienperformance in den vergangenen vier Jahren. Dies wirkt sich dann zeitlich verzögert über die Long-term Incentivierung auf die Vergütung aus. Auch haben viele Unternehmen, die erstmalig in den SDax aufgenommen wurden, in den vergangenen Jahren ihre Vergütungsstrukturen professionalisiert und an internationale Verhältnisse angepasst.

Welche Auswirkungen hat das auf verhältnismäßig kleinere Unternehmen?

Ein Großteil der SDax-Unternehmen hat ihren Hauptsitz jenseits der deutschen Metropolregionen und muss Topmanager inzwischen besser bezahlen, um sie zum Beispiel in den ländlichen Raum zu locken. Der SDax war übrigens in den vergangenen vier Jahren der volatilste Index in der Dax-Familie, wenn man die Zusammensetzung betrachtet. Insbesondere Unternehmen, die mit relativ hohen Vorstands- und Aufsichtsratsvergütungen aus dem MDax in den SDax abgestiegen sind, haben die Median-Werte nach oben gezogen.

Wo können Interessierte sich die Vergütungsstudie genauer anschauen?

In dem Punkt erkennen Sie in diesem Jahr auch an dieser Studie unsere konsequente Digitalisierungsstrategie. Wir bieten allen Interessierten eine dynamische Onlineversion der Studie an. Diese ist so gestaltet, dass sie dem Leser Anpassungen in der Darstellung unserer Analysen ermöglicht. Durch diese dynamische Form ermöglichen wir eine außergewöhnliche Transparenz über die Vergütungsstrukturen in deutschen Topmanagement-Ebenen. Außerdem stellen wir unsere Studie am 28. November 2018 im Rahmen einer Panelveranstaltung mit Aufsichtsräten, Interessenvertretern, Wissenschaft und Beratung vor. Dort wird es dann auch noch eine kompakte Version in Form einer klassischen Print-Version geben. Die Zukunft der Studie ist aber klar digital.

Datengrundlage und Methodik

Die „Vorstands- und Aufsichtsratsvergütungsstudie 2018“ basiert auf den Angaben der veröffentlichten Geschäftsberichte der Unternehmen aus Dax, MDax, SDax und TecDax für die Jahre 2014 bis 2017. Zusätzlich wurden Angaben zum Beispiel zu den Finanzkennzahlen aus Capital IQ verwendet. Für Darstellungen zur Aufsichtsratsvergütung wurden Daten aus den Satzungen der entsprechenden Gesellschaften genommen.


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Petra Raspels
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