Innovationskennzahlen der Autoindustrie auf Rekordhoch

12 Juni, 2018

Wer sind die großen Sieger bei den AutomotiveINNOVATIONS Awards, die gemeinsam von PwC und dem Center of Automotive Management vergeben werden? Und was sagen die technischen Neuerungen über die großen Trends in der Branche aus? Felix Kuhnert, Global Automotive Leader bei PwC und CAM-Direktor Prof. Dr. Stefan Bratzel beantworten die wichtigsten Fragen.

Die diesjährigen AutomotiveINNOVATIONS Awards sind vergeben. Volkswagen hat den Titel als innovativster Automobilkonzern der Welt mit deutlichem Vorsprung verteidigt. BMW macht als Zweitplatzierter den größten Sprung nach vorne.  Und Daimler rundet als Dritter das hervorragende Abschneiden der deutschen Hersteller ab. Lässt sich das Ergebnis so zusammenfassen?

Prof. Dr. Stefan Bratzel: Im Prinzip ja. Allerdings ist der Abstand zwischen Volkswagen und den beiden anderen deutschen Unternehmen deutlich geringer, als es auf den ersten Blick scheint. Sie müssen immer in Rechnung stellen, dass der VW-Konzern durch seine vielen Marken einen gewissen Vorteil gegenüber den Wettbewerbern genießt. Schaut man zum Beispiel nur auf die Premiummarken, dann liegt BMW vorne, vor Daimler – und erst auf Rang drei folgt die VW-Tochter Audi. Ich würde das Ergebnis darum eher wie folgt zusammenfassen: Die globale Automobilindustrie strotzt momentan vor Innovationsfreude – und die deutschen Hersteller tun sich dabei besonders hervor.

Die Zahlen lesen sich in der Tat beeindruckend: 35 Hersteller brachten es 2017 zusammengenommen auf mehr als 1200 Einzelinnovationen, darunter fast 150 Weltneuheiten. Allein der Sieger Volkswagen kam auf 232 einzelne Neuerungen, von denen 45 sogar als „weltneu“ eingeordnet werden konnten. Erlauben Sie trotzdem die Frage: Wie relevant sind solche Zahlen wirklich?

Felix Kuhnert: Sehr relevant. Zum einen sind Innovationen natürlich immer ein Imagefaktor. Das gilt auch und gerade für die deutsche Automobilindustrie, die in den vergangenen Jahren ja öffentlich in die Kritik geraten ist. Die Resultate der AutomotiveINNOVATIONS Awards dokumentieren nun: Trotz der bekannten Probleme herrscht in der deutschen Automobilbranche auch weiterhin eine beeindruckende Innovationskultur. Ganz abgesehen vom Imageaspekt sind die Innovationen aber auch ein unverzichtbarer Absatztreiber – gerade in den großen Schwellenländern, aus denen in kommenden Jahren ja der große Teil des globalen Wachstums kommen wird. Lassen Sie es mich am Beispiel des Audi A8 erläutern, der es für sich genommen auf 32 Neuerungen brachte und damit als „innovativstes Modell“ ausgezeichnet wurde: 32 Innovationen – das sind 32 Verkaufsargumente. Die deutschen Autokonzerne tun darum gut daran, ihr Innovationstempo beizubehalten.

Über die hiesigen Hersteller haben wir gesprochen. Wer hat sich sonst noch hervorgetan?

Bratzel: Sehr gut abgeschnitten haben Honda und Ford, die in der Kategorie „Volumenmarken“ hinter VW die Plätze zwei und drei erreichten. Tesla konnte den dritten Platz in der Gesamtwertung zwar nicht verteidigen, überzeugte aber im Bereich „Innovative Antriebe“ als beste Premiummarke. Zu den Einzelsiegern unter den Volumenherstellern gehörten zum Beispiel Chevrolet in der Kategorie „Fahrzeugkonzepte“ oder Nissan in der Kategorie „Volumenmarken“. Und nicht zu vergessen: Bei den AutomotiveINNOVATIONS Awards prämieren wir ja nicht nur die OEMs, sondern auch die Zulieferer. Hier gingen die Preise in den vier Kategorien an Faurecia („Antrieb“), Continental („Chassis, Karosserie und Exterieur“), Bosch ("Automatisiertes Fahren und Fahrerassistenzsysteme") und Aptiv ("Interieur und Interface").

Lassen Sie uns abschließend bitte noch kurz über die einzelnen Innovationen reden. Welche Neuerungen haben einen besonderen Eindruck bei Ihnen hinterlassen – und was sind die vorherrschenden Trends?

Kuhnert: Aus meiner Sicht hätte eigentlich jede der fast 150 Weltneuheiten eine eigene Auszeichnung verdient. Aber wenn ich drei herauspicken soll, dann würde ich zum Beispiel den Plug-in-Hybrid im Porsche Panamera nennen, den „On-Street-Parking“-Service von BMW und bei den Zulieferern vielleicht die „Radar Road Signature“ von Bosch. Was die Trends anbetrifft: Fast 20% aller Innovationen entfielen auf den Motor – wobei es bei den alternativen Antrieben sogar mehr Neuerungen gab als bei den konventionellen Antrieben. Und was ebenfalls auffällt: Die meisten Innovationen, nämlich 27% aller Neuerungen, entfielen auf die Sicherheits- und Fahrerassistenz-Systeme. Darin spiegelt sich der Kundennutzen: Sicherheit galt eine Zeitlang als Selbstverständlichkeit. Inzwischen fragen viele Kunden aber wieder explizit danach.

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Felix Kuhnert

Partner, Global Automotive Leader, PwC Germany

Tel.: +49 711 25034-3309

Prof. Dr. Stefan Bratzel

Direktor CAM, PwC Germany

Tel.: +49 2202 28577-0

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