Die Straßenbeleuchtung wird für Kommunen zur Kostenfalle

16 Februar, 2015

Die öffentliche Straßenbeleuchtung wird für viele Städte und Gemeinden zum drängenden Problem. Die Bestände sind veraltet, störanfällig und verbrauchen viel zu viel Energie. Angesichts hoher Energiepreise schlägt dieser Posten im kommunalen Haushalt immer mehr zu Buche. Wie Kommunen diese prekäre Situation als Chance nutzen können, das erläutern die PwC-Experten Christian Liebaug und Gerrit Birkemeyer. Für die Studie „Straßenbeleuchtung im Energiesparmodus?“ haben sie 2014 bundesweit 156 Städte und Gemeinden befragt.

Im Gespräch mit Christian Liebaug, Partner bei PwC im Bereich öffentlicher Sektor, und Gerrit Birkemeyer, PwC-Experte für kommunale Energieversorgung und Straßenbeleuchtung.

Warum ist die kommunale Straßenbeleuchtung für Städte und Gemeinden derzeit ein Thema?

Christian Liebaug: Die Straßenbeleuchtung stellt einen nicht zu unterschätzenden Kostenpunkt dar. Sie verbraucht durchschnittlich ein Drittel des gesamten Energiebedarfs einer Kommune, in kleinen Gemeinden auf dem Land sind es im Durchschnitt sogar fast zwei Drittel. Und die Ausgaben steigen immer weiter: Das liegt an den hohen Energiepreisen, aber auch an dem relativen alten Leuchtmittelbestand, der störanfällig und wartungsintensiv ist. Das treibt auch die Kosten für die Betriebsführung nach oben. Für Städte und Gemeinden, die das Thema nicht aktiv angehen, wird die Straßenbeleuchtung zur Kostenfalle. Bereits in den vergangenen vier Jahren mussten Kommunen 25 Prozent mehr dafür aufwenden.

Wurde bisher noch nichts dagegen unternommen?

Gerrit Birkemeyer: Doch, durchaus. Gerade in den vergangenen vier Jahren wurden alte, ineffiziente Leuchtmittel sukzessive gegen sparsame Varianten ausgetauscht. Dadurch ist der Anteil der Leuchtdioden, der 2010 mit weniger als einem Prozent noch verschwindend gering war, inzwischen auf elf Prozent gestiegen. LED-Leuchten sind für Kommunen bei Neuanschaffungen die erste Wahl. Waren sie zunächst nur in Wohngebieten zu finden, werden sie heute zunehmend auch entlang von Hauptverkehrsadern eingesetzt. Erste Erfolge im Hinblick auf den Energieverbrauch sind bereits sichtbar: Er ist seit 2010 um zwölf Prozent gesunken.

Gibt es noch weitere Ansatzpunkte, um die Straßenbeleuchtung wirtschaftlicher zu machen?

Liebaug: Gemeinden, die das Thema umfassend angehen wollen, sollten alles auf den Prüfstand stellen: den Leuchtmittel-Bestand genauso wie ihr Betriebsführungs- und Finanzierungsmodell. Denn oft scheitert die flächendeckende Einführung von LED-Leuchten zunächst an den hohen Anschaffungs- und Umrüstkosten. Doch nach unserer Erfahrung können sich diese Investitionen je nach individueller Ausgangslage und Umfang der geplanten Maßnahmen bereits nach fünf bis acht Jahren amortisieren. In ein Gesamtkonzept zur energieeffizienten Modernisierung der kommunalen Straßenbeleuchtung sollten neben einer intelligenten Steuerung auch Folgekosten beim Betrieb einfließen. Ein auf die Bedürfnisse der Stadt zugeschnittenes Beleuchtungskonzept zur Reduzierung der Leuchtenvielfalt und entsprechend vielen Ersatzteilen ist dabei oftmals der Schlüssel. Zur Finanzierung lassen sich beispielsweise Förderprogramme und günstige KfW-Kredite nutzen.

Wie hoch ist das Einsparpotenzial bei einer Modernisierung?

Birkemeyer: Kommunen mit einem hohen Anteil an ineffizienten Lampen können mehr als die Hälfte ihrer Energiekosten einsparen, wenn sie diese durch energiesparende Leuchtmittel ersetzen. Wieviel sich konkret einsparen lässt, hängt letztlich von der jeweiligen Ausgangssituation ab. In jeder zehnten Kommune beträgt der Anteil ineffizienter Quecksilberdampflampen noch mehr als 50 Prozent. Ab dem 13. April 2015 dürfen diese nicht mehr in den Verkehr gebracht werden und sollten daher ausgetauscht werden. Zusätzlicher Effekt einer Modernisierung: Die Betriebsführungskosten können durch wartungsärmere Technologien ebenfalls gesenkt werden. Kommunen sollten ihr „Problem Straßenbeleuchtung“ daher als Chance begreifen.

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