„EVUs bleiben das Rückgrat vieler kommunaler Konzerne“

12 Juni, 2017

Die kommunalen Energieversorger erwirtschaften wieder höhere Gewinne, zeigt eine Kennzahlenanalyse durch PwC. Warum die Lage trotzdem angespannt bleibt, erklären Bernd Papenstein, Finanzierungsexperte bei PwC im Bereich öffentlicher Sektor, und Norbert Schwieters, Leiter Energiewirtschaft bei PwC.

Für die Studie „Energieversorger als wichtiger Akteur in der Kommunalwirtschaft“ hat PwC die Finanzkennzahlen von 300 deutschen EVU analysiert. Was sind die wesentlichen Erkenntnisse der Untersuchung?

Bernd Papenstein: Eine positive Überraschung ist, dass die EVU wieder höhere Gewinne erwirtschaften. So haben die Ergebnisse vor Abschreibungen (Ebitda) 2015 im Schnitt um 6,9 Prozent zugelegt. Wir sehen, dass die EVUs die Herausforderungen inzwischen deutlich offensiver angehen, als das noch vor drei, vier Jahren der Fall war.

Heißt das, dass die kommunalen Energieversorger allmählich wieder in die Lage kommen, ihre Finanzposition aus eigener Kraft zu stärken?

Norbert Schwieters: Wünschenswert wäre dies – ob die Trendwende allerdings dauerhaft ist, wird sich erst noch zeigen müssen. Zudem geht aus den 2015er-Zahlen deutlich hervor, dass die EVUs den Großteil ihrer Gewinne auch weiterhin an den kommunalen Gesellschafter bzw. an die kommunale Konzernmuttergesellschaft abführen. Im Schnitt schütteten die EVU 91,9 Prozent ihrer Überschüsse an die Gesellschafter aus. Das mag zur Finanzierung anderer kommunaler Aufgaben existenziell sein, zehrt aber an der Finanzkraft der EVUs.

Was sind die Folgen dieser Ausschüttungspolitik?

Papenstein: Trotz der höheren Gewinne ist der dynamische Verschuldungsgrad nicht etwa gefallen, sondern auf 2,3 gestiegen. Bei jedem fünften untersuchten Unternehmen liegt der Wert sogar oberhalb der kritischen Grenze von 4,0. Es ist also weiterhin Vorsicht geboten.

Schwieters: Das gilt umso mehr, als der Investitionsbedarf der kommunalen Energieversorger weiterhin hoch ist. So lag die durchschnittliche Investitionsquote 2015 bei 8,0 Prozent. Auch das trägt maßgeblich zum steigenden Kreditbedarf bei.

Lässt die hohe Verschuldung einzelner Energieversorger auf ein starkes Gefälle innerhalb Branche schließen?

Schwieters: Zumindest gibt es eine gewisse Spreizung, wie sich auch aus anderen Kennziffern ablesen lässt. So ist die bilanzielle Eigenkapitalquote im Schnitt der 300 untersuchten EVUs zwar auf 34,4 Prozent gestiegen. Zugleich weist jeder sechste kommunale Energieversorger aber immer noch eine Eigenkapitalquote von zum Teil deutlich unter 25 Prozent aus.

Im Zuge der aktuellen Untersuchung wurden erstmals auch die Abschlüsse von 75 kommunalen Konzernverbünden analysiert, in die viele EVUs eingegliedert sind. Was ist dabei herausgekommen?

Papenstein: Durch die Erweiterung unserer Analyse haben wir nachweisen können, dass in den Verbünden die mittlere Eigenkapitalquote mit 29,6 Prozent deutlich niedriger ausfällt als bei den klassischen EVUs. Zugleich ist der mittlere dynamische Verschuldungsgrad mit 4,1 signifikant höher. Hinzu kommt: Obwohl viele EVUs ihre Gewinne gesteigert haben, schrieb ein Fünftel der Konzerne unterm Strich sogar Verluste.

Schwieters: Das erklärt, warum viele kommunale Konzerne bei der Suche nach Krediten mit steigenden Ablehnungsquoten seitens der Banken zu kämpfen haben. In den Verbünden ist der Strukturierungsdruck zweifelsohne am höchsten. Dasselbe gilt für den Beratungs- und Verhandlungsbedarf.

Was heißt das für die Entscheidungsträger in den Kommunen?

Schwieters: Die EVUs geben unserer Analyse zufolge einen signifikanten Anteil der eigenen Finanzierungsspielräume in den Konzern weiter – was sich in einer Erhöhung ihrer eigenen Entschuldungsdauern niederschlägt.  So kommen die Versorger bei der durchschnittliche Entschuldungsdauer auf Cashflow-Basis auf einen guten Medianwert von 3,9 Jahren. Nach Gewinnabführung steigt der Wert allerdings auf 5,5 Jahre und liegt damit nur noch knapp unter dem der Konzerne, die für ihre Entschuldung im Schnitt 6,3 Jahre benötigen würden.

Papenstein: Trotz der enormen Belastung werden die EVUs immer noch auf breiter Basis über die traditionellen Kreditmärkte finanziert. Den Entscheidungsträgern sollte die strategische Bedeutung der Finanzierung und zukünftigen Finanzierungsfähigkeit bei allen Handlungszwängen bewusst sein. Dabei sollten soweit relevant die einzelnen Einheiten des Konzerns die Betrachtungsebene bilden. So können auch mal auf den ersten Blick etwas teurere Projektfinanzierungen insgesamt die wirtschaftlichste Lösung darstellen.

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Bernd Papenstein

Partner, Infrastruktur Advisory Leader, PwC Germany

Tel.: +49 211 981-2639

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