Interview: „Kooperationen gewinnen in der Corona-Krise an Bedeutung“

29 Juni, 2020

Ein Interview mit Dr. Thomas Ull und Christoph Haß. In Sachen Startups hat sich in Bremen in den vergangenen Jahren einiges getan. In welchen Bereichen die Startups in der Freien Hansestadt punkten, wo sie noch besser werden müssen – und wieso Kooperationen in der Corona-Krise an Bedeutung gewinnen, berichten Dr. Thomas Ull, Standortleiter PwC in Bremen, und Christoph Haß, Leiter der PwC-Startup-Initiative NextLevel für die Region Nord, im Interview.

Lange Zeit hat man Bremen nicht gerade mit einer lebendigen Startup-Landschaft in Verbindung gebracht. Wie schätzen Sie die Situation aktuell ein?

Dr. Thomas Ull: In den vergangenen Jahren hat sich hier einiges getan und ich bin der Meinung, dass wir auf einem guten Weg sind – auch wenn die Befragung belegt, dass wir den Gründungshochburgen in anderen Teilen der Republik in einigen Bereichen noch hinterherhinken.

Die Startups hier in Bremen und Bremerhaven profitieren zum einen von der starken Hochschullandschaft vor Ort. Positiv wirkt sich auch aus, dass die Entrepreneure relativ leicht an bezahlbare Büroräume kommen.

Das ist ein entscheidender Vorteil im Vergleich zu den großen Metropolen, wo Immobilien knapp und die Mietpreise astronomisch sind.

Wo liegen aus Ihrer Sicht die Schwachpunkte?

Christoph Haß: Das größte Problem für die Entrepreneure in unserem Bundesland ist die Finanzierung. Ein beträchtlicher Teil der Jungunternehmer hat Mühe, sich Zugang zu Kapital und Investoren zu verschaffen. Ein Blick auf die genutzten Finanzierungsquellen zeigt, dass sie hier noch zu stark auf traditionelle Wege setzen, etwa eigene Ersparnisse oder staatliche Fördermittel. Und nur eine kleine Minderheit finanziert sich über innovative Ansätze wie Risikokapitalgeber oder Business Angels. Hier wünsche ich mir mehr Mut, neue Wege zu gehen. Eine aussichtsreiche Variante ist beispielsweise die Finanzierung über Corporate Venture Capital, wo für die Investoren nicht die Rendite im Mittelpunkt steht, sondern der Zugang zu dem technologischem Know-how, das viele Startups auszeichnet.

Aber gerade beim Thema Kooperationen zeigt die Befragung, dass es noch Luft nach oben gibt….

Ull: Das stimmt, die Gründerinnen und Gründer in Bremen und Bremerhaven gehen bisher seltener Kooperationen mit anderen Startups, etablierten Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen ein als Entrepreneure in anderen Teilen Deutschlands. Hier müssen die Unternehmer aktiver werden und mehr in den Austausch und die Zusammenarbeit investieren. Denn der Schulterschluss mit etalierten Unternehmen, Wissenschaft und anderen Gründern lohnt sich. So lassen sich neue Vertriebskanäle erschließen und fehlendes Know-how ergänzen.

Haß: Gerade im Zuge der Corona-Pandemie werden Kooperationen weiter an Bedeutung gewinnen – und zwar für beide Seiten.

In der aktuellen Krise wächst auch das Interesse von etablierten Unternehmen an innovativen, digitalen Lösungen, wie sie viele Startups zu bieten haben.

Insofern könnte Corona als Digitalisierungsbooster wirken und den Startups, die sich hier durch kreative Lösungen hervortun, Auftrieb verleihen.

Dr. Thomas Ull

Dr. Thomas Ull ist Standortleiter von PwC in Bremen und hat sich auf die Beratung von Familienunternehmen und Mittelstand spezialisiert. Er verfolgt die wirtschaftliche Entwicklung in Bremen schon seit dem Jahr 2000. Was ihn an der Stadt fasziniert, ist die systematische Positionierung als innovative Region, obwohl traditionelle Branchen überwiegen.

Christoph Haß

Christoph Haß leitet die PwC-Startup-Initiative NextLevel in der Region Nord. Er ist insbesondere für den Aufbau von neuen digitalen Services zuständig. Sein Spezialgebiet sind digitale Innovationen. Ein Beispiel ist das Tool eValuation, das eine komplett digitale Unternehmensbewertung ermöglicht. Christoph Haß bringt selbst Erfahrung als Gründer mit und setzt sich mit Leidenschaft für die jungen Gründerinnen und Gründer in Bremen ein.

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Dr. Thomas Ull

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