Interview: „Investiertes Risikokapital ist in Deutschland viel zu niedrig“

03 März, 2020

Ein Interview mit Thorsten Dzulko und Christoph Haß. Hamburger Startups haben gute Laune: Sie finden in der Hansestadt günstige Bedingungen für ihr Business und sind auf Wachstumskurs. Erschwert wird die Verwirklichung ihrer ehrgeizigen Pläne allerdings durch den Fachkräftemangel.

Wieso es in Hamburg nicht leicht ist, an hochqualifizierte Mitarbeiter zu kommen und wie die Hamburger Startups beim Thema Finanzierung aufgestellt sind, erläutern Thorsten Dzulko, Standortleiter von PwC in Hamburg, und Christoph Haß, der die PwC-Initiative NextLevel in der Region Nord leitet, im Interview.

Bei Startups denken die meisten an Berlin. Wie steht Hamburg im Vergleich mit der deutschen Gründerhochburg da?

Thorsten Dzulko: Ziemlich gut. Hamburg ist einer der fünf Hotspots, in denen deutschlandweit am häufigsten gegründet wird. Sieben Prozent aller Startups haben ihren Hauptsitz in der Hansestadt – damit ist Hamburg gleichauf mit München und Stuttgart. Mehr gegründet wird nur in Berlin und der Metropolregion Rhein-Ruhr.

Und wie geht es den Gründerinnen und Gründern in Hamburg?

Christoph Haß: Die Hamburger Startups haben gute Laune. Sie blicken sehr zuversichtlich in die Zukunft und verfolgen ambitionierte Wachstumsziele. Für diese Pläne brauchen sie hochqualifiziertes Personal. Und hier liegt auch gleich die größte Hürde: Die Suche nach geeigneten Mitarbeitern ist in Hamburg mühsam. Das liegt sicher auch an den hohen Mieten an der Alster, die für Hamburger Gründer gleich doppelt problematisch sind: Zum einen ist es schwierig, bezahlbare Gewerbeimmobilien zu finden. Zum anderen schrecken hohe Mieten potenzielle Mitarbeiter ab.

Das knappe und teure Wohnungsangebot in der Hansestadt führt dazu, dass High Potentials möglicherweise nicht bereit sind, für einen attraktiven Job nach Hamburg zu ziehen.

Hamburger Startups fällt es etwas leichter als Gründern in anderen Regionen Deutschlands, Investoren zu überzeugen. Woran liegt das?

Dzulko: Bei den Hamburger Startups sind mehr Betriebswirte tätig als im bundesweiten Schnitt. Vielleicht tun die sich etwas leichter als Naturwissenschaftler oder Ingenieure, Investoren von ihrem Business Plan zu überzeugen. Zudem hat jeder zweite bereits Gründungserfahrung und daraus seine Lehren gezogen – auch für die Kapitalbeschaffung. Aber auch in Hamburg beobachten wir, dass das Thema Kapitalbeschaffung eine der schwierigsten Aufgaben für Gründer ist.

Erfreulich finde ich, dass es vielen Gründern mittlerweile gelingt, sich über Business Angels zu finanzieren.

Wagniskapitalgeber nach amerikanischem Vorbild sind hier aber leider nach wie vor Mangelware. Auch hier tut sich zwar etwas, aber im Vergleich zu den USA und China ist das in Deutschland investierte Risikokapital noch immer viel zu niedrig.

Thorsten Dzulko

Thorsten Dzulko ist Standortleiter von PwC in Hamburg. Was den Wirtschaftsprüfer an Hamburg fasziniert? Die Mischung aus hanseatischer Tradition und dem hohen Veränderungstempo im Zuge der Digitalisierung. Mit Fingerspitzengefühl, Leidenschaft und Spaß an der Sache begleitet er Unternehmen - vom Weltkonzern bis zum Startup auf dem Weg an die Spitze – dabei, die wirklich wichtigen Themen zu lösen.

Christoph Haß

Christoph Haß leitet die PwC-Startup-Initiative NextLevel in der Region Nord. Er ist insbesondere für den Aufbau von neuen digitalen Services zuständig. Sein Spezialgebiet sind digitale Innovationen. Ein Beispiel ist das Tool eValuation, das eine komplett digitale Unternehmensbewertung ermöglicht. Christoph bringt selbst Erfahrung als Gründer mit, ist dadurch stets mit voller Leidenschaft dabei und setzt sich für die jungen Gründerinnen und Gründer in Hamburg ein.

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Thorsten Dzulko

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Christoph Haß

Christoph Haß

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