Banken sollten sich jetzt für harten Brexit wappnen

12 Dezember, 2017

Der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) am 29. März 2019 wird die Finanzbranche Europas nachhaltig verändern. Noch ist völlig offen, in welcher Beziehung Großbritannien künftig zu den verbleibenden 27 EU-Mitgliedsländern (EU27) stehen wird. Die Verhandlungen über die Austrittsmodalitäten gestalten sich schwierig. Doch der Stichtag, an dem das Vereinigte Königreich die europäische Staatengemeinschaft verlassen wird, rückt unaufhörlich näher.

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In Anbetracht der bestehenden Unsicherheiten sollten Banken sich auf das „Worst Case“-Szenario eines „Hard Brexit“ einstellen. Bei einem harten Bruch wird das Vereinigte Königreich per April 2019 ohne einen durchverhandelten Anschlussvertrag und ohne eine Übergangsphase zu einem Drittland. In London ansässige Banken verlieren ihre Passporting-Rechte, mit denen sie bislang ihre Dienstleistungen und Services EU-weit anbieten können. Das gleiche gilt für EU27-Banken, die Geschäfte in Großbritannien betreiben.

Um im Fall eines harten Brexit ab April 2019 Kunden in Europa nahtlos weiter betreuen zu können, benötigen Banken eine Tochter mit Banklizenz in den verbleibenden 27 EU-Mitgliedstaaten (EU27) oder in Großbritannien. Möglich ist auch, Geschäfte auf bestehende Tochterinstitute zu verlagern. Dieser Prozess ist äußerst komplex, zeitintensiv und erfordert zusätzliche Investitionen.

Die Zeit drängt. Banken sollten nun zeitnah ihre Brexit-Pläne finalisieren und mit den Aufsichten abstimmen. Bereits jetzt sollten erste Schritte unternommen werden, Tochtergesellschaften zu gründen oder operative Aktivitäten auf bestehende Standorte zu verlagern. Vor allem komplexe Prozesse wie der Transfer von Vermögensgegenständen und der Übertrag von Altverträgen sollten unverzüglich angegangen werden. Doch davon sind viele Banken noch weit entfernt.

Strikte Bedingungen der Regulatoren

Die regulatorischen Vorgaben an die Zeit nach dem Brexit sind anspruchsvoll. Die European Banking Authority (EBA), die Europäische Zentralbank (EZB) und die nationalen Aufsichten stimmen ihre Anforderungen an neu hinzukommende und bestehende Banken gerade untereinander ab. Dadurch soll eine einheitliche Regierungs- und Aufsichtslandschaft gewährleistet werden. Die EBA hat entsprechende Brexit-Handlungsempfehlungen für die Finanzbranche erarbeitet. Diese beziehen sich auf die Genehmigung interner Modelle, mit denen die Banken ihren Kapitalbedarf berechnen, die Risikoübertragung, die Einlagensicherung und die Abwicklung von Banken.

Nationale und europäische Aufseher und Standardsetzer sind sich einig, dass sie bei den anstehenden Verlagerungen der Bankenaktivitäten keine leeren Hüllen oder Briefkastenfirmen dulden werden. Es werden nur „echte Banken“ akzeptiert, die selbstständig aus Europa heraus operieren, adäquates Risikomanagement vor Ort betreiben und ausreichend Mitarbeiter vor Ort beschäftigen.

Outsourcing dauert mindestens 18 Monate

Für die betroffenen Banken heißt dies: Für die neuen Minimalpräsenzen müssen neue interne Buchungsmodelle gefunden und die bisherigen Geschäfts- und Governance-Modelle angepasst werden. Darüber hinaus sollten möglichst rasch die Standortfrage entschieden und Lizenzanträge gestellt werden. Der umfassende Prozess einer Bankverlagerung - von der Planung über das Genehmigungsverfahren bis hin zum Transfer der Vermögensgegenstände, der Neuverhandlung von Kundenverträgen, Mitarbeiterrekrutierung sowie dem Aufbau von Infrastruktur und IT-Systemen – kann bis zu 18 Monate dauern.

Vor allem Universalbanken stehen beim Outsourcing häufig vor einem Komplexitätsproblem, während Instituten mit einem spezialisierten Geschäftsmodell bereits weiter fortgeschritten sind. Einige Geldhäuser, die signifikant größere Aktivitäten verlagern müssen, haben ihre Brexit-Strategie bereits klar definiert. Die Pläne wurden von der Aufsicht genehmigt und die Institute haben mit der Verlagerung der Aktivitäten begonnen. Andere Banken wiederum hinken in ihren Zeitplänen weit hinterher und laufen Gefahr, im April 2019 für den Fall eines harten Brexit nicht bereit zu sein.

PwC hilft bei Lizenzanträgen und Altverträgen

Angesichts der Komplexität des Verlagerungsprozesses und zum Schutz der Finanzstabilität sind flexible Übergangsregeln für die Zeit nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU dringend notwendig. Die gewährten Umsetzungsphasen werden davon abhängen, wie komplex und groß eine neu hinzukommende Bank ist. Hinzu kommt: Je größer und komplexer das neue Tochterinstitut sein wird, desto höher werden auch die Anforderungen der Aufsicht an das Institut ab Tag eins nach dem Brexit sein, um systemische Risiken für den Finanzmarkt zu begrenzen.

PricewaterhouseCoopers (PwC) unterstützt Banken in allen regulatorischen, praktischen und technischen Fragen zum Brexit. Unsere Experten helfen etwa bei der Auswahl des neuen Standortes und bei den Lizenzanträgen für die nationalen Regulierungsbehörden. Wir begleiten zudem bei der aufsichtsrechtlichen Genehmigung interner Modelle zur Risikobewertung und der Neugestaltung bestehender Kundenverträge, um sicherzustellen, dass Banken sich für jedes Szenario dieses historisch einzigartigen Austrittsprozesses erfolgreich wappnen können.

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Stephan Lutz

Partner Capital Markets Lead, PwC Germany

Tel.: +49 69 9585-2697

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