Diese Herausforderungen bringt der Brexit für die Steuerfunktion in der FS-Industrie

05 März, 2018

Der mögliche Verlust der sogenannten Passporting-Rechte durch den bevorstehenden Brexit beschäftigt Banken, Asset Manager, und Versicherungen. Die Finanzinstitute können mittels Passporting ihre Dienstleistungen in 28 EU-Ländern anbieten, wenn sie in einem der EU-Länder eine entsprechende Erlaubnis besitzen. Sollte das Passporting entfallen, müssen viele Finanzinstitute ihre Businessmodelle auf die neue Situation anpassen. PwC Partner Christian Malisius, StB, und Alexander Skuratovski, RA, StB, FAfStR, sprechen über die steuerlichen Konsequenzen des Brexits für die Finanzindustrie und deren Steuerfunktion.

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Warum ist die FS-Industrie von der Brexit-Entscheidung besonders betroffen?

Christian Malisius: London gehört zu den größten und wichtigsten Finanz- und Handelsplätzen der Welt. Die im Vereinigten Königreich (UK) ansässigen Finanzinstitute sind in den anderen europäischen Ländern sehr aktiv. Viele EU-27 Banken, also EU ohne UK, lassen ihre Händler in London handeln. Die größte Gruppe der Betroffenen sind aber nicht-europäische Finanzdienstleister, die die City of London als Zugang zum gesamteuropäischen Markt nutzen. Der drohende Brexit sorgt nun für Unsicherheit und Handlungsdruck.

Und was bedeutet das konkret für die Finanzunternehmen?

Christian Malisius: Die betroffenen Finanzunternehmen müssen überlegen, wie sie ihre Businessmodelle an die Post-Brexit-Situation anpassen. Wir erwarten, dass es zur Verlagerung von Funktionen und Geschäften aus dem Vereinigten Königreich in die EU-27 kommen wird. Einige Finanzinstitute werden UK vollständig verlassen. Dabei sind immer auch steuerliche Effekte zu prüfen.

Alexander Skuratovski: Themen wie Transfer Pricing und Umsatzsteuer sind nur zwei der Aspekte, die die Finanzindustrie umtreiben. Hinzu kommt, dass sie viele neue Prozesse steuerlich zu würdigen und abzubilden haben. Das gilt insbesondere für die Bankprodukte und Kundenbeziehungen, die nach dem Brexit in Deutschland auf die Bücher genommen werden.

Was sollen die Steuerabteilungen bereits jetzt unternehmen?

Alexander Skuratovski: Zuerst muss man sich darauf verständigen, von welchem Brexit-Szenario man ausgeht. Wir rechnen damit, dass der Brexit zu einem vollständigen Verlust des Passportings bis Ende März 2019 führt. Es ist zu entscheiden, welche Anpassungen des Businessmodells in welchem zeitlichen Rahmen vorgenommen werden müssen.

Hier kommt die Steuerabteilung ins Spiel. Ihre Aufgabe wird es sein:

  • die steuerlichen Auswirkungen der Anpassung des Businessmodells zu analysieren,
  • die steuereffiziente Durchführung der Brexit-Transaktion sicherzustellen,
  • die Funktionsfähigkeit und die Größe der Steuerabteilung an die neuen Gegebenheiten je Standort anzupassen sowie
  • die steuerliche Compliance und das steuerliches Reporting zu gewährleisten.

Es wird deutlich, wie komplex die bevorstehenden Aufgaben sind. Auch die Frage, wo elektronische Buchführungssysteme nach dem Brexit geführt werden, hat eine hohe steuerliche Relevanz.

Wie reagieren die Finanzmarktteilnehmer auf die gegenwärtige Situation?

Christian Malisius: Unterschiedlich. Viele wollen mit Minimallösungen auf einen Brexit reagieren und nur die Anpassungen vornehmen, die der Regulator unbedingt vorschreibt. Diese Unternehmen befinden sich zurzeit häufig in der Wartestellung. Sie haben bereits ihre Brexit-Verantwortlichen benannt und Arbeitsgruppen gebildet, sind aber zurückhaltend bei der Umsetzung. Zurzeit passiert vieles im Hintergrund. Einige unsere Mandanten haben intern konkrete Vorstellungen und Pläne entwickelt und bereits erste steuerliche Überlegungen angestellt.

Andere Finanzmarktteilnehmer gehen das Thema Brexit offensiver an. Sie haben ihre Pläne bereits veröffentlicht und gehen in die Umsetzungsphase über.

Wie kann PwC helfen?

Christian Malisius: Unser Team bei FS Tax & Legal besitzt langjährige Erfahrungen in der steuerlichen Beratung der Finanzinstitute. Wir können vor, während und nach dem Brexit umfassend unterstützen. Dabei verfolgen wir einen interdisziplinären Ansatz und arbeiten eng mit unseren Kollegen aus Advisory, Assurance und Legal zusammen.

Alexander Skuratovski: Steuerlich können wir die gesamte Leistungspalette von der Transaktionsberatung über die Produktberatung und die Optimierung des Tax Managements bis hin zur Übernahme der steuerlichen Reportingpflichten anbieten. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist hierbei entscheidend, denn nur so lassen sich die komplexen Herausforderungen des Brexits überblicken und meistern.

Contact us

Stephan Lutz

Partner, Capital Markets Leader, PwC Germany

Tel.: +49 69 9585 2697

Christian Malisius

Partner und Experte für die Besteuerung der Finanzinstitute, PwC Germany

Tel.: +49 69 9585-7730

Alexander Skuratovski

Director und Experte für Brexit-Transaktionen, PwC Germany

Tel.: +49 69 9585-2640

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