HGB: Deutsche Rechnungslegung im Brexit zu berücksichtigen

30 Mai, 2018

Überblick

Bei der Entscheidung über die Verlagerung von Geschäftsaktivitäten im Zuge des Brexits dürfte die Rechnungslegung nicht im Vordergrund gestanden haben. Nichtsdestotrotz ist es mit Fortschreiten der Brexit-Projekte zwingend notwendig zu beurteilen, welche Arten von Abschlüssen nach deutschen und europäischen Vorschriften aufgestellt, geprüft und veröffentlicht werden müssen. Darüber hinaus ist es notwendig, die für Banken geltenden Rechnungslegungsgrundsätze des HGB zu verstehen, um die Bilanz zielgerichtet strukturieren zu können.

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Wer ist von der Rechnungslegung nach HGB betroffen?

Die Antwort auf diese Frage hängt vor allem von der angestrebten gesellschaftsrechtlichen Struktur ab, die im Detail zu analysieren ist.

Grundsätzlich gilt, dass eine Bank (juristische Person, z. B. eine „GmbH“ oder eine  „AG“) mit Sitz in Deutschland verpflichtet ist, einen Jahresabschluss nach HGB in deutscher Sprache aufzustellen, prüfen zu lassen und zu veröffentlichen. Auch eine deutsche Niederlassung einer ausländischen Bank muss eine Vermögensübersicht nach HGB erstellen. Es ist daher fast unumgänglich, mit den deutschen Rechnungslegungsvorschriften und der deutschen Sprache in Berührung zu kommen, wenn Bankgeschäfte nach Deutschland verlagert werden.

Ist eine Bank ein Mutterunternehmen, muss sie auch einen Konzernabschluss nach HGB oder freiwillig nach IFRS in deutscher Sprache aufstellen, prüfen lassen und veröffentlichen. Ist das Mutterunternehmen ein kapitalmarktorientiertes Unternehmen, muss es einen Konzernabschluss nach IFRS aufstellen, prüfen lassen und veröffentlichen. Im Bereich des Konzernabschlusses ist es somit immer möglich, die Anwendung des HGB durch eine Anwendung der IFRS zu umgehen.

Darüber hinaus gibt es Befreiungen, die Mutterunternehmen, die keine kapitalmarktorientierten Unternehmen sind, von der Pflicht zur Aufstellung eines Konzernabschlusses befreien, wenn diese Unternehmen gleichzeitig Tochterunternehmen eines anderen, obersten Mutterunternehmens sind. Diese Ausnahmeregelungen gelten jedoch nur, wenn bestimmte Kriterien - die sich für oberste Mutterunternehmen mit Sitz innerhalb der EU/EWR und solche mit Sitz außerhalb dieser Gebiete (z. B. die Schweiz oder möglicherweise das Vereinigte Königreich nach dem Brexit) unterscheiden – erfüllt sind. Insbesondere im letztgenannten Fall ist die Beurteilung, ob das Mutterunternehmen von der Pflicht zur Aufstellung eines Konzernabschlusses befreit ist, komplex und bedarf sorgfältiger Analysen.

Was sind die Grundsätze des HGB und wie unterscheiden sie sich von den IFRS?

Ist man zu dem Schluss gekommen, dass eine Bank einen Abschluss nach HGB aufzustellen hat, ist eine weitergehende Beschäftigung mit den anzuwendenden Rechnungslegungsgrundsätzen erforderlich. Die Rechnungslegung nach HGB ist im Wesentlichen durch das Vorsichtsprinzip und den Gläubigerschutz geprägt. Dies ist ein grundlegender Unterschied zu den IFRS, deren Schwerpunkt auf der Bereitstellung von Informationen liegt, die für Investoren bei wirtschaftlichen Entscheidungen nützlich sind.

Ein Beispiel, das diesen Unterschied veranschaulicht, ist die Bilanzierung von Derivaten. Während Derivate nach IFRS grundsätzlich erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert bewertet werden, gilt dies nach HGB nur für solche Derivate, die Teil des Handelsbuchs sind. Für andere freistehende Derivate darf kein positiver Marktwert angesetzt werden, während eine Rückstellung zu bilden ist, wenn deren Marktwert negativ ist.

Die Bilanzierung von Standardkrediten an Kunden ist dahingehend vergleichbar, als dass sowohl nach HGB als auch nach IFRS die fortgeführten Anschaffungskosten die allgemeine Grundlage für die Folgebewertung bilden. Es ist jedoch sorgfältig zu prüfen, ob und inwieweit die Impairment-Berechnung nach IFRS 9 auch für die Bilanzierung nach HGB herangezogen werden kann. Darüber hinaus kann die Bilanzierung von Gebühren im Zusammenhang mit dem Kreditgeschäft zwischen HGB und IFRS variieren, so dass der genaue Hintergrund der einzelnen Gebührenelemente im Einzelfall analysiert werden muss.

Das Vorsichtsprinzip und das Prinzip des Gläubigerschutzes haben auch zu einigen Sonderregelungen geführt, für die die IFRS kein Äquivalent kennen, bspw. besteht eine spezielle Regelung, die die Bildung stiller Reserven im Kreditportfolio einer Bank erlaubt.

Zwar sind nicht alle Bereiche der Rechnungslegung nach HGB und der Rechnungslegung nach IFRS grundverschieden, jedoch muss sorgfältig analysiert werden, welche Bereiche ähnlich und welche unterschiedlich sind, wobei das individuelle Geschäftsmodell der Bank und die angestrebte Bilanzstruktur zu berücksichtigen sind.

Weitere Einzelheiten zu den Rechnungslegungsvorschriften für Banken in Deutschland und insbesondere zu den Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen HGB und IFRS können der beigefügten Präsentation entnommen werden.

Wir empfehlen Banken, die potenzielle Notwendigkeit der Erstellung von Finanzinformationen nach HGB bereits jetzt zu analysieren, um die notwendigen Änderungen in den Berichtsprozessen und Kontenrahmen in Angriff zu nehmen und rechtzeitig eine fehlerfreie Rechnungslegung nach HGB zu gewährleisten!

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