Künstliche Intelligenz: Worauf es 2018 ankommt – by Christian Kirschniak

28 Dezember, 2017

Start adding items to your reading lists:
or
Save this item to:
This item has been saved to your reading list.

„Immer mehr Führungskräfte erkennen, welches Potenzial KI-Technologien bergen. Aber das reicht nicht: Wer sie erfolgreich einsetzen will, muss zugleich Vertrauen und Akzeptanz schaffen.

Ob autonome Fahrzeuge, Chatbots im Call-Center oder innovative Diagnostik beim Arztbesuch: Künstliche Intelligenz (KI) prägt immer mehr Bereiche unseres Lebens. Und diese Entwicklung wird sich 2018 weiter beschleunigen, weil Anwender und Entwickler rasante Fortschritte machen und immer ausgereiftere Konzepte für KI kreieren.

Zu den Top-KI-Trends für 2018 gehören „Capsule Networks“, die visuelle Informationen ähnlich verarbeiten wie unser Gehirn, was die automatische Identifikation von Bild oder Video-Inhalten erleichtert - wie zum Beispiel in aktuellen Smartphones. Und dank „Deep Reinforcement Learning“ müssen Programmierer die jüngste KI-Generation nicht mehr aufwändig mit Daten füttern: Sie lernen, indem sie beobachten und probieren.

Die nächste Stufe sind „generative adversarial networks“, die durch gegenseitiges Lernen bestehende Erkenntnisse selbstständig erweitern und ergänzen können. Zum Beispiel können solche Systeme durch einfache Fotografien dreidimensionale Modelle generieren. KI ermöglicht es immer mehr, Informationen analog zu der menschlichen Wahrnehmung zu verarbeiten.

Wie KI zum Wachstumstreiber wird

Die Liste erstaunlicher Errungenschaften ließe sich fortsetzen. Und klar ist: Unternehmen, die das technische Potenzial verstehen und ausschöpfen, erhöhen ihre Erfolgschancen deutlich. So zeigt eine aktuelle PwC-Studie, dass KI zum Wachstumstreiber werden kann. Da KI Expertenwissen automatisieren und einer Organisation breiter zur Verfügung stellen kann, wird die Arbeitsproduktivität erhöht. Außerdem ist eine weitergehende Individualisierung von Produkten und Dienstleistungen möglich.

Für eine erfolgreiche Transformation reicht es aber nicht, wenn Führungskräfte die technischen Möglichkeiten erkennen und neue Systeme implementieren. Ich bin fest davon überzeugt, es ist mindestens genauso wichtig, Vertrauen und Akzeptanz zu schaffen – und zwar bei Kunden und Mitarbeitern gleichermaßen.    

Erfolgsfaktor 1: Ethische Standards definieren

Spätestens, wenn sich KI-Systeme gegenseitig coachen, drängt sich die Frage auf: Wie stellen Unternehmen sicher, dass die Ergebnisse gesetzlichen und ethischen Standards entsprechen? Wer die Systeme laufen lässt, riskiert Rechtsverstöße und Reputationsschäden. So erregte ein Chatbot kürzlich Aufmerksamkeit, da er sich beim "Lernen" von den Usern einer Microblogging-Plattform in kurzer Zeit zum Rassisten entwickelte.

Unternehmen müssen deshalb dringend klare Ethik-Leitlinien für den Einsatz von KI-Systemen definieren und Ergebnisse ständig kontrollieren. Zudem sollten sie erklären, wie KI-Systeme arbeiten – und sich hohe Standards von unabhängigen Instanzen bescheinigen lassen.

Denn Kunden akzeptieren neue Technologien und Geschäftsmodelle nur, wenn sie ihnen vertrauen. Und Vertrauen setzt Transparenz voraus. Ich bin deshalb überzeugt, dass „Trusted and Explainable Artificial Intelligence“ in den nächsten Jahren zum entscheidenden Differenzierungsmerkmal wird.

Erfolgsfaktor 2: Datenschutz als Chance begreifen

Diese Prinzipien gelten nicht nur für KI im engeren Sinne, sondern auch für die Daten, mit denen Unternehmen ihre Systeme füttern. Ich habe den Eindruck: Vielerorts geht es vor allem darum, möglichst viele Daten zu sammeln und zu verknüpfen; Regularien wie die EU-Datenschutzgrund-Verordnung empfinden viele als lästig oder bevormundend.

Das kann ich nachvollziehen, aber dieser Habitus bringt niemanden weiter. Ich meine: Wir sollten Datenschutz als Chance begreifen, Selbstbestimmungsrechte respektieren und den Kunden nicht nur widerwillig oder gönnerhaft, sondern aus voller Überzeugung Datenhoheit gewähren.

Das ist aus meiner Sicht eine große Chance, sich von Wettbewerbern zu unterscheiden. Zumal auch für die Daten-Akquise gilt: Vertrauen ist Voraussetzung für Akzeptanz – und somit für Erfolg.

Erfolgsfaktor 3: Mitarbeiter für KI begeistern  

Unerlässlich ist neben der Akzeptanz der Kunden auch die der Mitarbeiter. Und das ist alles andere als trivial. Schließlich können KI-Systeme auch anspruchsvolle Aufgaben übernehmen, was Berufsbilder vom Wirtschaftsprüfer bis zum Chirurgen tiefgreifend verändert.  

Doch wie können Führungskräfte ihre Mitarbeiter von den neuen Technologien überzeugen und sie idealerweise sogar dafür begeistern? Indem sie das Augenmerk auf die Chancen der digitalen Transformation lenken und insbesondere klarmachen, dass KI zwar Tätigkeiten ersetzen soll – aber keine Mitarbeiter.

Und indem sie erklären, worum es wirklich geht: Dass Mensch und KI gemeinsam besser werden. Bereits heute helfen KI Systeme in vielen Unternehmen, Prozesse zu verschlanken und Mitarbeiter von monotonen Arbeiten zu entlasten. Die Kundenzufriedenheit in Callcentern konnte so in den letzten Jahren in vielen Fällen verbessert werden und die Mitarbeiter können sich intensiver um relevante direkte Kundenkommunikation kümmern.

Erfolgsfaktor 4: Glaubwürdig kommunizieren und führen

Solche Botschaften sind nur glaubwürdig, wenn Verantwortliche Spielräume für Weiterbildungen schaffen. So können sie Mitarbeiter befähigen, KI-Systeme zu verstehen und zu kontrollieren – und ihnen zudem ermöglichen, Fähigkeiten und Talente auszubauen, die Menschen auch in absehbarer Zukunft von Robotern unterscheiden. Damit werden sogenannte “Soft-Skills” wieder relevanter, in der Interaktion mit einem immer komplexeren Ökosystem.

Zur glaubwürdigen Führung gehört zudem eine offene, permanente Kommunikation auf Augenhöhe. Denn KI -Systeme sorgen dafür, dass Wissen im Unternehmen breiter und besser zur Verfügung steht. Für Mitarbeiter bedeutet dies künftig, wer offen bleibt für neue Aufgabenprofile und sich weiterbildet, der kann am besten von der Transformation unserer Arbeitswelt durch KI profitieren. Führungskräfte, die sich selbst für die größten Experten halten oder ein Silodenken pflegen, haben deshalb ausgedient.“

By Christian Kirschniak

Über den Autor

Christian Kirschniak ist Partner und Head of Data & Analytics Advisory PwC Europe. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren leidenschaftlich mit Themen rund um Big Data und Künstliche Intelligenz, um Unternehmen bei der digitalen Transformation zu unterstützen.

Contact us

Christian Kirschniak
Partner und Head of Data & Analytics Advisory PwC Europe, PwC Germany
Tel.: +49 711 25034-3254
E-Mail

Hendrik Reese
Senior Manager, AI, PwC Germany
Tel.: +49 89 5790-6093
E-Mail

Dr. Roland Werner
Partner, Data & Analytics PwC Europe, PwC Germany
Tel.: +49 69 9585-5707
E-Mail

Klaus Schmidt
Mitglied der Geschäftsführung und Leiter Tax & Legal, PwC Germany
Tel.: +49 89 5790-6706
E-Mail