Bürgschaftsprogramme für Unternehmen in der Corona-Krise

27 März, 2020

Das Corona-Virus COVID-19 hat schwerwiegende Folgen auf die weltweite Wirtschaft. Bund und Länder unterstützen Unternehmen mit ausgeweiteten Bürgschaftsprogrammen zur Deckung des erhöhten Finanzierungsbedarfes.

Bürgschaftsprogramme im Überblick

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Bernd Papenstein
Partner, Deals: Leader Öffentlicher Sektor bei PwC Deutschland
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Verbürgung von Krediten bei erhöhten Liquiditätsbedarf

Die Programme für Bürgschaften richten sich an alle Unternehmen, die angesichts der aktuellen Situation einen erhöhten Liquiditätsbedarf haben und. Erster Ansprechpartner ist Ihre Hausbank bzw. Bank, die auch zur Übernahme zusätzlicher Risiken bereit sein muss. Die Bürgschaft kann sämtliche Finanzierungsformen (u.a. Bar-/Avalkredite, Investitions- und Betriebsmittelkredite, Factoring) besichern.

Die Länder und der Bund gewähren bis zu 90%ige Bürgschaften in einem auf 1-2 Wochen verkürzten Verfahren.

An wen richten sich die Bürgschaftsprogramme?

Die Bürgschaftsprogramme der Länder bzw. des Bundes richten sich an alle Unternehmen, die infolge der Corona-Krise einen Liquiditätskredit benötigen, beispielsweise, weil Umsätze oder Lieferketten wegbrechen, sich Projekte verschieben oder infolge fehlender Mitarbeiterverfügbarkeit. Banken, Kautionsversicherer oder Warenkreditversicherer können grundsätzlich Bürgschaftsprogramme in Anspruch nehmen.

Welche Voraussetzungen müssen Unternehmen erfüllen?

Das geförderte Unternehmen darf am 31. Dezember 2019 kein Unternehmen in Schwierigkeiten im Sinne der Leitlinien der EU gewesen sein. Nachfolgende Schwierigkeiten müssen auf die Corona-Krise zurückzuführen sein. Andernfalls gilt für diese Unternehmen das klassische Bürgschaftsverfahren der Länder.

Eine Übersicht zu den Fördergebieten der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ im Zeitraum 2014 – 2020 finden Sie hier.

Finanzierungsbedarf bis zu 3,125 Millionen Euro (bzw. Bürgschaftsobligo bis 2,5 Millionen Euro): Bürgschaftsbanken

Bürgschaftsbanken sind selbstständige Selbsthilfeeinrichtungen in jedem Bundesland. Sie eignen sich, um einen Kredit bis zu 3,125 Mio. Euro. zu decken, jedoch nicht für Sanierungen. Die Bürgschaftsbank übernimmt eine Ausfallbürgschaft von üblicherweise 80 Prozent (bzw. einem Bürgschaftsbedarf von € 2,5 Mio.), teilweise auch darüber hinaus, so dass Ihrer Bank ein Restrisiko von etwa 20% bleibt. Für Kleinbeträge gibt es verkürzte Verfahren. Bitte wenden Sie sich bei Interesse an der Besicherung durch eine Bürgschaftsbank direkt an Ihre Hausbank bzw Bank.

Finanzierungsbedarf über 3,125 Millionen Euro (bzw. Bürgschaftsobligo über 2,5 Millionen Euro): Landesbürgschaften

Landesbürgschaften eignen sich ab einem Kreditbedarf von 3,125 Mio. Euro (bzw. einem Bürgschaftsbedarf von 2,5 Mio. Euro) oder bei Sanierungen auch für kleinere Beträge. Maximal kann der Finanzierungsbedarf für die kommenden 18 (12) Monate für kleine- und mittlere Unternehmen (Großunternehmen) gedeckt werden. Das Land übernimmt eine Ausfallbürgschaft von üblicherweise 90 %. Die Laufzeit einer Bürgschaft beträgt maximal sechs Jahre. Für die Übernahme der Bürgschaft ist – länder- und ratingabhängig – eine Garantieprovision von 0,5 % p.a. bis zu 2,0 % p.a. zu zahlen. Ansprechpartner für Landesbürgschaften sind die jeweiligen Wirtschaftsministerien oder der Bürgschaftsmandatar: Das ist in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, NRW und Thüringen PwC, in allen weiteren Bundesländern sind es die Förderbanken der Länder.

Höhere Finanzierungsbedarfe: Bundesbürgschaften

Bürgschaftsbedarf ab 20 Millionen Euro (Kreditbedarf bei 90%: 22,2 Millionen Euro bzw. 44,4 Millionen Euro bei Investitionskrediten) in den geförderten Gebieten (farbig markiert) bzw. ab einem Bürgschaftsbedarf ab 75 Millionen Euro in den übrigen Gebieten in Frage. Wie bei der Landesbürgschaft handelt es sich um eine staatliche Ausfallbürgschaft eines Kredites von in der Regel 90%, die parallel durch den Bund gewährt wird sowie die Länder, in denen jeweils mehr als 10 % der Belegschaft eines Unternehmens beschäftigt sind. Es wird ein Bürgenkonsortium gebildet, das durch den Bund geführt wird. Ein kleines und mittleres Unternehmen (Großunternehmen) kann mit einer Bundesbürgschaft maximal den Finanzierungsbedarf der kommenden 18 (12) Monate besichern. Die Kreditlaufzeit beträgt maximal 6 Jahre. Es ist eine Garantieprovision von 0,5 % p.a. bis zu 2,0 % p.a. zu zahlen. Der Antrag für eine Bundesbürgschaft ist ohne Einschaltung einer Bank möglich, jedoch muss diese später im Verfahren beitreten.

Antrag stellen

Wie wird der Antrag für eine Landesbürgschaft oder eine Bundesbürgschaft gestellt?

Bei Interesse an einer Landesbürgschaft wenden Sie sich bitte an Ihren Kreditgeber. Ihre Bank leitet den Antrag zwecks betriebswirtschaftlicher Begutachtung für das jeweilige Land beziehungsweise den Bund an PwC als Mandatar weiter.

Wie sieht der Prüfungsprozess einer Landes- oder Bundesbürgschaft aus?

Um der derzeitigen Krisensituation gerecht zu werden, wurden beschleunigte Verfahren etabliert. Dadurch ist es möglich, innerhalb von ein bis zwei Wochen eine Entscheidung für einen Bürgschaftsantrag zu treffen. Der Prozess sieht somit folgendermaßen aus:

Benötigte Dokumente und Informationen für den Bürgschaftsantrag

Halten Sie folgende Dokumente beziehungsweise Informationen bereit, die in jedem Verfahren erfragt werden:

  • Mittelfristplanung sowie Corona- und Wiederholung reflektierende Kurzfristplanung (Ertrags- und Finanzplanung) einschließlich Szenariobetrachtungen
  • jeweils nebst umfassender, qualitativ und quantitativ nachvollziehbarer Erläuterung der Planungsprämissen.
  • Informationen zum Working Capital
  • Genutzte Zahlungsziele, Stand Warenkreditversicherer
  • Erhaltene Anzahlungen, ggf. Stand Avalverfügbarkeit
  • Stand Forfaitierungs-/Factoringmöglichkeit und -ausnutzung
  • Darstellung der aktuellen Finanzierungsverhältnisse (Darlehen, Kreditlinien etc.) nebst Darstellung der Besicherungsverhältnisse. Angaben zur nachhaltigen Verfügbarkeit und zu etwaigen Anschlussfinanzierungsrisiken.
  • Jahresabschlüsse 2016 - 2019 nebst Prüfungsberichten (soweit vorhanden) sowie Angaben zur wirtschaftlichen Entwicklung im laufenden Geschäftsjahr mit Aufgliederungen und Erläuterungen zu den wesentlichen Positionen.
  • Bescheinigung des zuständigen Finanzamtes gemäß dort vorliegendem Vordruck für den Antragsteller, die persönlich haftenden Gesellschafter und sonstige Personen, die als Gesellschafter wesentlichen Einfluss ausüben können
  • Bestehen Betriebsstätten in mehreren Bundesländern: Aufgliederung der vollzeitäquivalenten Mitarbeiter nach Bundesländern
  • Im Falle von Verlusten 2019: von den Geschäftsführern zu unterzeichnende Fragen zum EUbeihilferechtlichen Status
  • In einigen Ländern/ Bund: Persönlich unterschriebene Aufstellung über Privatvermögen, dessen Belastungen und private Schulden der Inhaber bzw. der Gesellschafter, die wesentlichen Einfluss auf das Unternehmen ausüben können, und deren Ehegatten
  • für weitere gegebenenfalls länderspezifische Details verweisen wir auf die Websites der Bundesländer

Ihre Ansprechpartner zum Thema Bürgschaften

Ihre Ansprechpartner bei PwC:

Bernd Papenstein
KfW, Bund und NRW
Tel.: +49 160 97244680

Rainer Holtmann
Bund und NRW
Tel.: +49 171 7662764

Wolfgang Reich
NRW
Tel.: +49 160 5362885

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Karin Meyer zu Bergsten
Mecklenburg-Vorpommern
Tel.: +49 160 90503520

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Peter Koch
Bund und Niedersachsen
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Jens Weigel
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