Wie gestalten Investoren Finanzierung und Bewertung von Startups während COVID-19?

Marktstudie 2020: Finanzierung von Startups mit Venture Capital und deren Bewertung in der gelebten Praxis

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Enrico Reiche
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So lässt sich die Effizienz des Finanz-Ökosystems von Startups verbessern 

Die Finanzierung von Startups mit Risikokapital birgt für Investoren stets Unsicherheiten hinsichtlich der realistischen Einschätzung von Wertpotenzialen zukünftiger Portfolio-Unternehmen. Dies gilt umso mehr, als ein einzelner Investor in der Regel nur zwischen zehn und circa 25 Prozent an einem Startup-Unternehmen beteiligt ist. Gerade in der frühen Phase entscheiden also vor allem die Gründer über die zukünftige Entwicklung ihres aufstrebenden, innovativen Unternehmens. 

Auch die zugrundeliegende Unternehmensbewertung basiert eher auf Erfahrungswerten als auf konkreten quantitativen Methoden. Zum Ausgleich dieser Unwägbarkeiten werden in komplexen Beteiligungsverträgen oft umfassende Sonderrechte für Investoren geregelt. Für die Gründerinnen und Gründer können diese jedoch zu teilweise unerwarteten ökonomischen Wirkungen führen.      

Die aktuelle Marktstudie von PwC, Ventury Analytics und Prof. Dr. Dirk Honold (Technische Hochschule Nürnberg) analysiert das Vorgehen der Risikokapitalgeber und schlägt die interdisziplinäre Brücke zwischen der Bewertungspraxis und der rechtlichen Ausgestaltung von Finanzierungsrunden in Beteiligungsverträgen. Damit liefert die Analyse praxisnahe Erkenntnisse zu den aktuell angewandten Methoden bei der Bewertung von Unternehmen und den gängigsten Ausgestaltungsvarianten von Vertragsklauseln bei Venture-Capital-Beteiligungen. Aus der Studie lassen sich Handlungshilfen ableiten, die zur Effizienz und Effektivität des Finanz-Ökosystems der Startups beitragen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auch auf der Einordnung, inwiefern sich die COVID-19-Pandemie auf die Bewertung und die Startup-Finanzierung auswirkt.

„Die in dieser Studie geschlagene interdisziplinäre Brücke zwischen der Bewertungspraxis und der rechtlichen Ausgestaltung von Finanzierungsrunden in Beteiligungsverträgen erlaubt Rückschlüsse auf Verhandlungsprozesse und deren Motivationen. Die Erkenntnisse führen zu einem guten Verständnis von Vertragsbedingungen und zu einer verbesserten Effizienz und Effektivität im Rahmen der Umsetzung von Beteiligungsverträge im Interesse aller Parteien.“

Gerhard Wacker, Partner im Bereich Corporate/M&A bei PwC Legal Deutschland

Die Studie im Überblick

Mehr großvolumige Risikokapitalfonds nötig

Nur die wenigstens Fonds investieren mehr als 15 Millionen Euro in ein Portfoliounternehmen. Sollen in Deutschland zukünftig mehr inländische Investoren größere Runden anführen oder sich daran beteiligen, sind sowohl bei klassischen Risikokapitalinvestoren als auch bei Corporate-Venture-Capital-Einheiten höhere Fondsvolumina wünschenswert.

„Startups sind ein wichtiger Motor für Innovation und Wachstum. Risikokapital ist der Treibstoff, der die Startups voranbringt und den Gründerinnen und Gründern den notwendigen Raum zur Entfaltung von Leistung und Leidenschaft gibt. Das Finanz-Ökosystem prägt damit entscheidend die Entwicklung junger Unternehmen.“

Prof. Dr. Dirk Honold, Professor für Unternehmensfinanzierung, Technische Hochschule Georg Simon Ohm Nürnberg
Infografik zu Gesamtfinanzierungsvolumina bei Portfoliounternehmen von PwC Deutschland

Der Verhandlungsprozess hat großen Einfluss auf den Unternehmenspreis

Der letztendlich erzielte Unternehmenspreis hängt einerseits vom Skalierungspotenzial des Unternehmens und aktuellen Markttrends ab, aber auch der Verhandlungsprozess hat großen Einfluss auf den Preis. Dies ist unter anderem im Kontext von Sonderrechten zu sehen: Liquidationspräferenzen können den Investoren beispielsweise erlauben, eine Bewertung zu akzeptieren, die sie ohne – oder mit schwächeren – Liquidationspräferenzen abgelehnt hätten. 

Startups in Deutschland sind vergleichsweise niedrig bewertet

Das bereitgestellte Finanzierungsvolumen der Investoren lässt durch die erwarteten Beteiligungsquoten implizite Bewertungen der Startups zu. Diese Marktlogik führt aufgrund der relativ geringen Volumina der Einzelinvestments zu vergleichsweise niedrigen Bewertungen in Deutschland. Um hier entgegenzuwirken, benötigt es großvolumige Fonds. So lässt sich der Rahmen setzen, um auch größere Einzelinvestments durchzuführen.

„Die Daten aus der Marktstudie schließen eine Lücke über konkrete Ausgestaltung von Startup-Finanzierungen in nicht öffentlich bekannten Verträgen sowie die damit einhergehende Bestimmung der Unternehmensbewertung in Deutschland.“

Patrick Hümmer, Geschäftsführer Ventury Analytics GmbH

COVID-19 und die Folgen für den deutschen Venture-Capital-Markt 

Die COVID-19-Pandemie hat die deutsche Startup-Szene und den Venture-Capital-Markt getroffen. Dies kann sich auch auf gerade erfolgte Finanzierungsrunden auswirken sowie auf die anstehenden Folgerunden. Startups brauchen in der aktuellen COVID-19-Krise also weiterhin staatliche Unterstützung, um ihren Kapitalbedarf zu decken. Staatliche Fördermittel können dazu beitragen, das Startup-Ökosystem in dieser schwierigen Situation zu stützen. 

Infografik zu Auswirkungen der COVID-19-Krise auf den Abschluss weiterer Startup-Finanzierungsrunden von PwC Deutschland

“Mit unserer Studie wollen wir für mehr Transparenz über die häufig vertraulichen Details von Startup-Finanzierungen sorgen und somit ein Benchmarking ermöglichen, das als Entscheidungshilfe für alle Parteien innerhalb des Transaktionsprozesses dienen kann.”

Enrico Reiche, Director, Deal Advisory bei PwC Deutschland

Die Methodik

Für die Marktstudie haben in Kooperation PwC, Ventury Analytics GmbH und Prof. Dr. Dirk Honold (Technische Hochschule Nürnberg) deutsche und ausländische Investoren von Startups im Sommer 2020 befragt, die sich bei ihrer Investitionsstrategie auf den deutschen Markt fokussieren oder Deals in Deutschland getätigt haben. Über die insgesamt 113 Fragen hinweg haben sich in der Spitze 74 Investoren an der Studie beteiligt, die rechnerisch mehr als zwei Milliarden Euro pro Jahr investieren.

Die Autoren

Prof. Dr. Dirk Honold, Technische Hochschule Georg Simon Ohm Nürnberg

Prof. Dr. Dirk Honold, Technische Hochschule Georg Simon Ohm Nürnberg

Aufbauend auf der mehr als 20-jährigen Erfahrung bei der Begleitung von Technologieunternehmen auch als CFO und einer mittleren, zweistelligen Zahl an Finanzierungsrunden inklusive IPOs agiert Herr Honold heute als Serial Entrepreneur, Aufsichtsrat, Beirat und Coach. Als Professor fokussiert er sich auf Innnovationsfinanzierung und (Corporate) Venture Capital zur Stärkung des Finanzökosystems der Startups, wozu er unter anderem wissenschaftlich den Arbeitskreis der Schmalenbach-Gesellschaft e.V leitet, sowie die wertorientierte Führung mit Zukunftspotenzialen.

Patrick Hümmer, Ventury Analytics GmbH

Patrick Hümmer, Ventury Analytics GmbH

Als Mitgründer und Geschäftsführer der Ventury Analytics GmbH unterstützt Patrick Hümmer die Strukturierung und Ausgestaltung von Finanzierungen mit Risikokapital durch tiefe Analyse und Simulation mithilfe von softwaregestützter Beratung. Dadurch werden Startups, (Corporate) Venture Capitalists und Kanzleien ökonomische Entscheidungshilfen im Prozess gegeben, die eine unmissverständliche, quantitative Dokumentation in den Beteiligungsverträgen erlauben.

Enrico Reiche ist Ihr Experte Transaction Consulting and Valuation bei PwC Deutschland

Enrico Reiche, Director im Bereich Transaction Consulting and Valuation bei PwC Deutschland 

Mit über zwölf Jahren Erfahrung in der Transaktionsberatung bringt er als Co-Lead des Venture Deals-Teams und Leiter des Raise Programms bei PwC Deutschland seine Expertise im Bereich Venture Deals und (Corporate) Venture Capital sowie sein Netzwerk ein, um Mehrwert sowohl bei Startups, Investoren aber auch etablierten Unternehmen zu schaffen.

Gerhard Wacker ist Ihr Experte für rechtliche Beratung von Venture-Capital-Transaktionen bei PwC Deutschland

Gerhard Wacker, Partner im Bereich Corporate/M&A bei PwC Legal Deutschland

Gerhard Wacker ist Partner bei PwC Legal und im Bereich Corporate/M&A mit Schwerpunkt in der rechtlichen Beratung von Venture-Capital-Transaktionen tätig. Er verfügt über mehr als 18 Jahre Erfahrung im Bereich VC/PE sowie M&A. Er leitet verantwortlich die Corporate/M&A-Teams in Berlin und Nürnberg und ist Co-Leader der Corporate/M&A-Praxisgruppe von PwC Legal Deutschland. Juve (2020/2021) listet ihn als "Führenden Berater für Venture Capital".

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