Industrie 4.0 und Business Analytics – Hand in Hand in die digitale Zukunft

13 Oktober, 2015

Die fortschreitende technische Entwicklung hat sie erst ermöglicht, die vierte industrielle Revolution, die in Deutschland unter der Bezeichnung „Industrie 4.0“ eine bemerkenswerte Aktivität ausgelöst hat. Viele verstehen unter „Industrie 4.0“ vor allem die automatisierte Kommunikation zwischen Maschinen und Werkteilen. Das ist aus unserer Sicht nur ein Teil des Potenzials und in vielen Branchen schon geübte Praxis, etwa in der Automobilindustrie, im Maschinenbau oder der Logistik.

Heute geht es primär darum, sich den Herausforderungen der globalen Märkte zu stellen. Diese sind geprägt durch beschleunigte Innovationszyklen etablierter Anbieter sowie durch neue Konkurrenten als Seiteneinsteiger aus ähnlichen oder gar fremden Branchen. Wer in diesem Umfeld erfolgreich bleiben will, muss sich der digitalen Herausforderung stellen und neue wertschöpfende Dienstleistungen und individualisierte Produkte in immer kürzeren Zyklen entwickeln. 

Um dieses Ziel zu erreichen, muss Industrie 4.0 auf das ganze Unternehmen ausgedehnt werden. Das beginnt damit, die gesamte Wertschöpfungskette einzubeziehen im Sinne einer horizontalen Integration von Supply-Chain-Partnern, Kunden und Lieferanten und reicht über die Digitalisierung von Produkten und neuen Serviceangeboten bis hin zur Entwicklung neuer datengetriebener Geschäftsmodelle. 

Voraussetzung dafür jedoch ist es, Daten und deren Analyse als Teil der Wertschöpfung zu betrachten und digitale Fähigkeiten im Unternehmen zielgerichtet zu etablieren. Was so einfach klingt, stellt Unternehmen aber vor durchaus ernst zu nehmenden Herausforderungen. PwC-Experte Ralf Hombach erläutert im Interview, wie Business Analytics und Industrie 4.0 im digitalen Zeitalter Hand in Hand gehen.

Im Gespräch mit dem PwC-Experten Ralf Hombach.

Die Digitalisierung  der Fertigungstechnik wird oft als „Industrie 4.0“ bezeichnet. Wie definieren Sie das?

Ralf Hombach: Industrie 4.0 ist viel mehr als die Digitalisierung des Shop Floor. Wir denken weiter und beziehen alle wertschöpfenden Prozesse in die Digitalisierung ein. Wir verknüpfen und synchronisieren die Abläufe und Daten sowohl in der Produktion und Logistik im Unternehmen selbst als auch mit den Supply-Chain-Partnern über die Unternehmensgrenzen hinweg. Mittels Business Analytics generieren wir aus den neu gewonnenen Daten prädiktive Analysen, die nicht nur neue Einsichten ermöglichen, sondern auch die Basis bilden für neue wertschöpfende digitale Produkte und Services. 

Welchen Nutzen erwarten Sie sich davon?

Hombach: Nehmen wir beispielsweise einen Maschinenhersteller mit einer eng verzahnten Supply Chain, der für einem reibungslosen Informationsfluss bis hinein in das ERP-System sorgt. Können nun die Maschinen, die bei seinen Kunden stehen, Zustandsdaten automatisch an ihn übermitteln, kann der Hersteller seinen Kunden zukünftig hoch individualisierte Services und individuell konfigurierbare Produkte anbieten sowie neue und effizientere Vertriebsstrategien entwickeln. Business Analytics unterstützt den Hersteller, diese neuen Services und Produkte zu identifizieren und zielgerichtet zu entwickeln.

Das erhöht aber die Komplexität in den Geschäftsprozessen enorm, weil riesige Mengen an Daten anfallen.

Hombach: Der technische Aspekt der Datenbewirtschaftung und Verarbeitung stellt uns heute nicht mehr vor große Probleme. Moderne Technologien haben inzwischen einen beachtlichen Reifegrad erreicht. Die größte Herausforderung scheint nun zu sein, die entsprechenden Use Cases zu identifizieren. Wo habe ich den größtmöglichen Hebel, mein Unternehmen für die digitale Zukunft aufzustellen und was kann ich jetzt schon tun?

In welchen Bereichen sollten Unternehmen damit beginnen?

Hombach: Den größten Impact würde ich im Bereich Internet der Dinge vermuten. Hier geht es darum, Produkte „smart“ zu machen, mit digitalen Fähigkeiten auszustatten, die es ermöglichen, Daten und Umfeld-Parameter meiner Produkte im echten Einsatz aufzunehmen. Diese Betriebsdaten lassen sich dann mit Analytics-Methoden auswerten und die Erkenntnisse etwa in der Produktentwicklung nutzen oder um neue Services zu schaffen.

Viele Maschinenbauer haben doch schon verstanden, dass sie Services für ihre Produkte entwickeln müssen, um sich zu differenzieren.

Hombach: Ja, aber es fällt vielen Unternehmen schwer, sich gedanklich von ihrem Produkt und dem Tagesgeschäft zu lösen, kreative Designprozesse anzustoßen und unter Umständen sogar disruptiv zu denken. Dazu ist es notwendig, eine Outside-In-Sicht zu entwickeln. Was macht der Wettbewerb? Was kann ich von Unternehmen anderer Branchen lernen? Darüber hinaus gilt es, neue Produkte und Services in einen ganzheitlichen Rahmen zu setzen, der viele Aspekte einbezieht – Informationen, Geschäftsprozesse, Organisationsstruktur, Fähigkeiten und IT-Architektur. Die Digitalisierung erfordert ein ganz anderes Denken. Hier werden wir oft aufgefordert, nicht nur methodisch zu unterstützen, sondern insbesondere im Hinblick auf die notwendige IT-Architektur und Case-Entwicklung.

Es erfordert aber eine extrem leistungsfähige IT, um solch eine Integration von Sensor- und Geschäftsdaten in hohem Tempo zu bewältigen.

Hombach: Richtig, die klassischen Transaktionssystem sind für diese Aufgabe nicht geeignet. Moderne, leistungsfähige Lösungen sind von Nöten, die es beispielsweise ermöglichen, die riesigen Datenmengen von Millionen von Sensoren nahe Realtime zu verarbeiten und performant zu analysieren. Diese neuen Architekturen müssen aber auch flexibel skalierbar und bezahlbar sein. Die gute Nachricht ist, dass es diese Systeme mit einem vernünftigen Reifegrad bereits gibt. Doch das ist nur der technische Aspekt einer leistungsfähigen IT. Auch im Prozessmodell einer IT gilt es, sich den neuen Gegebenheiten zu stellen und den Spagat zwischen einer schnellen, agilen Entwicklung und einem stabilen und zuverlässigen Betrieb zu berücksichtigen.

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Ralf Hombach

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Director, PwC Germany

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