Deutsche Industrie setzt auf den Industrial Data Space

25 April, 2017

Immer mehr deutsche Unternehmen sehen im Austausch von Daten einen essentiellen Bestandteil ihres Geschäftsmodells. Schon jetzt betreiben 74 Prozent aller mittleren und großen Unternehmen „Daten-Sharing“ über die eigenen Firmengrenzen hinweg, zeigt eine PwC-Umfrage unter rund 200 deutschen Unternehmen.

Dabei ist das Phänomen unter Mittelständlern (72 Prozent) ähnlich weit verbreitet wie unter Großkonzernen (83 Prozent). Am häufigsten werden die Geschäftsdaten dabei mit Kunden (62 Prozent) und Lieferanten (39 Prozent) geteilt. Drei von vier Unternehmen gehen zudem davon aus, dass die Notwendigkeit, Geschäftspartnern eigene Daten zur Verfügung zu stellen, in den nächsten Jahren weiter zunehmen wird.

„Bei dieser Entwicklung steht die Wirtschaft allerdings vor einem Dilemma“, sagt Harald Kayser, Chief Digital Officer bei PwC in Deutschland.

„Einerseits ist der Austausch von Daten unumgänglich, wenn Unternehmen das eigene Geschäftsmodell digitalisieren und neue Erlösquellen wie Smart Services erschließen wollen. Andererseits möchte niemand Gefahr laufen, die Kontrolle über sensible Unternehmensdaten zu verlieren.“

Harald Kayser, Chief Digital Officer bei PwC in Deutschland.

Viele Unternehmen betrachten das „Daten-Sharing“ darum mit entsprechender Skepsis. So fürchten 57 Prozent die Preisgabe von Geschäftsgeheimnissen – wobei 51 Prozent sogar die explizite Gefahr sehen, dass sensible Daten in die Hände von Konkurrenten gelangen könnten. „Solche Sorgen sind nicht unberechtigt“, sagt Aleksei Resetko von PwC. „Denn bislang existiert hierzulande noch keine einheitliche Architektur, die einen sicheren und standardisierten Austausch von Geschäftsdaten erlauben würde.“  

Um dieses Problem anzugehen, hat eine durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Initiative aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik 2016 den Industrial Data Space (IDS) gegründet – PwC ist Gründungsmitglied des gemeinnützigen Projekts. Das erklärte Ziel des IDS ist es, die digitale Vernetzung der deutschen Industrie voranzutreiben und dabei auf Basis eines offenen Architekturmodells einen sicheren Datenaustausch für alle Unternehmen zu ermöglichen. An der Spitze des Industrial Data Space e.V. steht die Fraunhofer-Gesellschaft. Neben PwC sind aktuell noch 63 weitere bekannte internationale Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Verbände am IDS beteiligt.

Die PwC-Studie untermauert nun die dringende Notwendigkeit der Initiative. So stellte sich heraus, dass das Thema „branchenübergreifender Datenaustausch“ in zwei von fünf Firmen bereits auf Vorstands- bzw. Geschäftsführungsebene behandelt wird. Interessant ist auch, auf welch breiter Ebene sich die Unternehmen Vorteile vom Teilen ihrer Daten versprechen. So meinten 75 Prozent der Firmen, die bereits „Daten-Sharing“ betreiben, sie verbesserten damit die Beziehung zu ihren Kunden. Als weitere Motive für den Austausch von Daten wurden die Optimierung der eigenen Prozesse (71 Prozesse), eine effizientere Lieferantenkommunikation (69 Prozent) und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle (57 Prozent) genannt. 

Weitere Ergebnisse der Studie im Überblick:

  • Unternehmen sehen bereits konkrete Anwendungsfälle: Im Anschluss an die eigentliche Umfrage stellte PwC das IDS-Projekt einer Gruppe von 85 ausgewählten Unternehmen vor. Nach Lektüre der Konzeptvorlage fielen 57 Prozent der befragten Führungskräfte spontan mögliche Anwendungsszenarien des Industrial Data Space für ihr eigenes Unternehmen ein. Weitere 26 Prozent fanden die Idee zumindest grundsätzlich interessant.
  • Verbesserung der Datensicherheit steht im Mittelpunkt: Aus Sicht der Befürworter des Projekts liegen die größten Vorteile in einer Erhöhung der Datensicherheit (46 Prozent), in einer qualitativen Verbesserung des Datenaustauschs (35 Prozent) sowie in einer Optimierung der Prozess- und Kostenstrukturen (14 Prozent).

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