Industrial Data Space: der Standard für sicheren Datenaustausch und Konnektivität

18 April, 2018

Ein offener und dennoch sicherer Datentransfer, der es Unternehmen ermöglicht, sich zu vernetzen und so den digitalen Wandel voranzutreiben – mit dem Industrial Data Space, einem virtuellen Datenraum, wird diese Vision Wirklichkeit. Dessen Architektur stand im Mittelpunkt eines zweitägigen Summit im Frankfurter PwC-Tower, an dem Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik teilnahmen. Das Ziel: gemeinsame Standards festlegen, auch auf internationaler Ebene, und so die Voraussetzungen für Data-Driven-Companies und Data Economy schaffen.

Sie sind der Rohstoff der vierten Industriellen Revolution, das Fundament für neue Geschäftsmodelle, für Wertschöpfung und Wachstum von Unternehmen: Daten. Längst haben sie sich zu einem eigenen Wirtschaftsgut entwickelt. Doch Unternehmen können das Potenzial ihrer Daten nur dann voll ausschöpfen, wenn sie diese unternehmens- wie branchenübergreifend intelligent verknüpfen. Eine Möglichkeit zum sicheren Datenaustausch bietet der Industrial Data Space (IDS), eine Art virtueller Datenraum, der es den Konzernen erlaubt, die Souveränität über ihre Daten zu behalten.

„Damit wir neue digitale Technologien wie Künstliche Intelligenz, Chatbots oder das Internet der Dinge (IoT) wirklich wertschöpfend nutzen können, brauchen wir große Datenmengen aus verschiedenen Quellen“, sagt Angelika Pauer, Data-Economy-Expertin bei PwC. „Diese Daten können nur branchenübergreifend zusammengetragen werden. Der Industrial Data Space ermöglicht es den Unternehmen, sich in einem offenen Datenraum zu vernetzen – ohne dabei die Kontrolle über sensible Informationen zu verlieren.“

Premiere: 1st Industrial Data Space Association Summit in Frankfurt

Doch wie funktioniert dieser virtuelle Datenraum? Wer steckt hinter dieser Idee? Wie kann der Datenaustausch weiter vorangebracht werden, auch auf internationaler Ebene? Fragen, die im Mittelpunkt des „1st Industrial Space Association Summit“ im Experience Center des PwC-Towers in Frankfurt standen. Zum ersten Mal trafen sich jetzt Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, um den unternehmensunabhängigen Standard Industrial Data Space näher kennenzulernen und gemeinsam weiterzuentwickeln – in Vorträgen und Diskussionen, aber auch in interaktiven Formaten wie Workshops und Use Case Pitches.

Gastgeber der zweitägigen Veranstaltung war PwC. Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft ist auch Gründungsmitglied der International Data Space Association, eines Ende Januar 2016 gegründeten gemeinnützigen Vereins, der die Rahmenbedingungen und Governance für den virtuellen Datenraum entwickelt. Dem Verein haben sich mittlerweile viele Unternehmen aus Industrie, Dienstleistung und Handel, Softwareunternehmen und Forschungseinrichtungen angeschlossen. Federführend entwickelt wird die Architektur des Industrial Data Space durch die Fraunhofer-Gesellschaft. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung beteiligt sich mit zehn Millionen Euro an dem Forschungsprojekt.

Eindrücke vom 1st Industrial Data Space Association Summit

Der Bedarf an Datenaustausch wird künftig noch zunehmen

Wie groß der Bedarf der Unternehmen an Vernetzungsmöglichkeiten ist, zeigt die PwC-Studie „Datenaustausch als wesentlicher Bestandteil der Digitalisierung“, für die mehr als 200 Führungskräfte verschiedener Branchen befragt wurden. So bestätigen 80 Prozent der Studienteilnehmer, dass die Digitalisierung einen starken Einfluss auf das eigene Unternehmen hat, und 74 Prozent gehen davon aus, dass der Bedarf an Datenaustausch in den kommenden fünf Jahren noch steigen wird. Bereits heute tauschen die Konzerne Daten unternehmensübergreifend aus, vor allem mit Kunden, Lieferanten und Wettbewerbern (siehe Grafik). Die befragten Unternehmen sehen klar die Chancen, die sich durch den unternehmensübergreifenden Datenaustausch ergeben: Vor allem erhoffen sie sich eine bessere Beziehung zum Kunden durch gezieltere Ansprache (75 Prozent), eine Optimierung der Unternehmensprozesse (71 Prozent) und mehr Effizienz in der Lieferantenkommunikation (69 Prozent).

Der Datenaustausch zwischen Unternehmen aktuell:

Der Datenaustausch zwischen Unternehmen aktuell

Der Datenaustausch zwischen Unternehmen aktuell

Größte Hürde: Angst vor Kontrollverlust über die eigenen Daten

Gleichzeitig befürchtet ein Drittel der Befragten den Kontrollverlust über die eigenen Daten und weitere Sicherheitsrisiken – das ist der wichtigste Grund, warum Unternehmen bislang eher verhalten mit dem Datenaustausch umgegangen sind und nur ein Bruchteil der Datenmengen, die jährlich entstehen, vernetzt wurde. „Es ist der Mangel an Vertrauen, der die gemeinsame Nutzung von Daten verhindert. Das fängt schon innerhalb der Unternehmen beim abteilungs- und bereichsübergreifenden Austausch von Informationen an“, sagt Angelika Pauer, die bei PwC für das Projekt Industrial Data Space zuständig ist.

Umso höher sind die Erwartungen, die Unternehmen in den gemeinsamen virtuellen Datenraum setzen, wie die PwC-Studie zeigt: 61 Prozent der Großunternehmen bekunden großes Interesse am Industrial Data Space, sie erhoffen sich von dem Projekt vor allem eine Erhöhung der Datensicherheit. Mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer kann sich konkrete Anwendungsmöglichkeiten des Industrial Data Space im eigenen Unternehmen vorstellen.

Genutzt werden kann das Datennetzwerk nur von Unternehmen, die sich zur Einhaltung bestimmter Regeln verpflichten, etwa in puncto Sicherheit, Datenschutz und Vertragsgestaltung. Ihnen bietet der Industrial Data Space zahlreiche Einsatzbereiche, etwa in der Strategieentwicklung (Produktweiterentwicklung und Angebotsoptimierung), der Kundenkommunikation (durch sicheren Datenaustausch mit dem Kunden) und in Einkauf und Verkauf (Austausch von Verkaufsdaten) (siehe Grafik).

Einsatzbereiche des Industrial Data Space:

Einsatzbereiche des Industrial Data Space

Einsatzbereiche des Industrial Data Space

Die Vernetzung erfolgt über eine spezielle Software, den sogenannten Connector, in ein sicheres Netzwerk, keine Cloud. „Wir können viele Unternehmen überzeugen mitzumachen, wenn die Einstiegshürden möglichst niedrig sind, gerade für kleine und mittlere Unternehmen“, bilanziert Angelika Pauer.

Datenmanagement als Teil der Unternehmensstrategie

Auch wenn die Einstiegshürden niedrig sein sollen – Unternehmen, die ihre und die Daten anderer Konzerne zur Wertschöpfung nutzen wollen, müssen in Technologie investieren. Dabei kommt es entscheidend darauf an, den richtigen Technologie-Mix für das eigene Unternehmen zu wählen, die Governance zum Datenmanagement entsprechend auszugestalten und die Datenstrategie zu einem wichtigen Teil der Unternehmensstrategie zu machen. Das ist ein langfristiges Projekt, das zwar beim Top-Management angesiedelt sein muss, aber dennoch jeden einzelnen Mitarbeiter mitnehmen sollte. Nur so kann es gelingen, das Silodenken zu überwinden und abteilungs- wie unternehmensübergreifend zu denken. Dann können Daten ebenso wie der Datenaustausch wirklich zur Wertschöpfung eines Unternehmens beitragen.

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Angelika Pauer

Manager, Corporate Digital Responsibility, PwC Germany

Tel.: +49 22 1208-4195

Markus Vehlow

Partner, Risk Assurance Solutions, PwC Germany

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