Energiewende Outlook – Herausforderungen

24 August, 2014

Die Energiewende ist eine Mammut-Aufgabe. Damit sie zum Erfolg wird, müssen Unternehmen, Politik und Gesellschaft zentrale Herausforderungen bewältigen.

Bereitstellung fundierter Prognosen für die zukünftigen Energiebedarfe

Der Entwicklung von Strategien für die Energiewende sollten Entscheidungsträger in Politik und Unternehmen fundierte Annahmen über die zukünftigen Energiebedarfe und die erforderlichen (gesicherten) Leistungen voranstellen. Diese für die Planung nahezu aller zukünftigen Maßnahmen zentrale Fragestellung wird bisher meist vernachlässigt oder nur stark vereinfacht und damit unzureichend berücksichtigt. Die Unsicherheit über die zukünftigen Entwicklungen der Energieversorgung und -wirtschaft ist sehr groß und verhindert somit dringend notwendige Entscheidungen. Hier liefert der PwC Energiewende Outlook mit seinen Szenarien eine Datenbasis für Planungsrechnungen und ermöglicht damit, Risiken und Chancen realistisch einzuschätzen.

Bewertung der künftigen Bedeutung von Energieeffizienz

Berechnungen im Rahmen des PwC Energiewende Outlooks zeigen, dass insbesondere die Steigerung der Energieeffizienz einen entscheidenden Beitrag zu einer kostenoptimalen Energiewende liefern kann. Dabei ist entscheidend, wie die Rahmenbedingungen zur Steigerung der Energieeffizienz gesetzt werden und zu welchen Kosten Energieeffizienz-potentiale zu realisieren sind. Der PwC Energiewende Outlook liefert hier einen Bewertungsansatz zur Planung von Energieeffizienzmaßnahmen und zeigt Potentiale für neue Geschäftsfelder abseits des klassischen Energieverkaufs.

Strategien ganzheitlich und flexibel gestalten

Eine einseitige Ausrichtung der Energiepolitik oder aber auch der Unternehmensstrategien kann politische oder wirtschaftliche Erfolge gefährden. Für die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende gibt es viele Möglichkeiten, die sich meist vereinfachend in eine der vier folgenden Kategorien einteilen lassen:

  • Energieeinsparungen
  • Erneuerbare Energieträger
  • Emissionsärmere Primärenergieträger
  • Effizientere Technologien

Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft sollten bei der Gestaltung und Umsetzung der Energiewende alle Möglichkeiten unter Kosten-Nutzen-Aspekten abwägen. Bisher stand sowohl in der Politik als auch auf Verbraucher- und Unternehmensseite meist der Ausbau der Erneuerbaren Energien im Vordergrund. Die abseits davon zur Verfügung stehenden Möglichkeiten wie Demand-Side-Management, Verhaltensänderungen, Modernisierungen (z.B. in den Heizungskellern) oder auch der Einsatz von emissionsärmeren Primärenergieträgern (bspw. Erdgas anstelle von Öl) wurden bisher nur unzureichend genutzt.

Den optimalen Mix aller Maßnahmen zu finden, ist die zentrale Herausforderung der Energiewende. Für Unternehmen ergeben sich hier zudem weitere Potentiale abseits der klassischen Geschäftsfelder und letztlich auch bei der eigenen Energiekostenoptimierung.

Erstellung möglicher Szenarien für den Ausbau der erneuerbaren Energien

Der PwC Energiewende Outlook verdeutlicht, dass die Vorgabe von Ausbaukorridoren in der Novelle des Erneuerbare Energien Gesetzes zu einer sehr großen Bandbreite der zukünftigen Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien führt. Allein 2025 sind je nach Entwicklung des Stromverbrauchs im Rahmen der Korridore für die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien Werte zwischen rund 220 und 290 Terrawattstunden möglich. Bis 2035 erhöht sich die Unsicherheit auf eine Spanne von 285 bis 400 Terrawattstunden. Politik und Unternehmen der Energiebranche sollten sich dieser Bandbreite und ihrer Auswirkungen bewusst sein und entsprechende Szenarien im Rahmen ihrer Planungen ansetzen.

Übertragung von Energiewende-Szenarien in Planungsprozesse

Die künftige Ausrichtung von Energiepolitik und Regulierung unterliegen ständigen Anpassungen. In allen Bereichen der Energiewirtschaft (Strom, Wärme und Verkehr) gilt es daher, mögliche Szenarien, deren Eintrittswahrscheinlichkeit und deren Auswirkungen in der Unternehmensplanung zu berücksichtigen, um flexibel auf Änderungen der Rahmenbedingungen reagieren zu können. Szenarienplanung ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Unternehmen flexibel auf Veränderungen reagieren können (siehe nachfolgende Beispiele):

  • Bund und Länder, aber auch die EU werden ihre aktuell unterschiedlichen Zielvorgaben harmonisieren müssen. Aktuelle Vorgaben zum Beispiel im Hinblick auf Energieautarkie ganzer Regionen sind kritisch zu hinterfragen.
  • Aktuell sind insbesondere Eigenerzeugungsmodelle, die ohne EEG-Förderung auskommen, interessant. Diese Modelle haben durch die beschlossenen Einschränkungen des Eigenstromprivilegs im Rahmen des EEG 2014 aber deutlich an Attraktivität verloren.
  • Immer noch besteht ein starkes Interesse an Investitionen in Onshore-Windenergie. Die Förderung ist hier jedoch künftig gedeckelt. Investitionsentscheidungen sollten daher kritisch auf ihre Wirtschaftlichkeit geprüft werden.
  • Sonnenkraft und Windenergie erbringen keine gesicherte Leistung an allen Tagen des Jahres. Bei zunehmendem Ausbau der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien wird dieses Problem immer drängender und birgt damit das Risiko, dass aktuelle Rahmenbedingungen künftig häufiger angepasst werden müssen.
  • Die Sicherstellung der Versorgungssicherheit kann aufgrund eines eventuell angepassten Marktdesigns zu deutlichen Veränderungen führen, deren Auswirkungen auf Unternehmen momentan nur schwierig abzuschätzen sind.
  • Die aktuellen Rahmenbedingungen haben zu dem Paradoxon geführt, dass, obwohl der Anteil der Erneuerbaren Energien an der Stromversorgung so hoch wie noch nie ist, die CO2-Emissionen der Stromerzeugung dennoch nicht gesunken sind. Inwiefern es hier zukünftig zu regulatorischen Eingriffen kommt und diese sich auch auf die CO2-Preise auswirken, ist ebenfalls unsicher.

Wege zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit aufzeigen

Derzeit beklagen viele Energieversorger, dass ihre Kraftwerke durch die vorrangige Einspeisung der Erneuerbaren Energien und damit einhergehende geringe Benutzungsdauer nicht mehr wirtschaftlich sind. Zahlreiche Stilllegungen sind daher angekündigt.

Ohne ein Konzept über die angemessene Vergütung von gesicherter Leistung wird sich die wirtschaftliche Lage von Unternehmen, die diese bereitstellen, weiter verschlechtern. Zudem könnten langfristig Verschlechterungen bei der Versorgungssicherheit entstehen.

Die verschiedenen Modelle zur Gewährleistung der Wirtschaftlichkeit von Kraftwerken bzw. von alternativen Möglichkeiten zur Bereitstellung gesicherter Leistung sollten zeitnah geprüft werden, um ausreichend Zeit für die Klärung von Detailfragen und die Einführung zu haben. Zudem ist die zeitnahe Kommunikation der zukünftigen Strategie notwendig, da nur so Sicherheit für Investitionen geschaffen werden kann. Die Bereitstellung gesicherter Leistung ist eine der wichtigsten Herausforderung nicht nur der Energiewende in Deutschland, sondern weltweit. Werden in diesem Themenfeld insbesondere die politischen Weichenstellungen richtig gestellt, dann bestehen gute Chancen, dass für Energieversorgungsunternehmen, Technologiehersteller und Dienstleister neue Geschäftsmöglichkeiten entstehen. Der PwC Energiewende Outlook schafft Transparenz und stellt Analysen für eine fundierte Investitionsentscheidung zur Verfügung.

Koordination und Abgleich der zahlreichen Einzelmaßnahmen - Erfolgskontrolle

Die Energiewende kann langfristig die Kosten der Energieversorgung mindern und die Importabhängigkeit Deutschlands von fossilen Energieträgern deutlich reduzieren. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Die Energiewende braucht einen ganzheitlichen Ansatz und eine entsprechende Umsetzungsplanung. Sie ist ein Marathon und kein Kurzstreckenlauf. Hinter uns liegen erst wenige Jahre und vor uns stehen mehrere Jahrzehnte. In den vergangenen Jahren hat Deutschland ein hohes Tempo vorgelegt und dabei den Fokus auf die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energieträgern gelegt. Hier ist ein Umdenken gefragt. Alle Möglichkeiten, um die Ziele des energiewirtschaftlichen Dreiecks (Umweltverträglichkeit, Bezahlbarkeit, Versorgungssicherheit) zu erreichen, sollten berücksichtigt werden. Konzepte für den Wärmemarkt und den Verkehrssektor, vor allem auch unter Berücksichtigung der Wechselwirkungen mit dem Stromsektor, sind erforderlich. Dies geht nur mit einem übergreifenden „Masterplan“. Die Anpassung des EEG ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, aber bei weitem noch nicht ausreichend und umfassend genug. Dieser Weg muss nun konsequent weitergegangen und um die anderen Bereiche (Strom und Verkehr) erweitert werden.

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Dr. Volker Breisig

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