Unser Kompass für die Energiewende

29 Januar, 2014

Energiewende-Outlook: Zehn Thesen zu Klimazielen, Versorgungssicherheit und Kosteneffizienz

PwC hat für das Projekt „Energiewende-Outlook (EWO)“ rund 200 Studien und Einschätzungen zur Energiewende aus Wissenschaft, Wirtschaft und von anderen Interessengruppen ausgewertet. Aus der Bandbreite der Prognosen wurden unterschiedliche Szenarien für den Zeitraum 2012 bis 2050 entwickelt und mit den aktuellen Regierungsplänen abgeglichen. Die wesentlichen Ergebnisse:

  1. Die Prognosen zur Entwicklung der deutschen Energiewirtschaft (Strom, Wärme und Verkehr) gehen in den rund 200 analysierten Studien und Einschätzungen weit auseinander. Dies lässt auf eine erhebliche Planungsunsicherheit schließen, die zum Risiko für das Gesamtprojekt „Energiewende“ werden kann.
  2. Der Koalitionsvertrag trifft zu vielen wichtigen Themen Aussagen. Es bedarf nun weiterer Konkretisierungen insbesondere bei quantitativ verwertbaren Vorgaben, um die Planungssicherheit der Marktteilnehmer zu erhöhen.
  3. Der Koalitionsvertrag betont die gleichrangige Bedeutung von Umweltverträglichkeit, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit. Um dies zu erreichen, ist ein ganzheitlicher Ansatz erforderlich, der nicht nur quantitative Ziele für den EE-Ausbau vorgibt. Weitere Möglichkeiten zur Zielerreichung wie die Steigerung der Energieeffizienz sollten ebenfalls konkretisiert werden.
  4. Die Vorgabe des Ausbaukorridors für die Erneuerbaren ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, bedarf aber weiterer Konkretisierungen bei den Zielen für den Energieverbrauch. Ansonsten entstehen trotz Ausbaukorridors bspw. im Strombereich sehr große Bandbreiten für die zukünftig benötige Stromerzeugung aus Erneuerbaren.
  5. Unter den verschiedenen erneuerbaren Energien herrscht mit Blick auf den KV ein Ungleichgewicht. Während für Photovoltaik und für Offshore-Windkraft Ausbauziele festgelegt wurden, tragen Onshore-Windkraft und die Biomasse in Abhängigkeit der Entwicklung des Stromverbrauchs ein hohes Zubaurisiko.
  6. Der Koalitionsvertrag betont, dass auch künftig nicht auf die konventionelle Stromerzeugung verzichtet werden kann. Zu klären wäre, wie dies mit den CO2-Zielen in Einklang gebracht werden kann. Es sind weitere Impulse erforderlich, um eine Veränderung des Kraftwerksparks hin zu energieeffizienteren Erzeugungsarten und emissionsärmeren Energieträgern in die Wege zu leiten.
  7. Mit Blick auf das Thema Versorgungssicherheit zeichnet sich mittelfristig ab, dass eine erhebliche Kapazitätslücke bei den konventionellen Kraftwerken zu erwarten ist. Ob hierfür die oft diskutierten Kapazitätsmärkte eine Lösung darstellen, sollte auch vor dem Hintergrund europäischen Wettbewerbsrechts (und der dazu kürzlich zur Diskussion gestellten neuen Leitlinien) weiter untersucht werden.
  8. Unsere Berechnungen für den Strombereich zeigen, dass die Erfüllung der Umweltziele als auch die Sicherstellung von Kosteneffizienz nur erreicht werden können, wenn neben den EE-Ausbauzielen auch für fossile Energieträger und für die Energieeffizienz konkrete Zielkorridore angestrebt werden.
  9. Auch Wärme und Verkehr tragen maßgeblich zu den CO2-Emissionen bei und verursachen einen bedeutenden Anteil der Ausgaben für Energie. Mit Blick auf Umweltverträglichkeit und Bezahlbarkeit sollten neben Gebäudesanierung und E-Mobility weitere Möglichkeiten unter Kosten-Nutzen-Aspekten geprüft und verfolgt werden.
  10. Die Unternehmen der Energiewirtschaft müssen sich angesichts anhaltender Planungsunsicherheit auf mehrere Szenarien einstellen. Themen wie Energieeffizienz, Energiedienstleistungen und Smart-Energy werden an Bedeutung gewinnen. Allerdings müssen die etablierten Energieversorger hier mit zahlreichen branchenfremden Anbietern konkurrieren. Diesen Wettbewerb werden sie nur mit mehr Flexibilität und Innovationsbereitschaft für sich entscheiden.

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