EMIR-Verordnung soll im Handel mit OTC-Derivaten Transparenz und Sicherheit schaffen

02 September, 2011

Der außerbörsliche Handel mit Finanzderivaten wie Credit Default Swaps oder Interest Rate Swaps soll transparenter und sicherer werden. Dafür wird, in Parallele zur Dodd-Frank Regulierung in den USA, eine europäische Verordnung, die "European Market Infrastructure Regulation" (EMIR) verabschiedet, die neue Anforderungen für solche Transaktionen vorschreibt.

Was bislang weitgehend ohne Regulierung und teilweise unbesichert im "Over-the-Counter"-Handel (OTC) zwischen den Finanzmarktakteuren vereinbart wurde, muss künftig zu großen Teilen über sogenannte "zentrale Gegenparteien" (Central Counterparties, "CCP") besichert abgewickelt und an zentrale Transaktionsregister gemeldet werden. Auch für die nicht über einen CCP abzuwickelnden OTC-Derivate-Geschäfte werden erhöhte Anforderungen an Besicherung und Risikomanagement festgelegt. Noch im Frühjahr 2012 wird das Europäische Parlament nach aktueller Planung die EMIR-Verordnung verabschieden.

Für welche Derivateklassen das zentrale Clearing vorgeschrieben wird und an welche Stellen konkret Transaktionen gemeldet werden sollen, sei zwar noch nicht endgültig bestimmt, erklärt Christian Casaretto, der für PwC Finanzinstitute und andere Marktteilnehmer rund um die EMIR-Regulierung berät. Klarheit hierzu werden die technischen Ausführungsbestimmungen zu EMIR bringen. Bis zum 30. Juni 2012 soll die Europäische Finanzaufsicht ESMA (European Securities and Markets Authority) diese entwerfen und darin festlegen, für welche Derivateklassen welche Dokumentations-, Melde und Abwicklungsprozesse gelten werden bzw. welche Anforderungen konkret an das Risikomanagement vorzusehen sind.

"Die Zeit bis zum 30. Juni 2012 sollten die Marktteilnehmer nutzen, um sich rechtzeitig einen Überblick über ihre eigene Betroffenheit auf Basis ihres aktuellen Portfolios sowie über entsprechende Serviceanbieter im Markt zu verschaffen. Dies gilt auch für die notwendigen Anpassungen der internen Collateral und Risk Management Systeme und Prozesse", rät PwC-Fachmann Casaretto. Aktuelle internationale Konferenzen mit Marktteilnehmern im Bereich Derivatehandel und Collateral Management gehen von Umsetzungszeiträumen nach Veröffentlichung aus, die eher kurz bemessen sein dürften.

Pflicht zur Registrierung bei einem Transaktionsregister kommt auf alle OTC-Händler zu

"Unabhängig von den Vorgaben zum Clearing über 'zentrale Gegenparteien' respektive den bilateralen Besicherungspflichten, müssen künftig alle OTC-Derivatgeschäfte an zentrale Transaktionsregister gemeldet werden", beschreibt PwC-Experte Casaretto eine weitere große Aufgabe, vor die EMIR die Institute stellt. Schließlich verfolge die EU mit der neuen Richtlinie ja auch das Ziel genauer zu erfahren, wo welche Risikopositionen schlummern und dies auch mit Blick auf bereits laufende Geschäfte. Deshalb verschaffe man sich mit EMIR die Basis für den umfassenden Einblick und Überblick und nachfolgend die künftige Erweiterung der clearingpflichtigen Derivateklassen.

"Erst wenige Institute haben sich schon ausreichend mit den neuen Verpflichtungen befasst, die EMIR für sie bedeuten wird", berichtet Dr. Peter Seethaler, der bei PwC den Bereich "Asset Management" leitet. Er warnt: "Schon um nur die Schnittstellen mit den Transaktionsregistern zu etablieren, die für den OTC-Derivatehandel ja in jedem Fall notwendig werden, wird die Zeit allmählich knapp - ganz zu schweigen von den Prozessen für das zentrale Clearing."

Zusätzlich zu den neuen Prozessen und Schnittstellen wird EMIR auch Anpassungen im Risikomanagement der Institute notwendig machen. Denn OTC-Geschäfte sollen künftig in größerem Umfang als bisher besichert werden - sowohl solche, die über die zentralen Clearingstellen abgewickelt werden, als auch solche, die weiterhin bilateral zwischen zwei Marktteilnehmern abgewickelt werden dürfen. Dies bietet andererseits auch Anlass bestehende Collateral Management zu überprüfen und übergreifend effizient zu gestalten.

Depotbanken vor neuen Aufgaben

"Depotbanken könnten in dem neuen regulatorischen Umfeld zum Dreh- und Angelpunkt werden", erläutert PwC-Asset-Management-Experte Seethaler: Sie dürfen in der EMIR-Welt beispielsweise fungieren als - technischer - Intermediär zwischen einzelnen Kapitalanlagegesellschaften (KAG) und den "Zentralen Gegenparteien", die das Clearing der OTC-Geschäfte übernehmen. Auch die Meldungen an die Transaktionsregister könnten sie für die Kapitalanlagegesellschaften übernehmen.

Contact us

Dr. Peter Seethaler

Dr. Peter Seethaler

Partner

Tel.: +49 69 9585-3436

Follow us