Bankenbranche: Kulturwandel als Balanceakt

07 Juli, 2014

Die deutschen Banken haben nach der Finanzkrise einen grundlegenden Kulturwandel eingeleitet: Werte wie Kundenorientierung und Fairness sind in den Fokus gerückt. Doch fällt vielen Instituten die Balance von Wert- und Ergebnisorientierung nicht leicht, wie eine PwC-Studie zeigt.

Für die Studie führte PwC ausführliche Interviews mit 29 Spitzenmanagern deutscher Geschäftsbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken. In den Gesprächen wurden die Banker mit verschiedenen Thesen zu Unternehmenskultur und –werten konfrontiert. Im Ergebnis zeigt sich, dass zwar nahezu alle Befragten eine werte- und kundenzentrierte Unternehmenskultur als erfolgskritisch ansehen. Auf der anderen Seite führt Wertorientierung allein nach Ansicht von 80 Prozent der Manager nicht zu einem befriedigenden finanziellen Ergebnis.

Weitere Kernaussagen der Studie:

Kundenorientierung muss ermöglicht werden: Die Orientierung an den Kundenbedürfnissen sollte gerade in der Bankenbranche eine Selbstverständlichkeit sein – dementsprechend hält es rund die Hälfte der Befragten sogar für „beschämend“, dass dieses Ziel explizit formuliert werden muss. Gleichzeitig stimmen sieben von zehn Managern der These zu, dass Mitarbeiter auch dazu in die Lange versetzt werden müssen, im Kundeninteresse zu handeln. Dies beinhaltet beispielsweise die Einführung von Zielvereinbarungen, die sich stärker an der Kundenzufriedenheit als am Vertriebserfolg orientieren.

Zweck heiligt nicht die Mittel: Eine wesentliche Voraussetzung für den Kulturwandel ist das Vorbild des Managements. Hier erkennen die Befragten durchaus Defizite: Die Leistung der Führungskräfte wird in vielen Instituten in erster Linie am erreichten Finanzergebnis gemessen – auf welche Weise dieses Ergebnis zustande gekommen ist, spielt in einem Viertel der Banken nur eine untergeordnete oder gar keine Rolle.

Noch niedriger Stellenwert in der Governance: Obwohl dem Kulturwandel eine prominente Rolle zugeschrieben wird, ist dessen Umsetzung keineswegs regelmäßig Thema in den Gremiensitzungen. Nur ein Drittel der Befragten diskutiert Stand und Fortschritte regelmäßig in Geschäftsführung bzw. Aufsichtsrat. Ein weiteres Drittel widmet sich Werten und Unternehmenskultur anlassbezogen, während ein weiteres Drittel zumindest in nächster Zeit keine Auseinandersetzung auf Vorstands- oder Aufsichtsratsebene plant. Diese Ergebnisse zeigen, dass die strategische Bedeutung der Unternehmenskultur in vielen Banken weiterhin unterschätzt wird.

Contact us

Rainer Wilken

Partner

Tel.: +49 69 9585-6720

Follow us