Wer finanziert die Covid-19-Krise?

PwC-Studie 2020: Boom bei Unternehmenskrediten hält an – Pandemie-Kreditwelle ebbt im Juni ab – Auslands- und Förderbanken steigern Kreditvergabe am stärksten

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Tomas Rederer

Tomas Rederer
Partner, Head of Financial Services Operations Consulting bei PwC Deutschland
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Firmenkredite bereits vor Covid-19 mit Rekordwachstum

Die Covid-19-Krise hat den seit 2016 anhaltenden Boom bei Unternehmenskrediten in Deutschland noch verstärkt. Wie die PwC-Studie „Wer finanziert die Covid-19-Krise?“ ergab, legte der Gesamtbestand an Unternehmenskrediten bei den deutschen Banken im ersten Halbjahr 2020 kräftig zu. Mittlerweile vergeben Geldhäuser mehr als ein Drittel ihrer Kredite an Unternehmen und erzielen daraus wachsende Nettozinserträge. Damit steigen Firmenkredite zur wichtigsten Kreditkategorie deutscher Banken auf. Allerdings treibt die verstärkte Nachfrage nach Firmenkrediten aufgrund der Covid-19-Krise nicht nur die Brutto-Margen, sondern auch die Refinanzierungskosten in die Höhe. Demnach wird der Margenanstieg im zweiten Quartal nahezu vollständig kompensiert.

Besonders stark engagieren sich Auslands- und Förderbanken während der Viruskrise in Deutschland: Der Kreditbestand der Auslandsbanken wächst um 13 Prozent, Zweigstellen ausländischer Banken steigern ihr Kreditvolumen im ersten Halbjahr sogar um 23,8 Prozent. Förderbanken verzeichnen ein Plus von 10,8 Prozent. Schlusslichter sind die Landesbanken.

Die Studie im Überblick

Kredit-Boom beschert wachsende Zinseinnahmen 

Infolge der stärkeren Nachfrage wegen der Corona-Pandemie kletterte der Gesamtbestand an Firmenkrediten bei den deutschen Banken im ersten Halbjahr 2020 erstmals seit 2003 über 1,1 Billionen Euro. Im Gesamtjahr 2019 lag der Kreditbestand bereits bei 1,07 Billionen Euro. Deutsche Banken vergeben mittlerweile 36 Prozent ihrer Kredite an Unternehmen. Die jährlichen Nettozinserträge von Firmendarlehen stiegen im ersten Halbjahr auf 15,5 Milliarden Euro – das entspricht 18 Prozent des gesamten Zinsergebnisses und sind die höchsten Zinseinnahmen verglichen zu allen anderen Kreditkategorien.

Covid-19 löst im März Kreditwelle aus 

Der PwC-Marktstudie zufolge sorgten niedrige Zinsen und eine lange gut laufende Konjunktur vor Beginn der Covid-19-Krise für einen deutlichen Anstieg des Volumens an Unternehmenskrediten in Deutschland: Seit 2016 liegen die jährlichen Wachstumsraten des Firmenkreditbestands deutlich über dem langfristigen Durchschnittswert von 2,2 Prozent. Im ersten Halbjahr 2020 betrug die Rate 6,8 Prozent. Die Covid-19-Krise sorgt im Frühjahr 2020 für einen zusätzlichen Wachstumsschub: Nachdem das Kreditwachstum im Februar noch auf 5,7 Prozent p.a. gesunken ist, legt die Nachfrage von März bis April kräftig zu. Im Juni ebbt die Kreditwelle wieder ab.

„Im Herbst stellen viele Unternehmer ihre Finanzplanung auf den Prüfstand und ermitteln konkrete Handlungsfelder. Dann könnte eine zweite Kreditwelle mit einem noch höheren Kreditbedarf auf die Banken in Deutschland zukommen.“

Tomas Rederer, Partner und Head of Financial Services Operations Consulting bei PwC Deutschland

Hohe Refinanzierungskosten drücken die Margen 

Die durch die Viruspandemie ausgelöste Kreditwelle lässt die Brutto-Margen im zweiten Quartal 2020 um 7 Basispunkte auf durchschnittlich 1,67 Prozentpunkte p.a. steigen – das entspricht dem höchsten Stand seit dem dritten Quartal 2016. Bereinigt um die gestiegenen Refinanzierungskosten (plus 6 Basispunkte) legen die Bruttomargen lediglich um 1 Basispunkt auf 1,29 Prozentpunkte zu. Während die Margen vor Refinanzierungskosten für Großkredite ab 1 Millionen Euro im zweiten Vierteljahr um 8 Basispunkte klettern, sinken die Margen für Kleinkredite um 10 Basispunkte. 

Starkes Engagement von Auslands- und Förderbanken 

Mit einem Plus von 13 Prozent steigern Auslandsbanken ihr Kreditvolumen für Firmenkunden im ersten Halbjahr 2020 deutlich stärker als alle anderen Bankengruppen. Der Kreditbestand von Zweigstellen ausländischer Banken legt um 23,8 Prozent zu, gefolgt von den Förderbanken mit einem Anstieg von 10,8 Prozent. Den geringsten Zuwachs verzeichnen Landesbanken (plus 1 Prozent).

„Gerade die hohen Zuwachsraten der Auslandsbanken werden vermutlich viele Marktteilnehmer überraschen. Während sie sich in früheren Krisen mit der Kreditvergabe oft zurückgehalten halten, scheinen sie aktuell fest in Deutschland etabliert zu sein und Wachstumschancen aktiv zu nutzen.“

Robert Bischof,Partner bei Strategy& Deutschland

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