FinTech ist der neue Mainstream – sagt die Finanzindustrie

06 April, 2017

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Neun von zehn Finanzdienstleistern haben sich damit abgefunden, Marktanteile an FinTechs zu verlieren // Kumuliert sind über die vergangen vier Jahre rund 40 Milliarden Dollar in Finanz-Start-ups geflossen // Statt die Newcomer zu bekämpfen, sucht das Establishment den Schulterschluss // 56 Prozent aller Finanzdienstleister wollen das Thema Disruption selbst ins Zentrum ihres Geschäftsmodells stellen

 

 

Banken und Versicherer stemmen sich nicht länger gegen die FinTech-Revolution. Laut der neuen PwC Studie „Redrawing the lines – FinTech’s growing influence on Financial Services“ räumen inzwischen 88 Prozent aller Finanzdienstleister ein, dass sie Marktanteile an Finanz-Start-ups verlieren werden. „Doch statt die Newcomer zu bekämpfen, sucht das Establishment lieber den Schulterschluss“, diagnostiziert Sascha Demgensky, Leader FinTech bei PwC Deutschland. So kooperieren global gesehen mittlerweile 45 Prozent aller Finanzdienstleister mit FinTechs, zeigt die PwC-Umfrage, an der sich mehr als 1300 Branchenmanager weltweit beteiligten. Zum Vergleich: Vor einem Jahr waren es gerade einmal 32 Prozent. Noch stärker zeigt sich dieser Trend in Deutschland. Hier kollaborieren schon sieben von zehn Finanzdienstleistern mit FinTechs.

„Banken und Versicherer werden zu Technologieunternehmen“

„Das Verhältnis zwischen Banken und Start-ups hat sich innerhalb der vergangenen 24 Monate stark weiterentwickelt. Im Grunde ist FinTech der neue Mainstream“, sagt Sascha Demgensky. Allerdings dürfe man diese Entwicklung nicht mit einer Kapitulation der traditionellen Finanzindustrie verwechseln. Im Gegenteil: Der Umfrage zufolge wollen 77 Prozent aller etablierten Player in Zukunft deutlich mehr Gewicht auf Innovationen legen. 56 Prozent geben sogar an, dass Thema Disruption ins Zentrum ihres Geschäftsmodells zu stellen. „Wenn nicht alles täuscht, dann sind viele Banken und Versicherer gerade dabei, sich selbst auch als Technologieunternehmen zu begreifen“, so Sascha Demgensky.

Hohe Investitionen in Blockchain und künstliche Intelligenz

Mit welcher Wucht die FinTech-Welle die Finanzindustrie erfasst hat, zeigen auch andere Zahlen aus der PwC-Studie. So sind über die vergangenen vier Jahre weltweit mehr als 40 Milliarden Dollar in Finanz-Start-ups geflossen. Dabei lag die durchschnittliche jährliche Steigerung bei 41 Prozent – der Trend zeigt also weiterhin nach oben. Auffällig: In den vergangenen beiden Jahren wurde jeweils rund eine Milliarde Dollar in FinTechs investiert, die sich auf künstliche Intelligenz spezialisiert haben. Dabei zählten neben Venture-Capital-Fonds auch viele große Finanzkonzerne zu den Geldgebern. 2016 gingen zudem 450 Millionen Dollar an Finanz-Start-ups, die mit Blockchain-Technologie experimentieren. Im Vergleich zum Vorjahr entsprach dies einem Plus von 79 Prozent. „All dies deutet darauf hin, dass die digitale Transformation der Finanzbranche gerade erst richtig Fahrt aufgenommen hat“, sagt Sascha Demgensky.

Selbst ein sperriges Thema wie Regulierung gerät in den Fokus von FinTechs

Tatsächlich zeigt die Umfrage, dass die Finanzrevolution längst nicht mehr auf den Zahlungsverkehr beschränkt ist. So glauben 60 Prozent aller Finanzdienstleister, dass ihre Kunden, was die persönlichen Finanzen angeht, inzwischen regelmäßig auf FinTechs vertrauen. Bei Ratenkrediten sind es 56 Prozent, bei Sparprodukten 49 Prozent und bei Versicherungs- sowie Anlagethemen immerhin schon jeweils 38 Prozent. Ebenfalls bemerkenswert: Selbst die Regulierung, mit der sich viele Finanz-Start-ups lange Zeit schwertaten, gerät in den Fokus von FinTechs. Über ihre Innovationsplattform DeNovo beobachtet PwC momentan rund 230 Start-ups, die sich darauf spezialisiert haben, Finanzdienstleistern bei Regulierungs- und Compliance-Problemen zu unterstützen. Allein in diese sogenannten RegTechs sind in den vergangenen vier Jahren insgesamt satte 1,4 Milliarden Dollar geflossen.

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Sascha Demgensky
Leader FinTech, PwC Germany
Tel.: +49 69 9585-6554
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