FinTechs mit Banklizenz als neue Wachstumstreiber

09 April, 2018

Finanzdienstleister in Deutschland lagern trotz erhöhter Regulatorik zunehmend komplexere Prozesse aus. Wie die Analyse „Outsourcing 3.0“ von PwC und dem Berliner Start-up-Initiator FinLeap zu Outsourcing-Trends im deutschen Markt ergab, greifen Banken dabei verstärkt auf ein neuartiges, flexibles Outsourcing-Modell zurück: Das sogenannte Full-Fledged Product Outsourcing (FFPO) oder die Auslagerung vollständiger Produktbereiche. Verglichen zum bislang üblichen IT-Outsourcing (ITO) und Business Process Outsourcing (BPO) bietet dieser Auslagerungs-Archetyp etablierten Anbietern zusätzliche Vorteile.

Die neuen FFPO-Anbieter im deutschen Markt verfügen über eine Vollbanklizenz der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Diese FinTechs haben bestehende Markteintrittshürden überwunden und greifen tiefer als andere Technologie-Start-ups in das Wertschöpfungsgeschäft der Banken ein. Verglichen zu traditionellen ITO- und BPO-Providern bieten sie Partnern über API-Schnittstellen Zugang zu einem breiteren Spektrum an Produktentwicklungen, operativen Prozessen, innovativer IT-Infrastruktur, Compliance bis hin zu regulatorischem Know-how.  

„FinTechs mit Banklizenz eröffnen völlig neue Möglichkeiten etwa für zukunftsweisende Bank-Bank-Kooperationen. Etablierte Banken erhalten die Chance, besser mit dem Digitalisierungstempo Schritt zu halten, ihre Geschäftsmodelle effektiver und flexibler auszurichten und rascher innovative Dienstleistungen und Produkte an den Markt zu bringen. FFPO-Anbieter könnten zu neuen Wachstumstreibern der Branche werden.“

Sascha Demgensky, Leader FinTech bei PwC Deutschland

Steigende regulatorische Anforderungen wie die MaRisk-Novelle der BaFin zum Umgang mit Auslagerungen und zur Steuerung von Risiken stellen dabei keine Hürden dar. Vielmehr müssen sich die Outsourcing-Anbieter mit ihren Services und ihrer Infrastruktur ebenfalls auf die Regulierung einstellen und können dadurch leichter integriert und kontrolliert werden.

Outsourcing von Archetypen und die Abdeckung von externen Dienstleistern

Fallbeispiel: Markteintritt für Autobanken

Autobanken als traditionelle Anbieter von Auto-Leasing und Finanzierungen können mithilfe von FFPO ihren Kunden rasch und kostengünstig zusätzliche Produkte und Services wie Girokonten oder Kreditkarten bieten. Zusätzlich besteht die Option, durch White Labeling die eigene Marke zu stärken, durch Automatisierung mehr Effizienz im Backoffice zu schaffen und das eigene Risikomanagement zu verbessern. Autobanken erhalten durch das flexible Outsourcing-Modell die Chance, langfristig ein eigenes neues Ökosystem zu schaffen, das alle digitalen Bedürfnisse des Kunden und der Bank zeitnah erfüllt.

Fazit: FFPO-Outsourcing 3.0

Die Finanzbranche in Deutschland steuert auf weitreichendere Partnerschaften mit jungen Wettbewerbern zu. Eine Kooperation mit Start-ups mit Banklizenz bietet etablierten Banken die Chance, rasch innovative Produkte und Services an den Markt zu bringen, neue Ertragsquellen zu nutzen und Kosten zu sparen, während sie sich gleichzeitig auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können. Darüber hinaus wird ausländischen Banken oder Spezialinstituten (z. B. Captives) ein schneller und effizienter Markteintritt über FFPO ermöglicht. Im Zeitalter der Digitalisierung kann das Outsourcing-Modell FFPO dazu beitragen, erfolgreich neue Kundenwünsche zu erfüllen und bestehende Kundenbeziehungen zu stärken.

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