Open Banking läutet neue Ära im Bankgeschäft ein

01 Dezember, 2016

Die Öffnung digitaler Ökosysteme zum Datenaustausch mit Dritten sowie zur Integration externer Entwickler wird das Bankgeschäft grundlegend verändern und bietet zahlreiche Vorteile für Banken, Kunden und FinTechs. Finanzdienstleister sollten diese Chance frühzeitig nutzen.

Im Gespräch mit mit Sascha Demgensky, Leiter des Workstreams “FinTech” der FS Digital Campaign von PwC Deutschland

Worum geht es beim Open Banking?

Sascha Demgensky: Beim Open Banking wird dem Kunden die Möglichkeit eingeräumt, seine bei einem Finanzdienstleister vorliegenden persönlichen Finanzdaten weiteren (Finanz-)Dienstleistern direkt zugänglich zu machen. Banken können so die Leistungen und Informationen von Dritten nutzen, um ihre eigenen Angebote und Dienstleistungen weiter zu entwickeln und zu verbessern. Die Institute erweitern auch umgekehrt ihre digitalen Ökosysteme durch offene Schnittstellen (Open APIs, also “Application Programming Interfaces“) und werden dadurch zu Plattformen mit eigenen und fremden Produkten und Leistungen, die ggf. dann über einen Banking App-Store abrufbar sind. Im Internet existieren bereits zahlreiche Beispiele für Open APIs, etwa in den Bereichen Navigation, Social-Media-Netzwerke, Reise oder Medien.

Welche weiteren Vorteile bietet ein offenes digitales Ökosystem gerade für das Bankgeschäft?

Demgensky: Die Fähigkeit, bereits digitalisierte Informationen mit Zustimmung des Kunden weiteren Nutzungen durch Dritte zugänglich zu machen, erhöht die Effizienz, mit der Finanzdienstleistungen angeboten und abgewickelt werden können. Die Banken können so neue kundengerechte Lösungen anbieten, ohne diese selbst entwickeln zu müssen. Dadurch werden sie ihre Kunden stärker an sich binden und ihre eigene Performance verbessern. Gleichzeitig können sich Institute stärker als bisher in anderen offenen Ökosystemen positionieren und dort ihre Leistungen und Produkte anbieten. Die Kunden erhalten einen besseren Zugang zu ihren eigenen Daten, was ihnen das Management ihrer Finanzen und Konten bei verschiedenen Anbietern erleichtert. FinTechs können durch die Nutzung von Bankdaten innovative, speziell auf die individuellen Kundenbedürfnisse zugeschnittene Frontends bzw. Apps entwickeln, etwa zum Finanzmanagement oder Geldtransfer. Die Banken wiederum profitieren von der Innovationskraft dieser jungen Technologieunternehmen.

Welche Voraussetzungen müssen in der Finanzbranche für eine Öffnung der digitalen Ökosysteme noch geschaffen werden?

Demgensky: Um einen zuverlässigen Betrieb zu gewährleisten, sollten zunächst die technologischen Voraussetzungen für Open Banking geschaffen werden. Drittanbieteranwendungen müssen in die Bankenwelt integrierbar sein, genauso wie die Bankenwelt sich noch weiter öffnen muss, um solche Lösungen zu integrieren. Dabei müssen die gemeinsamen Prozesse, die ein Finanzdienstleister mit einem FinTech oder Startup anbietet, den regulatorischen Anforderungen entsprechen. Wichtige Aspekte wie Sicherheit sowie Kunden- und Datenschutz müssen beachtet werden. Eine weitere grundlegende Bedingung für eine langfristige Zusammenarbeit zwischen etablierten Banken und jungen Start-Ups ist auch Kompromissbereitschaft und Offenheit im Umgang mit dem Partner. Sehr oft müssen hier auch kulturelle Hürden überwunden werden.

Sind die deutschen Banken bereit, ihre digitalen Ökosysteme zu öffnen und externen Anbietern Zugang zu ihren Kundendaten zu gewähren?

Demgensky: Die Mehrzahl der etablierten Banken waren in der Vergangenheit nicht gerade Vorreiter bei der Öffnung ihrer Plattformen an weitere Dienstleister. Die regulatorischen Rahmenbedingungen haben sie bisher auch nicht dazu ermuntert. Durch die aktuellen Neuregelungen wie z.B. die überarbeitete Zahlungsdiensterichtlinie PSD 2 findet aber gerade ein erster regulatorischer Umschwung in Richtung Open Banking statt. In diesem Zuge lässt sich inzwischen in Deutschland eine sehr hohe Bereitschaft unter den Finanzdienstleistern beobachten, enger mit FinTechs zusammenzuarbeiten. Es existieren aber weiterhin große Bedenken, was den Datenschutz angeht. Der Reifegrad der Umsetzung von Open-Banking-Projekten ist dabei noch sehr unterschiedlich. Einige Banken sind bereits sehr aktiv und haben schon mehrere FinTechs auf den eigenen Systemen, während andere Anbieter gerade erst damit beginnen, sich mit solchen Initiativen auseinanderzusetzen. Das Potenzial von Open Banking lässt sich durch verschiedene Ansätze erschließen, vom Erwerb von Software-Lizenzen bis hin zum so genannten „White Labeling“, wenn FinTechs von der Lizenz und dem Know-how der Banken für Back-Office-Prozesse und Regulatorik profitieren. Alle Modelle führen zu Innovationen, maximalem Kundennutzen und stärken langfristig die eigene Marke.

Wie sollten Banken auf den Trend hin zu offenen Ökosystemen reagieren?

Demgensky: Open Banking kann den Mehrwert, den Banken und FinTechs für Kunden generieren können, grundlegend verändern und so das Bankgeschäft revolutionieren. Im Moment besteht die Notwendigkeit, die Zusammenarbeit von Instituten mit Dritten zu standardisieren und zu professionalisieren. Banken sollten sich noch stärker für Innovationen von außen öffnen und ihre Partner unter den FinTechs oder Start-Ups frühzeitig und sorgfältig auswählen. Ein Augenmerk sollte darauf liegen, ob eine langfristige strategische Kooperation möglich ist, um das Kundenangebot proaktiv weiterzuentwickeln. Daher sollte das Thema Open Banking übergreifend in den Strategien berücksichtigt werden. Parallel dazu sollten Banken Wege in angrenzende Ökosysteme finden. Hier besteht noch viel Potenzial zur Erschließung neuer Geschäftsfelder.

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