PSD2: Erfolgsstrategie Open Banking

25 August, 2017

Die zweite EU-Zahlungsdiensterichtlinie (Payment Services Directive 2/PSD2) wird das Privatkundengeschäft in Europa stark verändern und den Wettbewerb für Finanzdienstleister weiter anfachen. Die bis Anfang 2018 umzusetzende Direktive soll den elektronischen Zahlungsverkehr für Verbraucher sicherer und günstiger gestalten. Zusätzlich erhalten Banken und Drittparteien die Chance, neue Kunden zu gewinnen und Kosten zu reduzieren. Vorausgesetzt, die Institute haben bis dahin ihre Hausaufgaben gemacht.

Mit PSD2 gerät ein Paradigma des europäischen Bankenmarktes ins Wanken. Fortan müssen Institute mit Zustimmung der Kontoinhaber Drittparteien über eine Schnittstelle Zugriff auf Zahlungsgeschäfte und Kontosalden gewähren. FinTechs, Telekommunikationsanbieter, Tech- und Datenunternehmen werden offiziell als Teilnehmer des Zahlungsverkehrsmarktes anerkannt und erhalten die Möglichkeit, Transaktionen im Auftrag des Kunden zu tätigen. Sie können nun Produkte und Services auf Basis der von den Banken bereitgestellten Daten entwickeln und an der Schnittstelle zum Kunden anbieten. Eine repräsentative Umfrage von PwC kam nun zu dem Ergebnis, dass mehr als die Hälfte der Deutschen dazu bereit ist, solchen Drittanbietern den Zugriff auf ihr Konto zu gewähren – wenn deren Services echte Mehrwerte bringen und die Sicherheit gewährleistet ist.

Katalysator für neue Geschäftsmodelle

Im Rahmen von PSD2 werden drei neue Dienstleistungen klassifiziert:

  1. Zahlungsauslösung durch einen Payment Initiation Service Provider (PISP), z. B. Online-Bezahldienste
  2. Abrufen von Kontoinformationen durch einen Account Information Service Provider (AISP), z. B. Apps, die Kontobewegungen auswerten und Spar-Tipps geben
  3. Zahlungsmittelverfügbarkeitsprüfung durch einen Card Issuer Service Provider (CISP), z. B. für die Echtzeit-Prüfung von Guthaben bei Kartenzahlungen im E-Commerce.

Diese Dienstleistungen erlauben Marktakteuren, die planen als Zahlungs- oder E-Geld-Institute aktiv zu sein, neue Geschäftsmodelle zu etablieren.

Besonders Einzelhändler profitieren hiervon, denn sie gestalten dann vollkommen bruchlos das Kundenerlebnis von Anfang bis Ende. Daher überrascht es nicht, dass führende Technologie-Konzerne wie Facebook, Google oder Amazon – und natürlich zahlreiche FinTechs – dem Zahlungsmarkt erhöhte Aufmerksamkeit schenken. Wenn sie inklusive dem Zahlungsverkehr eine „end-to-end“-Kundenbeziehung etablieren, können sie die Kundenbindung erhöhen und gelangen an wertvolle Informationen bezüglich des Kaufverhalten ihrer Kunden.

 


Wie können Banken sich auf PSD2 vorbereiten?

Banken sehen sich vor dieser Entwicklung in ihrer Position als Mittelsmänner bedroht. Noch mehr als das: Wenn Sie nicht mit überzeugenden Angeboten Kunden an sich binden können, nutzen diese künftig nur noch die Infrastruktur der Bank, beziehen die profitablen Zusatzservices rund ums Konto jedoch bei einem Wettbewerber, z. B. einem FinTech.

Für Banken ist es daher wichtig, ihre Handlungsoptionen zu prüfen. Mithilfe einer Sektoranalyse lassen sich erzeugte Margen und zu erwartende Umsätze durch neue Dienstleistungen, die mithilfe innovativer Methoden zur Analyse von Kundenbedürfnissen (Advanced Analytics) entwickelt werden, ermitteln. Das eigene Geschäfts- und Preismodell sowie Investitionskapazität und Risikobereitschaft gehören ebenfalls auf den Prüfstand.

Abhängig von der Ergebnissen dieser ersten Analyse gibt es grundsätzlich zwei vielversprechende Handlungsoptionen: Anpassung und Investitionen in das Dienstleistungsangebot sowie die Öffnung und Monetisierung von Daten durch offene Programmierschnittstellen (Application Programming Interfaces/API). Die Logik dahinter: Je mehr Kundeninformationen zur Verfügung stehen, desto genauer können Kundenprofile erstellt sowie Produkte und Services individuell auf die Kundenbedürfnisse abgestimmt werden.

Kooperationen mit FinTechs werden wichtiger

Vor allem für kleine bis mittelgroße Banken bietet die Einführung neuer Serviceleistungen die Gelegenheit, einen loyalen Kundenstamm aufzubauen und das eigene Serviceportfolio marktgerecht zu gestalten. Durch eine Kooperation mit Drittanbietern wie FinTechs können Entwicklungskosten geteilt und neue Produkte und Services rasch am Markt eingeführt werden.

Größere Institute können durch den Aufbau einer Plattform traditionelle mit digitalen Zahlungsdiensten verbinden. Eine enge Zusammenarbeit mit Dritten oder anderen Finanzinstituten für den Austausch von Wissen und innovativen Technologien ist dabei unerlässlich. Über eine solche Architektur lassen sich digitale Kanäle ausbauen und neue Kunden erreichen.

Kommt jetzt der Durchbruch für Open Banking?

So erweitert PSD2 nicht die Vielfalt der Zahlungsdienstleister. Sondern die Richtlinie macht in Europa den Weg frei für eine weitere Öffnung der digitalen Ökosysteme der Banken. Open Banking kann die Zusammenarbeit zwischen Banken und FinTechs zum gegenseitigen Vorteil verändern – vorausgesetzt, die Zusammenarbeit von Instituten mit Dritten wird weiter standardisiert und professionalisiert. Eine stärkere Nutzung von Kundendaten und der sichere Umgang damit sind dabei wesentliche Erfolgsfaktoren.

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Peter Kleinschmidt
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