Robo-Advice bietet Chancen für das Wertpapiergeschäft

12 Juni, 2016

Mit wenigen Klicks schnell und kostengünstig die optimale Vermögensanlage finden, die dann automatisch und effizient gemanagt wird? Viele FinTechs und fast alle Banken, Asset Manager befassen sich mit dieser automatisierten Geldanlage oder Robo-Advice.

Noch in den Kinderschuhen – jedoch rasante Entwicklung erwartet

Der Großteil der heute verfügbaren Robo-Advisor steckt jedoch mit Blick auf deren Leistungsfähigkeit als „intelligenter Anlageberater“ sowie im Hinblick auf ihre hiesige Marktabdeckung noch in den Kinderschuhen. Parallel zur technologischen Entwicklung erwarten wir allerdings innerhalb der nächsten Jahre ein deutliches Marktwachstum in Deutschland und damit ein Nachvollziehen der Entwicklung in den USA oder Großbritannien. Investoren zeigen bereits seit längerer Zeit verstärkt Interesse: Im Jahr 2015 stieg das Wagniskapital in Robo-Advice in Deutschland auf rund 270 Millionen Euro von rund 150 Millionen Euro im Vorjahr.

In Deutschland tummeln sich in der noch jungen Marktnische Robo-Advice derzeit rund 30 bis 40 Angebote von FinTechs mit einem verwalteten Vermögen von insgesamt rund 120 Millionen Euro. Neben diesen Start-Ups haben erste Direktbanken, Investmentgesellschaften sowie einige Filialbanken damit begonnen eigene Lösungen zu entwickeln oder die Zusammenarbeit mit einem FinTech, zum Beispiel in Form einer White-Label-Lösung, zu forcieren. Auch erste Übernahmen von auf Robo-Advice spezialisierten FinTechs hat es bereits gegeben.

Deutliche Unterschiede zwischen den Angeboten

Bei denen im Markt befindlichen Robo-Advice-Angeboten existieren deutliche Unterschiede im Hinblick auf Zielgruppenfokus, Funktionalität sowie der Konkretheit bzw. der Verbindlichkeit der Anlageempfehlung. Der Großteil der Angebote grenzt lediglich das Spektrum an möglichen Anlageoptionen ein, ohne den Kunden eine bestimmte Empfehlung für oder gegen ein bestimmtes Wertpapier zu erteilen. Mit „regulatorischer Brille“ betrachtet, handelt es sich hierbei nicht um eine Anlageberatung. Dementsprechend müssen einige regulatorische Anforderungen, wie zum Beispiel die Aushändigung eines Beratungsprotokolls nicht berücksichtigt werden. Die Kunden beantworten in der Regel zunächst online Fragen zu ihrer finanziellen Situation und ihrem Sparziel, anhand derer ein individuelles Risikoprofil ermittelt wird. Der Robo-Advisor schlägt dann eine Anlagestrategie sowie eine Auswahl an möglichen Wertpapieren vor.

Im Zeitablauf werden Anlageziele und Risikoprofil mit den tatsächlich realisierten Entwicklungen überprüft. Die häufig zu Beginn geringen Anlagebeträge werden vorzugsweise in börsengehandelten Indexfonds bzw. Exchange Traded Funds (ETFs) angelegt.

Deutlich in der Minderheit sind in Deutschland Robo-Advisor, die tatsächlich eine Anlageberatung gemäß der regulatorischen Einordnung durchführen. So setzt eine führende Direktbank eine Lösung ein, welche dem Kunden nach erfolgter Anlageempfehlung ein Beratungsprotokoll zusendet. Ebenso kann der Kunde bei dieser Direktbank zusätzlich zur maschinellen Empfehlung eine persönliche Beratung via Telefon, Video oder „Co-Browsing“ erhalten.

Eine Gemeinsamkeit haben die aktuell bestehenden Robo-Advice-Plattformen: Sie sind häufig noch komplex und aus einer reinen „Banker-Sicht“ gestaltet. Der Kunde muss zu viele Fragen beantworten, was kompliziert und zeitaufwändig ist. In der Bank vorhandene Kundendaten werden vielfach noch nicht von Robo-Advisorn genutzt, so dass Kunden aufgefordert sind, von Null bei der Dateneingabe zu beginnen.

Kostenersparnis für Banken

Banken bietet Robo-Advice die Möglichkeit, Depots mit geringerem Anlagevolumen effizient zu managen. Angesichts der seit der Finanzkrise verschärften regulatorischen Anforderungen und des anhaltenden Niedrigzinsumfelds suchen viele Institute nach Möglichkeiten, ihre Beratung gerade im Retail-Geschäft kostengünstig und rentabel zu gestalten. Das Potenzial der automatisierten Anlageberatung und Vermögensverwaltung zur Kostenersparnis ist immens. Noch dazu ist das Online-Angebot zeitlich und örtlich flexibel, was die Kundenbindung erhöht. Robo-Advice kommt nicht nur dem Kundenwunsch nach digitalisierten Angeboten entgegen. Die maschinelle Beratung kann auch die vom Kunden zum Teil weiterhin gewünschte, aber kostenintensivere Betreuung durch den persönlichen Bankberater als zusätzlichen Kanal ergänzen.

Bankkunden noch zurückhaltend

Robo-Advisor verfolgen das Ziel, die Kundenbedürfnisse nach einer einfachen, leicht verständlichen und transparenten Geldanlage abzudecken. Die meisten Bankkunden können jedoch mit dem Thema Robo-Advice bisher wenig anfangen.

Eine repräsentative PwC-Befragung „Privatkundengeschäft der Zukunft“ von mehr als 1.000 Privatkunden in Deutschland ergab, dass lediglich vier Prozent schon einmal einen Robo-Advisor ausprobiert haben und in Zukunft weiter nutzen wollen. Zwölf Prozent der Deutschen möchte in den nächsten zwölf Monaten eine automatisierte Onlineberatung testen.

Trotz der verhältnismäßig niedrigen Quoten, wünscht sich jedoch ein Drittel der Befragten, dass ihre Bank Robo-Advice anbietet. Zusätzlich würde knapp die Hälfte der Teilnehmer der PwC-Kundenumfrage einen Robo-Advice eher nutzen als einen „menschlichen“ Anlageberater, wenn sie dadurch Gebühren sparen können. Ebenfalls ein Drittel der befragten Privatkunden gab an, sie würden den Empfehlungen per Robo-Advice eher vertrauen als denen eines Anlageberaters, da sie auf einem mathematischen Berechnungsmodell basierten.

Die Mehrzahl der Deutschen nutzen für Ihre Geldanlage immer noch sehr klassische Anlageformen wie Sparbücher oder Tagesgeldkonten aber auch Lebensversicherungen. Robo-Advice wird derzeit eher von erfahrenen Anlegern genutzt, die ihre Risikobereitschaft gut einschätzen können. Der Nutzerkreis dürfte sich aber rasch ausweiten. Die derzeitige Zinssituation wird unserer Einschätzung nach vermehrt Kunden nach rentableren Anlagemöglichkeiten suchen lassen. Dabei werden Wertpapieranlagen vermehrt in den Fokus rücken müssen. Einige Robo-Advice-Newcomer berichten, dass ihr Konzept nicht nur jüngere und internetaffine Nutzer anspricht, sondern mittlerweile auch immer mehr ältere Kunden ab 50 Jahren anzieht.

Robo-Advice ist kein Selbstläufer

Damit Robo-Advisor eine signifikante Größe erreichen können, müssen mehr Kunden über ein breiteres Produktangebot und zielgerichtete Ansprachen dazu bewegt werden, das Angebot verstärkt zu nutzen. Dazu sollte die Onlineberatung deutlich stärker in das klassische Bankangebot und die Multikanalstrategie integriert werden. Robo-Advice bietet gerade Kleinanlegern den Zugang zu einer kostengünstigen, transparenten und verständlichen Anlageberatung, die bei einigen Robo-Advisorn bereits auf wissenschaftlichen Strategien basiert und bestehende Hürden für die Wertpapieranlage senken kann. Demnach sollten Anbieter von Robo-Advice diese Technologie auch als Chance nutzen, um den Anlegerschutz für ihre Kunden attraktiver zu gestalten.

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