PwC-Studie: Europas Immobilienmärkte 2016: Urbanisierung sorgt für Strategiewechsel

12 Januar, 2016

Die europäischen Immobilienmärkte stehen 2016 erneut vor einem guten Jahr. Die rasche Urbanisierung, technologische Innovationen sowie neue Mieterwünsche sorgen bei vielen Investoren für einen Strategiewechsel. In den Fokus rücken einzelne Städte, Spezialimmobilien und Projektentwicklungen. Bei Büroimmobilien wird von den Mietern zusätzlicher Service stärker nachgefragt. Berlin und Hamburg bieten europaweit die besten Ertrags- und Entwicklungschancen.

Die europäischen Immobilienmärkte stehen vor tiefgreifenden Veränderungen. Neue Mieterbedürfnisse und Marktentwicklungen wie die rasch fortschreitende Urbanisierung, technologische Innovationen und der demografische Wandel sorgen bei internationalen Investoren für einen Strategiewechsel. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Emerging Trends in Real Estate® Europe 2016“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC und des Urban Land Institute (ULI), für die 550 Marktexperten befragt wurden.

Das Verhältnis zwischen Vermietern und Mietern hat sich grundlegend verändert. Aus Mietern sind sehr gut informierte Kunden mit individuellen Ansprüchen geworden. Damit steht die Immobilienbranche vor der Herausforderung, serviceorientierter zu arbeiten und neue Kundenwünsche zu erfüllen.

Immobilienentwicklungen werden noch attraktiver

Mieter von Büroimmobilien legen zunehmend Wert auf Effizienz und Produktivität bei der Nutzung eines Gebäudes. Zudem sorgt die Urbanisierung für eine verstärkte Nachfrage nach zentral gelegenen Bürogebäuden, in denen Gemeinschaftsbereiche wie Konferenzsäle oder auch Fitnesscenter von mehreren Mietern geteilt werden können. Viele Eigentümer statten ihre Gebäude mit WiFi-Cafés, Dachgärten oder Sporträumen aus. Vor allem High-Tech-Firmen und jüngere Arbeitnehmer legen Wert darauf, dass das Arbeitsumfeld im Einklang zum eigenen Lebensstil und gesundheitlichen Ansprüchen steht. „Das alles wird den Immobilienmarkt verändern“, sagt Jürgen Fenk, Chairman von ULI Germany.

Im Einzelhandel sorgen neue Technologien dafür, dass die Erwartungen der Kunden an Einkaufserlebnisse in den Geschäften und auf den Webseiten steigen. Immer mehr Onlinehändler und Einzelhändler, die bislang ihre Waren über Großhändler vertrieben, eröffnen in Zeiten des rasch wachsenden Onlinehandels eigene Standorte. Wie die Studie zeigt, bleiben Einzelhandelsimmobilien auf den Einkaufsmeilen der europäischen Städte Spitzenreiter unter den Anlage-Objekten.

Als weiteren neuen Anlagetrend nennen die Befragten die verstärkte Fokussierung internationaler Investoren auf eigene Immobilienentwicklungen. Knapp 80 Prozent der Umfrageteilnehmer bezeichnen diese als attraktive Top-Anlagemöglichkeit. Dies vor dem Hintergrund, dass die Preise für Bestandsimmobilien in guten und sehr guten Lagen historische Höhen erreicht haben. Spezialimmobilien legen aus diesem Grund ebenfalls deutlich in der Gunst der Investoren zu. Vor allem Hotels, Gesundheitseinrichtungen, Studentenwohnheime und Rechenzentren werden nach Einschätzung der Experten von Trends wie der raschen Urbanisierung und langfristigen demografischen Entwicklungen profitieren.

Berlin verteidigt Spitzenplatz - Hamburg rückt auf

Berlin steht 2016 wie im Vorjahr auf dem Spitzenplatz als europäischer Immobilienmarkt mit den besten Investitions- und Entwicklungschancen. Die deutsche Hauptstadt profitiert von ihrem hohen Anteil an jungen Einwohnern und ihrem Ausbau als Technologiestandort. Gleichzeitig bietet Berlin auch langfristig genügend Potenzial für Projektentwicklungen.

Hamburg rückt verglichen zum Vorjahr um zwei Positionen auf Rang zwei vor, gefolgt von Dublin, Madrid und Kopenhagen. Die dänische Hauptstadt rangiert infolge eines wiedererwachten Interesses an skandinavischen Ländern erstmals unter den Top-5 der insgesamt 28 europäischen Märkte, die im Rahmen der Studie analysiert wurden. Als dritte deutsche Stadt ist München 2016 erstmals wieder unter den Top-10 vertreten, während London als größter, aber als überteuert geltender europäischer Markt auf Rang 15 fällt.

Europas Top-10-Märkte

Rang 2016  Rang 2015       Veränderung   Ertragsperspektive*
1 Berlin 1 0↔      4,13
2 Hamburg 4 2↑ 3,92
3 Dublin 2 1↓ 3,86
4 Madrid 3 1↓ 3,84
5 Kopenhagen 7 2↑ 3,76
6 Birmingham 6 0↔ 3,75
7 Lissabon  9 2↑ 3,72
8 Mailand 12 4↑ 3,69
9 Amsterdam 8 1↓ 3,66
10 München 11 1↑ 3,65

*Durchschnittswerte auf der Skala - 3,5 und darüber (gut) - 2,5 bis 3,5 (mittel) - 1 bis 2,5 (schwach).

Europas Immobilienmärkte 2016 auf Wachstumskurs

Insgesamt beurteilen die befragten Immobilienexperten die Geschäftsaussichten der Branche für das neue Jahr sehr optimistisch. Zwar werden Top-Immobilien in Europas Metropolen immer teurer und rarer. Doch gelten sie für die meisten weltweiten Investoren in der anhaltenden Niedrigzinsphase weiterhin als sicherer Hafen.Ein Trend, der sich vermutlich auch 2016 fortsetzen wird. 

Die Finanzierungsbedingungen auf den Immobilienmärkten Europas werden sich nach Einschätzung von Jürgen Fenk vom ULI 2016 sehr positiv entwickeln. Rund 55 Prozent der Befragten rechnet mit einem weiteren Zufluss von Kapital und gut die Hälfte der Umfrageteilnehmer erwartet eine Ausweitung der Kreditfinanzierung. 

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Susanne Eickermann-Riepe

Head of Real Estate, PwC Germany

Tel.: +49 69 9585-5909

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