PwC-Studie: FinTech-Entwicklungen bereiten Finanzbranche zunehmend Sorge

14 März, 2016

Die rasanten Entwicklungen im Bereich Finanztechnologie (FinTech) führen zu tiefgreifenden Umbrüchen in allen Segmenten der klassischen Finanzdienstleistungsbranche. Folglich wächst die Sorge der klassischen Anbieter über die Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Wie die PwC-Studie „Blurred Lines: How FinTech is shaping Financial Services“ ergab, befürchten rund 83 Prozent der etablierten Finanzdienstleister mittlerweile den Verlust von Teilen ihres Geschäfts an FinTech-Unternehmen. Bei den Banken beläuft sich dieser Anteil sogar auf 95 Prozent. An der Umfrage haben 544 Führungskräfte aus dem Bereich Financial Services in 46 Ländern teilgenommen.

Sollte das rasche Entwicklungstempo anhalten, sehen die etablierten Institute gut 23 Prozent ihres Geschäfts in Gefahr. Befragte aus FinTech-Unternehmen erwarten, dass sie den traditionellen Anbietern ein Drittel ihres Geschäfts abstreiten können. Gut zwei Drittel (67 Prozent) der klassischen Finanzdienstleister sorgen sich, dass der Wettbewerb zu FinTechs ihre Gewinnmargen belasten wird. Rund 59 Prozent der Finanzdienstleister befürchten einen Verlust von Marktanteilen. Der größte Druck lastet dabei auf Zahlungsdienstleistern und Banken, die in den nächsten fünf Jahren einen Rückgang ihrer Marktanteile von bis zu 28 Prozent bzw. 24 Prozent für möglich halten.

„Für die Finanzbranche ist die Integration des Themas FinTech in die Institutsstrategien unerlässlich. In Anbetracht des rasanten technologischen Wandels können klassische Finanzdienstleister es sich nicht leisten, dieses Thema zu ignorieren“, sagt Jörg Sandrock, Partner bei Strategy&, Teil des PwC Netzwerks.

Weitere Ergebnisse der Studie im Überblick:

  • Blockchain-Potenzial wird häufig nicht erkannt: Die Blockchain-Technologie mit ihrem dezentralen Register („distributed ledger“) kann zu Einsparungen und einer erhöhten Transparenz im Zahlungsverkehr beitragen. Allerdings wird das Potenzial in der Branche häufig noch unterschätzt. Während 56 Prozent der Befragten die Bedeutung der Blockchain-Technologie erkennen, erklären 57 Prozent, sie seien unsicher, wie sie mit diesem neuen Trend umgehen sollten.
  • FinTech als Herzstück der Strategie: Die Mehrzahl der Befragten (60 Prozent) berücksichtigen das Thema FinTech bereits als Kernelement in ihrer Strategie. Für rund 13 Prozent aller Befragten zählt das Thema FinTech hingegen noch nicht zu den strategischen Kernelementen, was sich angesichts des wachsenden Wettbewerbs durch branchenfremde Marktteilnehmer langfristig zum Geschäftsrisiko entwickeln könnte.
  • Kooperationen mit FinTechs: Die bislang häufigste Form der Zusammenarbeit der Finanzbranche mit FinTechs sind Kooperationen (32 Prozent), bei Investitionen agieren viele Finanzdienstleister eher zurückhaltend. Gut ist ein Viertel der Institute ist noch keine Verbindung zur FinTech-Branche eingegangen. Im Gegenzug erklärten rund 59 Prozent der Befragten aus FinTech-Unternehmen, Banken hätten bislang nicht auf FinTech-Entwicklungen reagiert.
  • Chancen von FinTech-Entwicklungen nutzen: Neuerungen wie das Cloud-Konzept „Software-as-a-service“ oder die Bereitstellung offener Schnittstellen (Application Program Interfaces/API) bieten Banken Optionen zur Optimierung operativer Prozesse. Im Bereich Asset und Wealth Management sowie Versicherung birgt die moderne Datenanalyse (Data Analytics) Potenziale etwa für das Risikomanagement, eine automatisierte und kostengünstige Anlageberatung durch Robo-Advisors oder das Angebot personalisierter Versicherungspolicen wie Pay-as–you-drive.
  • Hürden für die Zusammenarbeit: Als Hauptrisiken im Umgang mit FinTechs nennen die Befragten aus der Finanzbranche die IT-Sicherheit (53 Prozent), regulatorische Unsicherheiten (49 Prozent) und die unterschiedlichen Geschäftsmodelle (40 Prozent). Befragte aus der FinTech-Branche nennen Unterschiede im Management und der Unternehmenskultur (54 Prozent), operative Prozesse (47 Prozent) und Unsicherheiten über künftige Regulierungsvorgaben (43 Prozent) als wesentliche Herausforderungen für den Umgang mit den klassischen Anbietern.

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