Intelligente Wirtschaftsförderung

16 September, 2010

Wirtschaftliches Wachstum gilt als eines der Hauptziele staatlicher Wirtschaftspolitik, da wirtschaftlicher Wohlstand und gesichertes, möglichst steigendes Einkommen sowie die Lösung anstehender sozialer Probleme (Arbeitslosigkeit, Rentensicherung) nur bei anhaltendem wirtschaftlichen Wachstum zu realisieren sind. Die positive Einflussnahme auf die Wirtschaftsentwicklung nimmt insofern eine bedeutende Stellung in der Politik ein.

Das zukünftige wirtschaftliche Wachstum wird entscheidend davon abhängen, wie es Deutschland gelingt, auf den wirtschaftlichen Strukturwandel und den damit einhergehenden technologischen Wandel sowie die Globalisierung der Arbeitsmärkte unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung zu reagieren.

Bereits heute ist erkennbar, dass sich die demografische Entwicklung sehr unterschiedlich auf einzelne Regionen in Deutschland auswirkt. "Eine immer größer werdende Gruppe von Städten und Gemeinden mit Schrumpfungstendenzen steht einer immer kleiner werdenden Gruppe mit teils noch kräftigem Wachstum bei Bevölkerung, Haushalten und Erwerbspersonen gegenüber." (vergleiche Raumordnungsprognose 2025 des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung). 

Der entscheidende Wettbewerbsfaktor ist hierbei der hochqualifizierte Erwerbstätige, da dieser eine wesentliche Voraussetzung für technologischen, medizinischen und sozialen Fortschritt und somit Wirtschaftswachstum ist. Demzufolge wird der Wettbewerb um hochqualifizierte Arbeitskräfte eine der entscheidenden Größen sowohl im nationalen Standortwettbewerb der Regionen in Deutschland als auch international sein.

Nachhaltige Effekte sind notwendig

Wie die PwC-Studie "Deutschland 2020 - Die Arbeitsplätze der Zukunft" zeigt, werden Regionen mit einem wachsenden Angebot an hochqualifizierten Arbeitskräften langfristig eine bessere Erwerbstätigenentwicklung aufweisen als Regionen mit gleichbleibendem oder sinkendem Qualifikationsniveau der Beschäftigten.

Angesichts dieser anstehenden Herausforderungen ist unter Berücksichtigung der begrenzten öffentlichen Mittel sowie den zu erwartenden Änderungen in der europäischen Förderpolitik eine stetige Optimierung der Wirtschaftsförderung notwendig. Intelligente Wirtschaftsförderung muss so gestaltet sein, dass sie an den richtigen Stellen des Systems ansetzt und nachhaltige Effekte hervorruft.

Im Gespräch mit Alfred Höhn, zuständiger Partner für die Beratung der Bundesregierung im Rahmen der Gestaltung, Steuerung und Finanzierung von Wirtschaftsförderinstrumenten

Wie sollte Ihrer Meinung nach eine Optimierung der Wirtschaftsförderung erfolgen?

Alfred Höhn: Zunächst ist es wichtig, die für die wirtschaftliche Entwicklung von Deutschland entscheidenden Faktoren zu analysieren und dann zielgerichtet die verschiedenen Instrumente der Wirtschaftsförderung einzusetzen beziehungsweise neue Instrumente zu entwickeln. Die dynamische Entwicklung der Marktbedingungen erfordert eine regelmäßige Evaluation der bestehenden Förderinstrumente, um diese an die veränderten Bedingungen anzupassen und somit eine größere Wirkung zu erzielen. Nicht zuletzt ist bei der Optimierung der Wirtschaftsförderung auch der Prozessablauf zu hinterfragen, um zum einen schneller auf dynamische Entwicklungen des Marktes reagieren zu können, und zum anderen einen immer besseren Ressourceneinsatz zu erreichen.

In der Studie "Deutschland 2020 - Arbeitsplätze der Zukunft" haben Sie festgestellt, dass die Erwerbstätigenentwicklung in den einzelnen Regionen in Deutschland entscheidend von der Entwicklung der Zahl der hochqualifizierten Erwerbstätigen abhängt. Welche Faktoren beeinflussen die Entwicklung der Anzahl von hochqualifizierten Erwerbstätigen und sollten insofern zielgerichtet gefördert werden?

Höhn: In der Studie wird für viele Kreise in Ostdeutschland und Teile der westdeutschen Provinz ein deutlicher Rückgang der Erwerbstätigkeit prognostiziert. Dem kann nur entgegengewirkt werden, wenn diese Regionen gezielt in die Bildungsinfrastruktur investieren und Anreize zur Ansiedlung wissensintensiver Branchen schaffen. Insbesondere kleinere Städte sollten sich auf ihre besondere Leistungsfähigkeit konzentrieren, da sie nicht in der Lage sind, in allen Branchen den Wettbewerb zu dominieren. Für die Herausbildung von Clustern ist ein intensiver Wissenstransfer unerlässlich, wobei von entscheidender Bedeutung sein wird, dass der Bildungssektor eine internationale Ausrichtung aufweist. Wie wir in der Studie "Zukunftschancen Kreativität - Entwicklungspotenziale von Städten im Ostseeraum" festgestellt haben, gewinnen insofern die weichen Standortfaktoren wie die Offenheit der Bewohner einer Stadt gegenüber Menschen mit einer anderen Herkunft und Kultur an Bedeutung bei der Ansiedlung hochqualifizierter Erwerbstätiger.

Betrachtet man die Förderdatenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie wird allein schon durch die parallel bestehenden Förderinstrumente des Bundes, der Länder und der EU die Komplexität der Wirtschaftsförderung in Deutschland deutlich. Welchen Einfluss hat diese heterogene Struktur auf die Optimierung der Wirtschaftsförderung?

Höhn: Eine zielgerichtete Wirtschaftsförderung erfordert eine noch stärkere Abstimmung der Aktivitäten zwischen den drei Fördergebern. Hierbei geht es nicht darum, Zuständigkeiten zu ändern, sondern vielmehr im gemeinsamen Dialog die unterschiedlichen Förderinstrumente aufeinander abzustimmen. Die Begleitung dieses Abstimmungsprozesses sollte durch einen neutralen Dritten erfolgen, der sich mit entsprechendem Abstand einen Überblick verschafft und aufgrund fehlender persönlicher Interessen auch als Moderator agieren kann. Darüber hinaus sind hier langjährige Erfahrungen im Wirtschaftsförderbereich auf allen Förderebenen eine wichtige Voraussetzung, um einen solchen Prozess auch inhaltlich begleiten zu können.

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Prof. Dr. Rainer Bernnat

Partner, Leiter Öffentlicher Sektor, PwC Strategy&

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