Navigation nicht nur in schwierigen Zeiten: Cash-orientierte Unternehmenssteuerung

16 September, 2010

Seit der Finanzkrise ist die operative Unternehmenssteuerung stärker in den Fokus des Top-Managements gerückt. Die Frage, nach welchen Kennzahlen sich ein Unternehmen optimal steuern lässt, gewinnt immer mehr an Bedeutung. Grundlegende Kenntnisse lassen sich aus der Untersuchung von Unternehmen ziehen, die sich in vergangenen Krisen als besonders robust erwiesen haben.

Aus der Internet-Krise in 2000/2001 lassen sich wichtige Schlüsse ziehen. PwC hat diese Krise analysiert und geprüft, welche Charakteristika Unternehmen auszeichnen, die von dieser Krise weniger stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. Die Untersuchungen zeigen, dass Unternehmen mit sehr guten Werten in bestimmten cash-orientierten Kennzahlen während der Krise sowohl den Großteil des Gewinns als auch des operativen Free Cash Flows ihres Sektors generierten.

Die so aufgestellten Unternehmen werden hier als cash-orientierte Unternehmen bezeichnet. Sie haben die Krise nahezu unbeschadet überstanden und operieren bis heute profitabel. Weniger cash-orientierte Unternehmen mussten hingegen starke Verluste hinnehmen.

Unternehmenssteuerung an Cash-Kenngrößen orientieren

Die grundlegende Kenngröße einer cash-orientierten Unternehmenssteuerung ist das Working Capital. Über das klassische Working Capital Management hinaus empfiehlt PwC, relevante Cash-Kennzahlen nicht als Unternehmensoutput zu verstehen, sondern als Input, an dem sämtliche Aktivitäten ausgerichtet werden. Durch diese Managementphilosophie kann das gesamte Unternehmen effektiv gesteuert und darüber hinaus agil und flexibel am Markt ausgerichtet werden. Studien von PwC zeigen, dass auf diese Weise aufgestellte Unternehmen einen starken Cash Flow generieren und wettbewerbsfähiger und erfolgreicher agieren als ihre Konkurrenten.


Die Orientierung sämtlicher Unternehmensaktivitäten an Cash-Kenngrößen resultiert in einer stärker am Kunden ausgerichteten Managementphilosophie. Diese fördert den freien Informationsfluss zwischen Kunde und Unternehmen sowie innerhalb des Unternehmens. Die Fähigkeit, aus den vom Kunden gewonnenen Informationen Cash zu generieren, wird sichergestellt und optimiert.

Vorteile einer cash-orientierten Unternehmenssteuerung:

  • Kundenfokussierte Unternehmensausrichtung
  • Schlanke Organisationsstrukturen
  • Effektive und flexible Unternehmenssteuerung
  • Effiziente Verwendung von Cash und Kapital
  • Nachhaltige Verbesserung des Unternehmens, Cash zu generieren
  • Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit

Eine Ausrichtung der Unternehmenssteuerung auf cash-basierte Kennzahlen führt zu einer unmittelbaren Verbesserung der Finanzlage eines Unternehmens. Kurzfristig können mit Hilfe einer cash-orientierten Unternehmenssteuerung entscheidende Potenziale im operativen Geschäft realisiert werden. 

Langfristig wird das gesamte Unternehmen flexibel am Markt aufgestellt. Es ist dann in der Lage, schnell auf veränderte Rahmenbedingungen zu reagieren. Die Ausrichtung an den richtigen Kennzahlen ist entscheidend für eine effektive Unternehmenssteuerung - nicht nur in schwierigen Zeiten.

Wie Unternehmen sich auf die aktuellen veränderten Marktbedingungen einstellen können, hat PwC in seinem Point of View "Cash-orientierte Unternehmensführung" zusammengefasst, der hier als kostenloser Download zur Verfügung steht. 


Im Gespräch mit Martin Bork.

Lassen sich aus vergangenen Krisen grundlegende Lehren ziehen?

Martin Bork: Ein sich schnell wandelndes wirtschaftliches Umfeld führt dazu, dass ursprünglich getroffene strategische Entscheidungen den neuen Rahmenbedingungen nur noch bedingt gerecht werden. Dabei sind die Unternehmen im Vorteil, die Warnsignale des Marktes und ihrer Kunden frühzeitig wahrnehmen und flexibel aufgestellt sind, um schnell agieren zu können. Unsere Analysen ergeben, dass sich die Orientierung an bestimmten cash-orientierten Kennzahlen auszahlt.

Sie empfehlen eine stärkere Ausrichtung der Unternehmenssteuerung an cash-orientierten Kennzahlen. Inwieweit unterscheidet sich dieser Ansatz vom klassischen Working Capital Management?

Bork: Das klassische Working Capital Management stellt eine wichtige Basis für unseren Ansatz dar. Wir empfehlen darüber hinausgehend jedoch, cash-orientierte Kennzahlen als Inputgröße für die Unternehmenssteuerung einzuführen. Hierdurch werden vorausschauend Fragestellungen aufgeworfen, die sowohl im operativen Geschäft als auch in der mittel- bis langfristigen Unternehmenssteuerung zu einem stärkeren Fokus auf Flexibilität und Kundennähe führen. Das Monitoring cash-basierter Steuerungsgrößen versetzt Manager in die Lage, frühzeitig die richtigen Maßnahmen einzuleiten.

Welche Maßnahmen zur Umsetzung einer cash-orientierten Unternehmenssteuerung empfehlen Sie?

Bork: Basierend auf der Analyse der Geschäftsberichte von Unternehmen verschiedener Branchen lässt sich ein cash-orientiertes Benchmarking erstellen. Wir haben festgestellt, dass abhängig von der Branche jeweils bestimmte cash-basierte Kennzahlen eine besondere Bedeutung für den nachhaltigen Unternehmenserfolg haben. Auf Basis der Working Capital-Kennzahl haben wir eine Analysemethode entwickelt, die es ermöglicht, kurzfristig und pragmatisch Potenziale zur Optimierung des Unternehmenswachstums zu erkennen und zu realisieren. Langfristig empfehlen wir, geeignete cash-basierte Kennzahlen in die Unternehmenssteuerung zu integrieren. Mit unseren Kunden diskutieren wir gerne, wie sich eine cash-orientierte Unternehmenssteuerung optimal gestalten lässt, und welche Lehren wir aus vergangenen Analysen und Erfahrungen gezogen haben.

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