Worauf es bei der Finanzierung von Mega-Projekten ankommt

16 September, 2010

Der Bau einer Erdölraffinerie in der Türkei, Gas-Pipelines in der Ostsee oder eine Flüssiggas-Anlage in Russland: Globale Mega-Projekte sind hochkomplex und kosten viel Geld. Häufig sind Unternehmen aus der ganzen Welt als Projektsponsoren, Geldgeber und Lieferanten beteiligt. Nicht selten liegt das Investitionsvolumen im Milliardenbereich. Doch wie lassen sich die hohen Investitionssummen für Mega-Projekte aufbringen? Wo liegen die Stolpersteine bei der Finanzierung? Welche Rolle spielen Exportkreditversicherungen?

Im Gespräch mit den PwC-Experten Heiko Lentge und Alexander Wuermeling

Wieso ist die Finanzierung eines Großprojekts heute schwieriger als vor zehn Jahren?

Heiko Lentge: Zwei Tendenzen lassen sich beobachten: Zum einen sind Banken heute in Folge der Finanzkrise restriktiver bei der Vergabe von Krediten, um Mega-Projekte zu finanzieren. Zweitens ist die Zahl der Mega-Projekte mit sehr hohen Investitionssummen in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Denn besonders in den aufstrebenden Märkten wächst der Energie- und Infrastrukturbedarf rasant. In Folge dessen sehen wir in diesen beiden Bereichen aktuell sehr viele Mega-Projekte.

Diese Projekte kommen nicht selten auf ein Gesamtinvestitionsvolumen im zweistelligen Milliardenbereich. Wie sind die Projektsponsoren in der Lage, eine solche Summe aufzubringen?

Alexander Wuermeling: Da ist viel Kreativität gefragt! Projektsponsoren und Geldgeber müssen eng zusammenarbeiten und innovative Finanzierungskonzepte entwickeln. Das Geld stammt in der Regel nicht von einem Geldgeber, sondern aus den unterschiedlichsten Quellen: Kommerzielle Banken, Wirtschaftsförderinstitute und die Weltbank leisten ihren Beitrag. Eine ganz zentrale Rolle bei der Finanzierung von Großprojekten spielen die nationalen Exportkreditversicherer, so genannte Export Credit Agencies - kurz ECAs - der beteiligten Länder.

Wieso sind Exportkreditversicherer so wichtig für die Finanzierung globaler Mega-Projekte?

Lentge: Das Ziel einer ECA besteht darin, den Export der eigenen Produkte und Dienstleistungen ins Ausland zu fördern. Deshalb übernehmen sie eine Absicherung gegen Risiken im Projekt. Früher lag der Fokus auf den politischen Risiken. Heute sichern die ECAs vermehrt auch wirtschaftliche Risiken ab. Auch der deutsche Staat unterstützt inländische Unternehmen bei Mega-Projekten im Ausland, indem er Exportkreditgarantien vergibt.

Wie wirken diese Garantien?

Lentge: Sie reduzieren das Risiko für die beteiligten Banken und Projektsponsoren, denn der Staat springt im Notfall ein. Das macht die Bereitstellung von langfristigen Krediten für eine Projektfinanzierung häufig erst möglich. Um in den Genuss dieser Garantien zu kommen, muss der Projektsponsor nachweisen, dass sein Projekt wirtschaftlich ist. Diesen Nachweis kann eine internationale Wirtschaftsprüfungsgesellschaft wie PwC erbringen. Mein Team erstellt bei größeren Vorhaben so genannte Tragfähigkeitsgutachten, um zu beurteilen, ob die hierfür gegründete Projektgesellschaft die aufgenommenen Kredite wieder zurückzahlen kann.

Nach welchen Kriterien beurteilen Sie die Tragfähigkeit eines Mega-Projekts?

Wuermeling: Der Kern unserer Tragfähigkeitsgutachten ist eine Due Diligence: Dabei schauen wir, ob das Risiko fair zwischen den Parteien verteilt ist; wir analysieren die Verträge und untersuchen die wirtschaftlichen, rechtlichen, steuerlichen und technischen Annahmen. Entsprechend der Kreditlaufzeiten werden diese Annahmen über einen Zeitraum von bis zu 20 Jahren prognostiziert. Da muss man schon sehr genau hinsehen. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Finanzierungsmodell: Wir berechnen, ob sich die Kredite auch bei ungünstigen Marktbedingungen zurückzahlen lassen. Ein Beispiel: Ein Marktexperte prognostiziert für die nächsten Jahre stark schwankende Preise und damit Erträge. Für die Finanzierungsdokumentation müssen wir in dieser Situation eine Möglichkeit finden, das Risiko für die Kreditgeber so gering wie möglich zu halten. Wir wissen, worauf es bei der Erstellung der Finanzierungsverträge ankommt und welche Punkte für den Bund besonders wichtig sind. Wenn unsere Experten ein Projekt als tragfähig beurteilen, ist dies eine wesentliche Voraussetzung für eine positive Deckungsentscheidung des Bundes und damit für die Übernahme einer Exportkreditgarantie.

Wenn es um die Finanzierung eines Mega-Projekts geht, sitzen viele Parteien an einem Tisch. Wie laufen solche Verhandlungen ab?

Lentge: Wir waren schon bei Projekten beteiligt, wo Vertreter von einem Dutzend ECAs an einem Tisch saßen. Wenn 80 Personen miteinander verhandeln, muss man schon mal vor jedem Wortbeitrag sein Mikrofon einschalten. Es braucht viel Verhandlungsgeschick, um eine für alle Parteien akzeptable Position zu finden. Denn die wirtschaftlichen und politischen Motive der Verhandlungspartner und Geldgeber sind sehr unterschiedlich.

Worauf kommt es bei den Verhandlungen an?

Wuermeling: Häufig ist ein Deal zunächst noch nicht für eine Indeckungnahme durch den Bund geeignet, wenn wir mit unserer Arbeit beginnen. Denn die Sponsoren präsentieren meist ein Projektkonzept, das aus Kreditgebersicht nicht akzeptabel ist, beispielsweise eine zu geringe Eigenkapital-Quote oder zu sponsorenfreundliche Finanzierungsbedingungen. Deshalb sind wir auch beratend bei Finanzierungverhandlungen tätig, um Analysen und Lösungsvorschläge zu erarbeiten, die zu einem deckungsfähigen Projektkonzept führen. Bei dieser schwierigen Aufgabe hilft uns die jahrelange Projekterfahrung, wegen der wir auch als Berater internationaler ECAs rund um den Globus gefragt sind.

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Heiko Lentge

Global Head ECA Advisory & Head of CoE Modelling Transactions

Tel.: +49 40 6378-1440

Alexander Wuermeling

ECA Advisory

Tel.: +49 40 6378-1426

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