Der verpackungsfreie Einkauf bietet Marktpotenzial

09 Januar, 2015

Die PwC-Umfrage „Verpackungsfreie Lebensmittel“ zeigt, dass ein Großteil der deutschen Verbraucher, 82 Prozent, bereit wäre, beim Einkauf weitgehend auf Verpackungen zu verzichten. Nische oder Trend? Wie diese Entwicklung zu bewerten ist und welche Folgen sie für den Handel und die Verpackungsmittelindustrie haben könnte, erklärt PwC-Partner Gerd Bovensiepen im Interview.

Im Gespräch mit Gerd Bovensiepen, Leiter des PwC-Geschäftsbereichs Handel und Konsumgüter in Deutschland und Europa

Die große Mehrheit der Verbraucher in Deutschland kann sich vorstellen, verpackungsfrei einzukaufen, wie die aktuelle PwC-Umfrage zeigt. Haben Sie mit dieser hohen Zahl gerechnet?

Gerd Bovensiepen: Nein, die Zahl hat mich selbst überrascht. Unsere Umfrage zeigt, dass die Deutschen großen Wert auf Umweltfreundlichkeit legen. Der verpackungsfreie Einkauf ist kein Nischenthema für eine kleine Elite, die ökologisch bewusst lebt, sondern hat die breite Bevölkerung erreicht. Den Verbrauchern ist die Vermeidung von Verpackungsmüll beim Lebensmitteleinkauf wichtig. Das haben sie auch als ihr Hauptmotiv in unserer Analyse genannt.

Welche Konsequenzen sehen Sie für die Verpackungsmittelindustrie?

Bovensiepen: Die Branche sollte die Entwicklung in jedem Fall aufmerksam verfolgen. Noch wächst die Zahl der Verpackungen, die wir in Deutschland benötigen, Jahr für Jahr um durchschnittlich zwei bis drei Prozent. Das ist auch bedingt durch die Zunahme von Single-Haushalten mit mehr kleineren Verpackungseinheiten und durch den Trend zu Convenience-Produkten. Doch das Bewusstsein der Verbraucher verändert sich. Darauf muss die Branche reagieren: durch den sparsameren Einsatz von Materialien, durch noch mehr recycelbare Verpackungsmaterialien auf der Basis nachwachsender Rohstoffe wie beispielsweise Biokunststoffe. Hier entwickelt die Verpackungsmittelindustrie – teilweise auch in Kooperation mit dem Handel – bereits neue und innovative Lösungen.

Inwieweit sollten die klassischen Supermärkte auf den Trend reagieren?

Bovensiepen: Sie müssen natürlich nicht ihr gesamtes Sortiment umstellen, diese Vorstellung wäre unrealistisch und würde auch nicht den aktuellen Bedürfnissen der Konsumenten entsprechen. Denn, wie aufgeschlossen die Verbraucher für den verpackungsfreien Einkauf sind, hängt auch von der Art der Ware ab. Aber sie könnten bei einzelnen Sortimenten auch verpackungsfreie Waren anbieten, wobei ich vor allem Bio-Produkte und regionale Produkte für ein geeignetes „Testfeld“ halte. Gerade der verpackungsfreie Einkauf bietet die Chance, mit kleinen Erzeugern aus der Region zusammenzuarbeiten. Für diese Art des verpackungsfreien Einkaufs besteht eine große Offenheit unter den Kunden, wie unsere Studie zeigt: 63 Prozent bestätigten, dass sie bei verpackungsfreien Lebensmitteln zugreifen würden, wenn es in herkömmlichen Geschäften oder Supermärkten ein entsprechendes Angebot gäbe. Sicherlich ist momentan der Preis noch ein Hindernis: Nur wenige Kunden sind bislang bereit, einen Aufpreis zu zahlen. Ich bin aber auch davon überzeugt, dass noch mehr verpackungsfreie Supermärkte in Deutschland in den kommenden Jahren eröffnen werden.

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