Interview: Mobile Payment setzt sich weiter durch – wird Bargeld aber kaum ersetzen

29 Januar, 2019

Ein Interview mit den Studienautoren Prof. Dr. Nikolas Beutin und Maximilian Harmsen von PwC

Die Bezahlung per Smartphone oder Tablet wird auch bei deutschen Verbrauchern immer beliebter. Eine PwC-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass bei den Jüngeren fast jeder Zweite bereits Erfahrungen mit dem mobilen Bezahlen gesammelt hat. 

Wie Deutschland im internationalen Vergleich abschneidet, wieso viele Verbraucher noch skeptisch sind und inwiefern Mobile Payment das Bargeld ersetzen wird, lesen Sie im Interview mit den Studienautoren Prof. Dr. Nikolas Beutin, Leiter der Customer Practice bei PwC Europe, und Maximilian Harmsen, Leiter Digital Payment bei PwC im Bereich Financial Services.

Sie haben im Rahmen einer Studie untersucht, inwiefern Verbraucher aus sechs europäischen Ländern mobile Bezahlverfahren nutzen. Wie steht es um Mobile Payment in Deutschland? 

Prof. Dr. Nikolas Beutin: Die Bezahlung per Smartphone oder Tablets setzt sich auch in Deutschland immer mehr durch, besonders in der jüngeren Bevölkerung. Fast jeder Zweite unter 30 hat Erfahrung beim Bezahlen mit dem Smartphone. Quer durch alle Altersgruppen ist es immerhin jeder Vierte. 

Wie schneidet Deutschland im Vergleich mit den europäischen Nachbarn ab? 

Maximilian Harmsen: Die Deutschen sind im europäischen Vergleich immer noch relativ skeptisch und zurückhaltend. Sie bezahlen viel seltener mit dem Smartphone als ihre europäischen Nachbarn. In den Niederlanden und in Belgien nutzen rund die Hälfte der Verbraucher bereits in Teilen Mobile Payment. In Österreich und der Schweiz sind es immerhin rund ein Drittel der Befragten. In Deutschland wie gesagt nur 25 Prozent. 

Mit welchen Argumenten könnte man die Deutschen überzeugen, per Smartphone zu zahlen? 

Beutin: Mobile Payment erleichtert den Einkauf, da sind sich die Verbraucher einig. Viele empfinden auch die verbesserte Kontrolle als Vorteil. Es ist praktisch, Geldbewegungen direkt am Handy prüfen zu können. Zudem empfinden es die Verbraucher als Erleichterung, dass sie nicht mehr darauf achten müssen, ob sie genügend Bargeld in der Tasche haben. Diese Bequemlichkeitsvorteile schätzen vor allem Menschen unter 40.

Und was hält die Verbraucher noch davon ab, per Smartphone zu bezahlen?

Harmsen: Das sind vor allem Sicherheitsbedenken und die Angst vor versteckten Gebühren. Mobile Payment kann sich nur dann bei allen Altersgruppen in Deutschland durchsetzen, wenn die Sicherheit beim Bezahlen garantiert ist und es keine versteckten Gebühren gibt. Hier sind die Anbieter gefragt. 

Wie wird sich Mobile Payment aus Ihrer Sicht in Deutschland weiterentwickeln?

Beutin: Aller Skepsis zum Trotz – Mobile Payment ist auch in Deutschland auf einem guten Weg und wird sich weiter durchsetzen. In den nächsten Jahren will die Mehrheit der Bundesbürger ihre Zahlungen mobil abwickeln. Immerhin vier von zehn Deutschen könnten sich sogar vorstellen, in Zukunft ausschließlich per Smartphone zu zahlen – sofern die Methode dann sicher und überall akzeptiert ist. Nach dem Markteintritt von Google Pay und Apple Pay nimmt die Technologie auch gigantisch Fahrt auf. Unsere Prognose ist: 2019 wird das Jahr des Durchbruchs für Mobile Payment in Deutschland sowie es 2018 für Sprachassistenten war.

Wird Mobile Payment Bargeld also komplett ersetzen?

Harmsen: Nein, das glaube ich nicht. Aktuell sieht es so aus, dass mobile Bezahlverfahren die herkömmlichen Zahlungsarten bei den Jüngeren durchaus ersetzen, bei den Älteren hingegen eher ergänzen werden. Fest steht, dass die klassischen deutschen Zahlungswege wie Bargeld und EC-Karte in Deutschland auch in fünf Jahren noch vertreten sein werden.

Die PwC-Experten zum Thema

Prof. Dr. Nikolas Beutin

Prof. Dr. Nikolas Beutin ist Leiter Customer Practice bei PwC Europe und Experte für Customer Experience und Mobile Payment. Seit über 20 Jahren berät er Unternehmen in den Bereichen Customer Strategy & Experience, Marketing & Sales und Pricing & Profitability.  

Maximilian Harmsen

Maximilian Harmsen leitet die Digital Payments Beratung innerhalb von Financial Services PwC Deutschland. Er berät Banken bei der digitalen Transformation im Bereich Payment und Identity und befasst sich aktuell schwerpunktmäßig mit den Themen PSD2, API-Banking sowie Vertrauens- und Mehrwertdienste im Zahlungsverkehr. Maximilian Harmsen verfügt über langjährige Erfahrung in Digitalisierungsprojekten und begleitet Kunden von der Konzeption bis hin zur Realisierung neuer digitaler Produkte und Dienste im Payment- und Identity-Umfeld. 

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Prof. Dr. Nikolas Beutin

Customer Practice Leader PwC Europe, PwC Germany

Tel.: +49 89 5790-5926

Maximilian Harmsen

Payments-Experte, PwC Germany

Tel.: +49 8957 906402

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