„Große Unterschiede bei Besteuerung digitaler Geschäftsmodelle“

25 April, 2017

PwC und das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) haben erstmals die steuerlichen Standortbedingungen für digitale Geschäftsmodelle untersucht – in den EU-Staaten sowie in den USA, in Japan, Kanada, Norwegen und der Schweiz. Dr. Frank Schmidt, Tax Partner und Leiter des Bereichs Industrielle Produktion bei PwC, über eine geschlossene Analyse-Lücke, Deutschlands Rückstand und Irlands Vorsprung.

Herr Schmidt, aus welchem Grund haben PwC und das ZEW die steuerlichen Aspekte digitaler Geschäftsmodelle analysiert?

Frank Schmidt: Die Wirtschaft wird immer digitaler. Allein die deutsche Industrie will bis 2020 jedes Jahr rund 31 Mrd. Euro in Industrie 4.0-Lösungen investieren. Doch obwohl digitale Geschäftsmodelle insgesamt deutlich mobiler sind und länderspezifische Steuern Investitionsentscheidungen direkt beeinflussen können, blieben sie in bisherigen Standortstudien für die digitale Wirtschaft weitgehend unbeachtet. Das haben wir nun gemeinsam mit dem ZEW geändert. Für die vorliegende Studie haben wir die effektiven Durchschnittssteuersätze und die Kapitalkosten für typisierte Investitionen in digitale Geschäftsmodelle detailliert unter die Lupe genommen.

Gilt für digitale Geschäftsmodelle nicht das gleiche Steuerrecht wie für traditionelle Geschäftsmodelle?

Grundsätzlich schon. Allerdings sind aufgrund der Strukturen digitaler Geschäftsmodelle besondere Elemente der Steuersysteme bedeutsam, beispielweise die Abschreibungsregeln für digitale Investitionsgüter. Insgesamt variieren die steuerlichen Standortfaktoren in den 33 verglichenen Ländern stark. Dies haben wir nachvollziehbar herausgearbeitet und transparent gemacht. So kann beispielsweise die deutsche Politik diese Studie nutzen, wenn sie Deutschlands Standortattraktivität verbessern möchte.

Wo steht Deutschland im internationalen Vergleich?

Das lässt sich an dem im Rahmen der Studie neu entwickelten steuerlichen Digitalisierungsindex ablesen. Der Index zeigt effektive Durchschnittssteuersätze für digitale Geschäftsmodelle von minus 10 bis über 25 Prozent. Je geringer die effektive Durchschnittssteuersätze für eine Investition, desto höher ist die Attraktivität des jeweiligen Standorts für eine profitable Investition.

Deutschland liegt mit fast 23 Prozent auf dem drittletzten Platz. Dahinter rangieren nur noch die USA und Japan.


Weiterhin werden die Kapitalkosten berechnet und international verglichen. Je geringer die Kapitalkosten für eine Investition an einem Standort, umso höher die Attraktivität dieses Standorts zur Ausweitung des Investitionsvolumens. Der Index berechnet Kapitalkosten zwischen -4 und knapp 6 Prozent. Deutschland liegt mit Kapitalkosten von etwa 5 Prozent auf Platz 28 von 33.

Welche Länder führen den Digitalisierungsindex an?

Irland, Italien und Ungarn weisen die geringsten effektiven Durchschnittssteuersätze für digitale Geschäftsmodelle auf und rangieren auch mit Blick auf die Kapitalkosten ganz weit oben. In der oberen Indexhälfte rangieren vor allem osteuropäische Länder sowie Belgien, Norwegen, die Schweiz und Zypern.

Was machen die Länder auf den vorderen Plätzen anders?

Im Wesentlichen sind dort die tariflichen Steuerquoten geringer und die steuerlichen Förderungen von Forschung und Entwicklung höher. Hier spielen insbesondere günstigere Bemessungsgrundlagen und Steuergutschriften wichtige Rollen. Außerdem machen verkürzte Abschreibungszeiten und höhere Abschreibungssätze für Soft- und Hardware sowie sofort abzugsfähige Entwicklungskosten immaterieller Wirtschaftsgüter den Unterschied zugunsten der weiter vorne platzierten Standorte aus.

Was kann Deutschland besser machen?

Was besser oder schlechter wäre, müssen Politik und Wirtschaft strategisch bewerten. Wir können sagen, was Deutschland anders machen könnte, wenn es im steuerlichen Digitalisierungsindex aufsteigen soll: Die Studie zeigt, dass die Forschungs- und Entwicklungsförderung die effektive Besteuerung digitaler Geschäftsmodelle wesentlich beeinflusst. Folglich wäre ein möglicher Ansatz, dass man Innovationen in Deutschland stärker fördert.

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Dr. Frank Schmidt

Leiter Tax & Legal Frankfurt, PwC Germany

Tel.: +49 69 9585-6711

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