Anleiheemissionen

16 September, 2010

Regelmäßig wird die Bedeutung der Anleihe als Finanzierungsinstrument für den Mittelstand und als Alternative zum Bankkredit beschworen. Dies vor allem in Zeiten, in denen wegen Basel III und ähnlicher Regulierung der Zugang zu Bankkrediten für viele Unternehmen schwieriger werden wird. Dennoch haben Anzahl und Volumen der Anleiheemissionen in den letzten Jahren kaum zugenommen. Was ist der Grund? Wird die Bedeutung von Anleihen generell überbewertet? Liegt es an den niedrigen Leitzinsen? Oder an dem schlechten Ruf, den manche Bond-Emissionen in Retail-Segmenten dem Instrument der Mittelstandsanleihe verliehen haben?

Anleihe vs. Bankkredit

Sicher ist, dass Bankkredite bei niedrigen Leitzinsen im Vergleich zur Finanzierung am Kapitalmarkt unschlagbar günstig sind. Dies sowohl in puncto Kapital- als auch Transaktionskosten. Wer also keine Schwierigkeiten hat, einen Bankkredit zu bekommen, für den besteht kein finanzieller Anreiz, eine Anleihe zu emittieren. Bei steigenden Zinsen kann sich dies allerdings schnell ändern. Sicher ist auch, dass Anleihen, je nach Stückelung, Markt und Segment für den Emittenten mit weit höheren Transparenzanforderungen gegenüber einem breiteren Publikum verbunden sind. Eine zusätzliche Belastung stellen die Transaktionskosten dar, insbesondere wenn ein Wertpapierprospekt benötigt wird.

Was spricht für die Anleihe?

Dennoch entscheiden sich viele Unternehmen dafür, sich zumindest teilweise über den Kapitalmarkt zu finanzieren. Dafür gibt es gute Gründe.

Mit der Kreditvergabe einher gehen oftmals strenge Nebenabreden, sog. Covenants. Auch Verfügungsbeschränkungen und Besicherungen sind an der Tagesordnung. Diese fallen bei der Anleihe teilweise weg. Auch kann die Anleihe neben dem Bankkredit als Mittel zur Diversifizierung des Finanzierungsmixes genutzt werden. Und wer sich langfristig mit dem Gedanken an einen Börsengang trägt, tut gut daran, mit einer Bondemission schon mal die Einhaltung der einschlägigen Transparenz- und Verhaltensvorschriften zu üben. Anleihe vs. Programm

Für Unternehmen mit guter Bonität und hohem, regelmäßigem Finanzierungsbedarf bieten sich Debt Issuance Programme an (DIPs). Sie bieten dem Emittenten viel Flexibilität und sind weniger aufwendig, als regelmäßig neue Anleihen aufzulegen

Allerdings lohnt sich der Aufwand erst ab einem gewissen Volumen, weswegen es zunehmende Praxis ist, unterschiedliche kleine und mittelständische Unternehmen an einem einzigen Programm partizipieren zu lassen. Diese Versuche sind allerdings von stark schwankender Transparenz und ungewissen Erfolgsaussichten geprägt. . Anleihen für den Mittelstand

Mittelstandsanleihen

Seit 2010 haben sich an fast allen deutschen Börsen Spezialsegmente für die Emission von Mittelstandsanleihen entwickelt. Damit sind Anleihen meist mittelständischer Unternehmen gemeint, die aufgrund ihrer niedrigen Mindeststückelung auch für Retail-Investoren zugänglich sind. Allen Mittelstandsmärkten ist gemein, dass sie zwar im Freiverkehr angesiedelt sind, aber zusätzliche Transparenzanforderungen an die Emittenten stellen, z.B. die Erstellung eines vom Regulierer zu billigenden Wertpapierprospekts, verkürzte Offenlegungspflichten für Finanzinformationen und die unverzügliche Veröffentlichung von kursrelevanten Informationen.

Der Hauptvorteil für Emittenten besteht darin, das die Inanspruchnahme des Freiverkehrs mit eigenen Wertpapieren keine Kapitalmarktorientierung (i.S.d. § 264d HGB) nach sich zieht. Ferner können die Unternehmen weiterhin ihre Abschlüsse nach deutschen Rechnungslegungsstandards (HGB) erstellen, anstatt die im Regulierten Markt üblichen internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS) anwenden zu müssen.

Fazit

Welche Transparenzanforderungen ein Unternehmen bereit und in der Lage ist, zu erfüllen, kann ein wesentlicher Faktor bei der Wahl des richtigen Fremdkapitalinstruments und des richtigen Marktes sein. Ebenso von Relevanz sind aber die Kosten der jeweiligen Transaktion und die Strategie, die man mit der Transaktion verfolgt. Vollständige Informationen über die Auswirkungen einer Emission von Fremdkapitalinstrumenten und die Faktoren richtig abwägen zu können, ist also im Entscheidungsprozess von größter Bedeutung.

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Nadja Picard

Partnerin, PwC Europe Capital Markets Leader

Tel.: +49 211 981-2978

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