Artificial Intelligence: Fluch oder Segen?

21 Juli, 2017

Artificial Intelligence (AI) ist auf dem Vormarsch. Dies gilt auch für Familienunternehmen und Mittelständler, welche AI bei zukünftigen Investitionen berücksichtigen sollten um nicht das nächste Kodak zu werden.

Der vorliegende Beitrag zielt darauf ab, erste Impulse zu liefern, wie Familienunternehmen und Mittelständler sich ganz praktisch dem Thema AI Schritt für Schritt nähern können.

Warum ist AI wichtig?

Für das Jahr 2020 werden weltweit Umsätze von rund $4.8 Mrd., für das Jahr 2030 sogar $31,1 Mrd. mit AI prognostiziert (Statista, 2017). Das Bruttoinlandsprodukt könnte allein in Deutschland durch den Einsatz von AI um bis zu 4 Prozent bzw. 160 Mrd. € gesteigert werden (CIO, 2017). In einem in 2017 erschienenen Report von den Kollegen aus PwC-US, wurden AI-Experten sowie 2.500 US-Konsumenten und Führungskräfte zum globalen Impact und Potential von AI befragt (PwC, 2017). Insgesamt 63 Prozent der Befragten gaben an, dass AI in der Lage ist, die mitunter größten Herausforderungen der heutigen Welt zu bewältigen (z.B. im Bereich der Krebsforschung). Erstaunliche 72 % der befragten Führungskräfte glauben, dass die erfolgreiche Implementierung von AI in Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil bieten kann. So erlaubt die konsequente Anwendung von AI eine Reduzierung von repetitiven Aufgaben und ermöglicht die Fokussierung auf strategische oder kreative Aufgaben. Obwohl AI bereits in vielen Unternehmen eingesetzt wird, sind die wesentlichen und größten Möglichkeiten, die sich durch AI bieten, noch nicht mal im Ansatz ausgeschöpft (Harvard Business Review, 2017).

Wie können deutsche Mittelständler bei der Auseinandersetzung mit AI vorgehen?

Zunächst ist es wichtig, dass sich Familienunternehmen & Mittelständler über die Thematik informieren und verstehen, welche Chancen AI und das Speichern von Daten im Speziellen für Ihr Unternehmen und Ihr jeweiliges Geschäftsmodell bieten. Besonders die sichere Speicherung (Cyber Security) und der richtige Umgang mit den relevanten Daten sind zentral und bedürfen besonderer Beachtung. Doch unabhängig von technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen – wie können Mittelständler ganz praktisch anfangen?

Ein möglicher Ansatz besteht darin, zunächst zu analysieren, welche der bereits bestehenden Prozesse im Unternehmen bezüglich Effizienz (z.B. reduzierter manueller Aufwand) und Effektivität (z.B. Verbesserung der Produkte oder der Services) mit Hilfe von AI verbessert werden könnten. Durch dieses Vorgehen lassen sich, je nach Industrie, inkrementelle Verbesserungen zwischen 5 und 55 Prozent erzielen (CIO, 2017). Zum anderen kann die Anwendung einer neuen Technologie wie AI auch der Startschuss für eine echte (Geschäftsmodell-)Innovation sein. Zunächst sollte hierbei ein AI-Ambitionslevel durch die Generierung von neuen digitalen Geschäftsmodellen festgelegt werden, zum Beispiel durch ein Digital Business Development Team. Auf Basis dieser Analysen und Ideen kann schon der Grundstein für erste Initiativen & Pilotprojekte gelegt werden. Somit lassen sich die AI-Kompetenzen im Unternehmen intern sukzessive aufbauen oder durch Kooperationen mit externen Partnern (z.B. SAP oder Start-ups) sourcen. Diese Kooperationen können beispielsweise über strukturierte Inkubatoren & Accelerator-Programme, wie wir als PwC sie bereits heute erfolgreich bei Kunden anbieten, konstruktiv und nachhaltig aufgebaut werden. Die Pilotprojekte müssen auch nicht gleich mit hohen Investitionskosten verbunden sein, sondern lassen sich durch iterative Prozesse und der Erstellung von Prototypen relativ kostengünstig realisieren (CIO, 2017). Und dieses Vorgehen hat gleich zwei Vorteile: Erstens, kann das eigene Geschäftsmodell unter Berücksichtigung von aufstrebenden Technologien stetig weiterentwickelt werden, was neue Umsatzströme generieren kann und zweitens, wird durch das Bearbeiten dieser Fragestellungen von heterogenen Teams in agilen sowie iterativen Prozessen, die digitale Transformation eingeleitet und für die Beteiligten und das Unternehmen erlebbar gemacht.

Worauf müssen Familienunternehmen & Mittelständler achten?


Die Implementierung von AI im Unternehmen ist immer von zwei Seiten zu betrachten. Neben den vielen positiven Verbesserungen auf der wirtschaftlichen Seite, die durch AI erzielt werden können, müssen auch ethische Herausforderungen und die Mitarbeiterperspektive Beachtung finden. Thomas Leisen fasst in seinem Blog einige dieser Aspekte zusammen: So referenziert Leisen auf Nick Bostrom, Direktor des Future of Humanity Institute an der Oxford University, der zu bedenken gibt: “The transition to machine superintelligence is a very grave matter (…) and we should take seriously the possibility that things could go radically wrong”. Gleichzeitig sind auch für die Mitarbeiter Konsequenzen zu befürchten, wie Julian Tongellius Professor für Computer Science an der New York Universität resümiert: “I am worried about the impact on employment as more and more niches are filled by technology.” Nach der Studie von Frey & Osborne (2013) scheinen etwa 47 Prozent der Arbeitsplätze in den USA durch die voranschreitende Automatisierung gefährdet. Überträgt man die in dieser Studie angewendete Logik auf Deutschland, wäre etwa ein Viertel aller Arbeitsplätze hier zu Lande betroffen (Welt, 2016).

Daher ist es laut Leisen wichtig, dass die Geschäftsführung immer auch den Nutzen von AI für das Unternehmen, aber auch jeden einzelnen Beschäftigten herausstellt. Die oftmals vorherrschende Skepsis und Resistenz von Mitarbeitern bezüglich AI kann dadurch reduziert werden, indem alle AI-Initiativen auch immer mit dem höheren Zweck des Unternehmens (Purpose) verknüpft werden. Beispielsweise ließe sich somit auch das berufsbezogene Selbstwertgefühl der Mitarbeiter festigen und das Engagement erhöhen. Dazu müssen betroffene Mitarbeiter-Profile frühzeitig identifiziert und der Nutzen von AI auf die bisherige Tätigkeit deutlich herausgestellt werden. Es sollte beispielsweise darauf hingewiesen werden, dass Mitarbeiter, die vorher in der Produktionsstraße Qualitätskontrollen bei einzelnen Produkten vorgenommen haben, nun mehr Zeit in die Frage investieren können, wie sich der Prozess der Qualitätskontrollen als Ganzes verbessern lässt. Aus der Unternehmerperspektive heraus betrachtet, bedeutet dies, frühzeitig Weiterbildungsprogramme anzubieten, um die betroffenen Mitarbeiter in ihrer fachlichen Entwicklung zu unterstützen. Somit kann AI auch der Beginn von mehr Freiheiten von Mitarbeitern bedeuten und muss nicht zwangsläufig nur als Jobkiller betrachtet werden.

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Dr. Stephan Hentrich

Advisory, PwC Germany

Tel.: +49 160 91001758

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