Die Zukunft der Blockchain heißt Smart Contracts

08 September, 2017

Der Bitcoinkurs hat alle Anzeichen einer Blase und die praktischen Anwendungsfälle für Bitcoin sind eher limitiert. Die Anwendungsmöglichkeiten des allgemeinen Blockchain Konzeptes sind dagegen viel weitereichender als Bitcoin je sein kann.

Alle sprechen über Bitcoin, aber Bitcoin ist nur ein Sandkorn unter den Blockchain-Konzepten

Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Blogartikels ist ein (1) Bitcoin ca. 3.800€ wert. Ein (1) Ether, die Transaktionswährung der Ethereum Blockchain und nach Bitcoin die am meisten gehandelte Kryptowährung, steht bei ca. 275€. Wer hinter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto, dem Erfinder von Blockchain und Bitcoin, steht, ist bis heute auch noch unklar. Dieser Herr ist es jedenfalls nicht. Hinter beiden Währungen steht keine Zentralbank, die für die Stabilität dieser Währungen einsteht. Im Großen und Ganzen ist da aber auch egal. Die Zukunft von Bitcoin sollte man sehr skeptisch sehen. Der Bitcoinkurs hat alle Anzeichen einer Blase und die praktischen Anwendungsfälle für Bitcoin sind eher limitiert. Die Anwendungsmöglichkeiten des allgemeinen Blockchain Konzeptes sind dagegen viel weitereichender als Bitcoin je sein kann. Die vor ca. 2 Jahren gestartete Blockchain Ethereum ist so ein Blockchain Konzept und vielversprechender Kandidat, der in seinen Möglichkeiten Bitcoin weit überlegen ist. Die grundsätzliche technologische Umsetzung eines Systems zur sicheren und nicht manipulierbaren Ausführung und Speicherungen von Transaktionen mit Hilfe von Kryptohashes und einem dezentralen Konsenssystem bietet mehr als nur Coins zu minen.

  • Es existieren viele unterschiedliche Applikationen, die die Konzepte der Blockchain-Technologien einsetzen, aber nichts mit Bitcoin zu tun haben. Bekannte Beispiele sind Ethereum, Ripple, IOTA, etc.
  • Es gibt unterschiedliche Blockchain-Protokolle, die ähnliche Methoden wie das Bitcoin-Protokoll nutzen, aber ihre eigene Blockchain nutzen z.B. Altcoins (DASH) oder Forks (Bitcon Cash)
  • Viele Applikationen nutzen wie Bitcoin die Bitcoin Blockchain oder greifen auf einen zentralen Ledger zu
  • Bitcoin ist der bekannteste Anwendungsfall bzw. Applikation, die Blockchain nutzt

Ethereum der Fels am Strand der Blockchain-Konzepte

Obwohl Ethereum auch wie eine Kryptowährung gehandelt wird, ist es deutlich mehr. Mit Ethereum hat das Konzept des Smart Contracts in der Blockchain Einzug gehalten. Smart Contracts ermöglichen es ohne menschlichen Eingriff Aktionen, die im Smart Contract hinterlegt sind, auszulösen. So kann z.B. ein Smart Contract für einen Warentransport hinterlegt sein, dass bei Abweichen von Transportparametern (z.B. der Temperatur) die im Smart Contract hinterlegte Bezahlung nur zum Teil oder überhaupt nicht ausgezahlt wird. Ermöglicht wird dies durch einen Temperatursensor, der auch Zugriff auf die betreffende Blockchain hat, auf der der Smart Contract gespeichert ist. Dieses einfache Beispiel zeigt den wahren Kern der Möglichkeiten der Blockchain. Alle Akteure, ob Mensch oder Maschine, die an solch einer Blockchain teilnehmen, können gesicherte und nicht-manipulierbare Verträge eingehen. Ein unabhängiger Dritter, der als zentrale Vertrauensstelle agiert, ist nicht mehr nötig. Insbesondere für IoT oder Industrie 4.0 Anwendungen eröffnen sich unzählige neue Möglichkeiten. Zwar ist die Blockchain-Technologie nur begrenzt für Geräte mit geringer Rechenkraft, wie sie häufig im IoT-Umfeld eingesetzt werden, brauchbar, aber auch hier gibt es vielversprechende Entwicklungen wie z.B. die von IOTA speziell für IoT entwickelte Blockchain zeigt. Weitere Entwicklungen sind nur eine Frage der Zeit.

Neue Möglichkeiten für Unternehmen

Mit Hilfe von Ethereum oder IOTA eröffnen sich neue Möglichkeiten wie Prozesse in Zukunft dezentral ohne Mittelsmann sicher und vertrauenswürdig ausgeführt werden können. So sind neue Logistikprozesse denkbar bei der Logistikteilnehmer ihre Transportaufträge dezentral auf Smart Contracts in einer Blockchain speichern und mit Hilfe von IoT Sensoren den Transport überwachen. Neben der Zahlung der Transportleistung, können die vom Sensor ermittelten Daten wiederum über ein Blockchain monetarisiert werden. So ist es vorstellbar, dass Infrastrukturplaner, Versicherer oder Banken ein Interesse an Transportdaten haben, um Hauptverkehrswege besser zu planen, das Versicherungsrisiko besser einzuschätzen oder Kredite für Transporte besser zu kalkulieren. Ein anderes denkbares Szenario wären pay-per-use Systeme, die ohne vorherige Registrierung oder Nutzung eines klassischen Zahlungssystems nutzbar wären. So könnte ein Getränkeautomat Zahlungen über eine Kryptowährung akzeptieren und somit bargeldloses Bezahlung ohne Umweg über eine Paymentprovider, der Gebühren verlangt, anbieten. Den Automaten gibt es dann z.B. kostenlos gegen eine prozentuale Einnahmenbeteiligung. Besonders interessant wird es, wenn mit Blockchains voll automatische Verteilungssysteme zwischen Maschinen betrieben werden. So gibt es schone erste Pilotprojekte in der Energiewirtschaft, wo mit Hilfe einer Blockchain energieproduzierende Systemen (z.B. Solaranlagen) mit energieverbrauchenden Systemen den Austausch von elektrischer Energie aushandeln. Bei allen diesen Beispielen steht die Idee der Kryptowährung im Hintergrund. Sie wird zwar noch gebraucht, um Transaktionen einen einheitlichen Wert zu geben und somit vergleichbar zu machen, aber sie ist nicht mehr der Kern der Anwendung. Unternehmen die dies erkennen und sich bewusst machen, das Blockchain nicht gleich Bitcoin ist und somit keine dubiose Zahlungsmethode im Darknet ist, haben die Möglichkeit, neue innovative digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln. Zuerst im kleinen Rahmen von einfachen Prototypen aber mit der Zeit auch als marktreifes Produkt.

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Christoph Caspritz
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