Vergessen Sie Bitcoin! Die Zukunft der Blockchain liegt in Smart Contracts – von Christoph Caspritz

19 Februar, 2018

Alle sprechen im Zusammenhang mit Blockchain über Bitcoin. Dabei spielt die digitale Währung nur eine ganz kleine Rolle, wenn es um die Nutzungs- und Einsatzmöglichkeiten der Blockchain-Technologie geht.

Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Blogartikels ist ein Bitcoin etwa 8.500 Euro wert. Ein Ether, die Transaktionswährung der Ethereum Blockchain und nach Bitcoin am meisten gehandelte Kryptowährung, steht bei ca. 920 Euro. Dass sich dies kurzfristig und massiv ändern kann, zeigen die vergangenen Wochen. Das liegt auch daran, dass es keine Zentralbank gibt, die für die Stabilität dieser Währungen einsteht. Im Großen und Ganzen ist das aber auch egal – denn ich sehe die Zukunft von Bitcoin sehr skeptisch. Für mich hat der Hype um die Krypto-Währungen alle Anzeichen einer Blase und die praktischen Anwendungsfälle für Bitcoin sind eher limitiert. Der kürzliche Kurssturz scheint meine Skepsis zu bestätigen.

Ganz anders ist das bei der Technologie, die immer wieder im Zusammenhang mit Bitcoins und Co genannt: Die Anwendungsmöglichkeiten des allgemeinen Blockchain-Konzeptes ist viel weitreichender als Bitcoin je sein kann. Die vor etwa zwei Jahren gestartete Blockchain Ethereum ist dafür ein gutes Beispiel. Denn die grundsätzliche technologische Umsetzung eines Systems zur sicheren und nicht manipulierbaren Ausführung und Speicherung von Transaktionen mit Hilfe von Kryptohashes und einem dezentralen Konsenssystem bietet mehr Möglichkeiten als nur Coins zu minen.

Ethereum, der Fels am Strand der Blockchain-Konzepte

Obwohl Ethereum auch wie eine Kryptowährung gehandelt wird, ist es deutlich mehr. Mit Ethereum hat das Konzept des Smart Contracts in der Blockchain Einzug gehalten. Smart Contracts ermöglichen es, ohne menschliches Zutun Aktionen auszulösen, die im Smart Contract hinterlegt sind. Ein Beispiel aus dem Bereich Warentransport: Ist im Smart Contract als Transportparameter eine Maximal-Temperatur hinterlegt – was bei temperaturempfindlichen Produkten sinnvoll ist -  kann ein Abweichen von diese Temperatur dazu führen, dass die vertraglich festgelegte Bezahlung nur zum Teil oder überhaupt nicht ausgezahlt wird. Möglich macht dies ein Temperatursensor, der Zugriff auf die betreffende Blockchain hat, auf der der Smart Contract gespeichert ist.

Dieses Beispiel zeigt, was mit Blockchain alles möglich ist. Alle beteiligten Akteure, Mensch wie Maschine, können gesicherte und nicht-manipulierbare Verträge eingehen. Ein unabhängiger Dritter, der als zentrale Vertrauensstelle agiert, ist nicht mehr nötig. Insbesondere für das Internet of Things (IoT) oder Industrie-4.0-Anwendungen eröffnen sich unzählige neue Möglichkeiten – allemal, da es eine Frage der Zeit ist, da es bestimmte Einschränkungen für die Blockchain-Nutzung, zum Beispiel zu geringe Rechnerleistungen, irgendwann nicht mehr geben wird. Das zeigen Entwicklungen wie die von IOTA speziell für IoT entwickelte Blockchain. Weitere Entwicklungen sind auf dem Weg.

Neue Möglichkeiten für Unternehmen

Kurz: Mit Hilfe von Ethereum oder IOTA können Prozesse in Zukunft dezentral ohne Mittelsmann sicher und vertrauenswürdig ausgeführt werden. Spinnt man das Beispiel mit dem Warentransport weiter, so sind irgendwann ganz neue Logistikprozesse denkbar: Logistikteilnehmer speichern ihre Transportaufträge dezentral auf Smart Contracts in einer Blockchain und überwachen mit Hilfe von IoT und Sensoren. Neben der Zahlung der Transportleistung, können die vom Sensor ermittelten Daten wiederum über eine Blockchain monetarisiert werden. So ist es vorstellbar, dass Infrastrukturplaner, Versicherer oder Banken ein Interesse an Transportdaten haben, um Hauptverkehrswege besser zu planen, das Versicherungsrisiko besser einzuschätzen oder Kredite für Transporte besser zu kalkulieren.

Pay-Per-Use-Systeme via Blockchain

Ein anderes denkbares Szenario wären pay-per-use-Systeme, die ohne vorherige Registrierung oder sonstige klassische Zahlungssysteme nutzbar wären. So könnte ein Getränkeautomat Zahlungen über eine Kryptowährung akzeptieren und somit die bargeldlose Bezahlung – ohne Umweg über eine gebührenpflichtigen Paymentprovider – anbieten. Den Automaten gibt es dann zum Beispiel kostenlos gegen eine prozentuale Einnahmenbeteiligung. Besonders interessant wird es, wenn mit Blockchains voll automatische Verteilungssysteme zwischen Maschinen betrieben werden. So gibt es schon erste Pilotprojekte in der Energiewirtschaft, bei denen energieproduzierende Systeme via Blockchain den Austausch elektrischer Energie aushandeln.

Bei allen diesen Beispielen steht die Idee der Kryptowährung im Hintergrund und ist nicht mehr der Kern der Anwendung. Unternehmen, die dies erkennen, bietet sich so die Möglichkeit, mit Hilfe der Blockchain-Technologie innovative digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln. Und damit kann man erst einmal im Kleinen und mit einfachen Prototypen starten, aus denen über die Zeit hinweg aber marktreife Produkte werden können.

Über den Autor

Christoph Caspritz gehört zum PwC-Digital Team, das sich auf die Betreuung von Familienunternehmen und Mittelstand spezialisiert hat. In ihm vereint sich das vermeintlich Unvereinbare: Informatik, Marketing und Innovationsmanagement. Diese Kombination hat Christoph schon während seines Studiums mit Digitalisierung in Verbindung gebracht hat. Er hat sich dabei auf digitale Strategien und Architekturen spezialisiert und berät nun Kunden bei der Mobilisierung und Digitalisierung ihres Geschäfts.

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