Seien Sie die Gewinner der Digitalisierung!

07 Juli, 2017

Die digitale Transformation in Deutschland wird nur gelingen, wenn sich Familienunternehmen erfolgreich verändern. Denn sie sind das Rückgrat der deutschen Wirtschaft: Mehr als 90 % aller deutschen Unternehmen sind familiengeführt oder familienkontrolliert. Sie erwirtschaften 55 % des Umsatzes und beschäftigen 57 % aller Arbeitnehmer hierzulande. Wenn Familienunternehmen ihre Stärken nutzen, die Digitalisierung als Chance begreifen und sich entsprechend strukturell und kulturell neu aufstellen, werden sie, wird Deutschland zum Digitalisierungsgewinner.

Leider sieht die Realität (noch) anders aus: nur 20 % der – überwiegend mittelständischen – Familienunternehmen sind so genannte digitale Vorreiter: Sie verfügen über neue digitale Geschäftsmodelle und haben begonnen, die dazu notwendigen technologischen, prozessualen, organisatorischen und personellen Kompetenzen aufzubauen. Firmen wie Trumpf, Viessmann und KUKA stehen beispielhaft für diese digitalen Vorreiter.

50 % der Familienunternehmer sind noch unentschlossen. Sie wissen, dass sie ihr Unternehmen verändern müssen und haben auch erste Ideen, wie sie ihre Produkte digitalisieren können. Sie wissen aber nicht, wie sie die digitale Transformation angehen müssen, welche Fähigkeiten sie aufbauen sollen. Sie haben keine Orientierung, ihnen fehlt die Navigation durch diesen Veränderungsprozess.

Weitere  30 % der Familienunternehmen, meist aus Branchen, die einen geringen Digitalisierungsgrad aufweisen, warten ab. Viele von ihnen sind Hidden Champions mit einem großen Weltmarktanteil. Sie halten es derzeit nicht für nötig, sich zu verändern, und beobachten lieber, wie sich ihre Wettbewerber bei der digitalen Transformation eine “blutige Nase” holen.

Die Strategie der Unentschlossen und Abwartenden ist aber gefährlich, denn sie laufen Gefahr, den Anschluss zu verlieren, wenn sie nicht jetzt mit der digitalen Transformation ihres Unternehmens beginnen. Einen Grund zu zögern haben sie nicht, zumal Familienunternehmen gegenüber Großkonzernen vier wesentliche Vorteile haben, die sie zu Digitalisierungsgewinnern machen könnte:   

  1. Sie besitzen sehr gute Produkte, die mit deutscher Ingenieurskunst, in höchster Perfektion entwickelt wurden, die zu Recht für das Qualitätssiegel “made in Germany” stehen. Für solche produktorientierte mittelständische Unternehmen ist es viel einfacher, digitale Services für ihre Produkte zu bauen, als für Plattformanbieter wie Amazon, Airbnb oder Google. Denn sie verfügten lange Zeit weder über Produktwissen noch Assets, um dies zu tun. Zwar hat sich das bei einigen Plattformanbietern mittlerweile geändert. Doch mussten sie erst ihre Kunden und deren Bedürfnisse verstehen. Etwas, was Familienunternehmen längst wissen.
  2. Familienunternehmen handeln nachhaltig. Sie sind bestrebt, das, was über Generationen aufgebaut wurde, was sie selbst geerbt haben, an die nächste Generation weiterzugeben. Dadurch sind ihre Entscheidungen auf Langfristigkeit ausgelegt und orientieren sich nicht am nächsten Quartalsergebnis.
  3. Familienunternehmen sind transformationserfahren. Unternehmen, die heute in der zweiten und dritten Generation geführt werden, haben bereits einige technologische Veränderungen und wirtschaftliche Krisen überstanden. Die Fähigkeit zur erfolgreichen Veränderung ist fest in ihrer Unternehmens-DNA verankert. Allerdings besitzt das aktuelle Management, das vor dem Veränderungsprozess des digitalen Zeitalters steht, häufig nicht das Wissen, das für die digitale Transformation notwendig ist. Umso wichtiger ist es, sich die Erfahrungen der Vergangenheit wieder ins Bewusstsein zu rufen und jetzt zu nutzen.
  4. Familienunternehmen übernehmen Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und ihrer Region. Diese Verantwortung treibt sie voran, Trends zu erkennen und zu nutzen. Nicht zu handeln, nähme den Menschen in der Region jede Zukunftsperspektive.

Bei der digitalen Transformation liegt die Verantwortung für die notwendigen Veränderungen im Unternehmen bei der Eigentümer-Familie. Diese Verantwortung kann nicht delegiert werden. Hier hilft die Rückbesinnung auf die Gründergeneration. Denn letztendlich kommt es darauf an, den Mut zu haben, sich genauso zu verhalten, wie es die Gründergeneration getan hat: Sie hat ihr Wissen über ihre (oft technologischen) Fähigkeiten und Stärken genutzt, um mit Leidenschaft eine Geschäftsidee zu verfolgen, die bedeutsamer war als das nächste Quartalsergebnis. Sie hat in die Zukunft investiert, ist Risiken eingegangen, hat nicht lange abgewartet und abgewogen, sondern ausprobiert. Sie ist teilweise auch gescheitert, hat daraus aber gelernt und weitergemacht, um ihr persönliches Ziel zu erreichen. Es gilt, dieses Verhalten wieder an den Tag zu legen. Das Verhalten, das wir bei Start-up-Gründern im Silicon Valley, Berlin oder Tel Aviv tagtäglich beobachten können. Sie halten Familienunternehmen einen Spiegel vor und machen Mut, die digitale Transformation jetzt anzugehen. Genau aus diesem Grund ist es für Familienunternehmen so wichtig, sich mit diesen Gründerszenen zu vernetzen und alte Fähigkeiten wiederzuerlangen.

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Michael Pachmajer

Director Digital Transformation Middle Market Europe, PwC Germany

Tel.: +49 151 62459688

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