European Private Business Survey 2019

Familienunternehmen und mittelständische Gesellschaften in Europa stehen vor einer Trendwende. Wie mittelständischen Unternehmen der Wandel in der neuen Normalität gelingt.

Zentrale Zukunftsfragen

Klimawandel, Populismus, veränderte Kundenerwartungen, demographischer Wandel, technologische Veränderungen und sinkendes Vertrauen in Politik und Wirtschaft – das sind einige der Herausforderungen, mit denen Familienunternehmen und Mittelständler derzeit zu kämpfen haben. Doch wie gehen sie mit dieser „neuen Normalität“ um?

Dieser Frage geht der European Private Business Survey 2019 nach, für den PwC knapp 2.500 Unternehmen in 31 europäischen Ländern (EU plus Norwegen, Schweiz und Türkei), darunter 400 deutsche Unternehmen, befragt hat. Die Studie zeigt, wie Familienunternehmen und Mittelstand Themen wie Digitalisierung oder Fachkräftemangel angehen.

„Das Geschäftsklima kühlt spürbar ab. Wer zu den Gewinnern gehören will, muss sich auf die neue Normalität einstellen – und konsequent und schnell handeln.“

Uwe Rittmann, Leiter Familienunternehmen und Mittelstand

Das Wichtigste in Kürze

Wirtschaftliche Lage

Nach wachstumsstarken Jahren stehen deutschen Unternehmen nun turbulente Zeiten bevor. Entsprechend schwindet die Zuversicht im deutschen Mittelstand und bei Familienunternehmen: Nur noch 46 Prozent gehen davon aus, dass sie im kommenden Jahr wachsen werden. 2018 lag dieser Wert noch bei 70 Prozent. 

Pessimistischer sind in Europa nur Unternehmen in Griechenland und Schweden, wo nur 45 beziehungsweise 44 Prozent der Befragten mit Wachstum beim Umsatz rechnen. In der Schweiz und in Österreich gehen immerhin rund drei Viertel der Firmen davon aus, dass sie im kommenden Jahr wachsen werden. 

Für die düstere Stimmung gibt es viele Gründe: Das weltweite Wachstum hat sich bereits verlangsamt, und auch das kommende Jahr dürfte angesichts der abschwächenden Konjunktur in China, des US-amerikanischen und chinesischen Handelskrieges, der Instabilität der EU, der Folgen des Brexit und der geopolitischen Spannungen am Persischen Golf deutlich abkühlen.

Anteil der Unternehmen, die in den nächsten 12 Monaten eine Verbesserung ihres Umsatzes erwarten:

Infografik zum Anteil der Unternehmen, die bei der Umsatzentwicklung in den nächsten zwölf Monaten eine Verbesserung erwarten

Fachkräftemangel

Weil es an Fachkräften mangelt, muss fast jedes zweite Unternehmen (46 Prozent; Vorjahr: 57 Prozent) Umsatzeinbußen in Kauf nehmen oder kann Potenziale nicht ausschöpfen. Die wirtschaftlichen Verluste belaufen sich allein für Deutschland auf 64,1 Milliarden Euro pro Jahr – und das nur im Mittelstand. 

Händeringend gesucht werden hierzulande vor allem Techniker und Auszubildende. 44 und 46 Prozent der deutschen Firmen haben hier akuten Bedarf. Noch häufiger sind Techniker nur in Spanien und Portugal (75 beziehungsweise 80 Prozent) und Auszubildende in Norwegen Mangelware, wo 64 Prozent der Unternehmen junge Menschen einstellen wollen.

Verluste beziehungsweise entgangenes Umsatzpotenzial aus Fachkräftemangel:

Tabelle zu Verlusten bzw. entgangenem Umsatzpotenzial aus Fachkräftemangel

Digitalisierung

Knapp 60 Prozent der deutschen Familienunternehmen haben erkannt, dass die Digitalisierung signifikante Auswirkungen auf ihr Geschäft hat. Doch viele Unternehmen stehen erst am Anfang ihrer digitalen Transformation, wie der Vergleich mit europäischen Nachbarländern vor Augen führt: Dort wird der Digitalisierung häufig eine deutlich höhere Bedeutung beigemessen.

Das zeigt sich auch an den geplanten Investitionen: Nur ein Viertel der deutschen Unternehmen ist bereit, mehr als fünf Prozent ihres Investitionsbudgets dafür einzusetzen – für eine dauerhaft führende Rolle als Export- und Industrienation ist das zu wenig. 

Dazu kommt: Deutsche Familienunternehmen und Mittelständler haben ein sehr technisches Verständnis der Digitalisierung – und gehen diese vor allem durch die Aufrüstung ihrer IT an. Der zentrale Grund für diese Zurückhaltung: Die Angst vor Cyber-Angriffen. Sie wird als größter Hinderungsgrund für die Einführung neuer Technologien gesehen. 

Relevanz der Digitalisierung für die langfristige Überlebensfähigkeit des Unternehmens:

Infografik zur Relevanz der Digitalisierung für die langfristige Überlebensfähigkeit eines Unternehmens

Neue Technologien

Deutsche Unternehmen unterschätzen die Auswirkungen zentraler Zukunftstechnologien. Die Relevanz der so genannten Essential Eight, die aus Künstlicher Intelligenz (KI), Augmented Reality (AR), Blockchain, Drohnen, dem Internet der Dinge (IoT), Robotik, Virtual Reality und 3D-Druck bestehen, halten deutsche Unternehmer für meist deutlich niedriger als die Unternehmen der EU. 

Insbesondere die Chancen für KI werden in Deutschland noch nicht erkannt: Nur 13 Prozent der deutschen Firmen halten diese Technologie für besonders relevant für ihr Unternehmen. Im Schnitt der 31 EU-Länder sind es immerhin 23 Prozent. In Rumänien, Portugal und Großbritannien bewerten dagegen mehr als 40 Prozent der Befragten KI als relevant. 

Dabei haben KI-basierte Lösungen das Potenzial, bis 2030 das Bruttoinlandsprodukt alleine in Deutschland um mehr als elf Prozent zu steigern. Schließlich kann KI Unternehmen helfen, qualitativ hochwertigere und stärker personalisierte Produkte und Dienstleistungen auf den Markt zu bringen, erschwinglicher zu machen, Prozesse zu optimieren und Kosten zu sparen. 

Bedeutung der Essential Eight in Deutschland:

Tabelle zur Bedeutung der Essential Eight in Deutschland

Höchste Zeit zum Handeln

Um auch in turbulenten Zeiten erfolgreich zu sein, sollten Unternehmen antizyklisch agieren, in ihre (digitale) Zukunft investieren und ihre Strategie insbesondere bei diesen fünf Themen überdenken:

1. Zusammensetzung des Beirats

Die Transformation beginnt an der Spitze. Unternehmen müssen sich fragen, ob ihr Beirat oder Aufsichtsrat richtig besetzt ist, um die anstehenden Herausforderungen zu bewältigen. Verfügt er über das notwendige Wissen relevanter Zukunftstechnologien? Ist die junge Generation ausreichend vertreten?

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2. Die richtigen Experten an Bord

Um die Digitalisierung mit geballter Kraft voranzutreiben, braucht es die richtigen Experten. Doch daran mangelt es. Familienunternehmen und Mittelständler sind höchst attraktive Arbeitgeber und haben ihren Mitarbeitenden einiges zu bieten. Sie sollten deshalb zeigen, was sie haben und sich im Bewerbermarkt sichtbar positionieren. Hidden war gestern!

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3. Offen für neue Finanzierungswege

Die meisten Mittelständler wollen die digitale Transformation aus dem eigenen Cashflow finanzieren. In Zeiten des Abschwungs müssen die Cash-Reserven jedoch möglicherweise anderweitig eingesetzt werden. Um an externes Kapital zu kommen, sollten Unternehmen auf eine erschwerte Kreditvergabe vorbereitet sein und auch andere Finanzierungswege wie Private Equity in Erwägung ziehen.

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4. Mit Cyber-Risiken umgehen

Die Sorge vor möglichen Angriffen darf den Einsatz und die Nutzung neuer Technologien nicht behindern. Um sich zu schützen und im Ernstfall Cyber-Angriffe rechtzeitig zu erkennen, müssen Unternehmen eine eigene Organisationseinheit aufbauen und nach außen glaubhaft versichern können, dass Wissen als Wettbewerbsvorteil gilt und relevante Daten bei ihnen absolut sicher sind.

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5. Eine digitale Kultur schaffen

Für die digitale Transformation braucht es eine digitale Kultur und Arbeitsumgebung, die Bestehendes in Frage stellt, zu neuen Ideen ermutigt und schnelles Ausprobieren ermöglicht. Die nächste Generation kann hier wegweisend sein. Die Digitalisierung ist als Wachstumsmotor auch in unsicheren Zeiten wichtig. Jetzt ist es Zeit, die entsprechenden Weichen zu stellen.

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European Private Business Survey 2019

Erfolgsgeschichten

So gelingt dem Mittelstand der Sprung ins digitale Zeitalter.

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„Liebe Familienunternehmen, Hidden Champions und Mittelständler: Zeigt, was ihr habt, und haltet euch an die Devise: hidden war gestern!“

Uwe Rittmann, Leiter Familienunternehmen und Mittelstand

Der PwC-Experte zum Thema

Uwe Rittmann ist Leiter Familienunternehmen und Mittelstand und Mitglied der Geschäftsführung bei PwC Germany

Uwe Rittmann

Beruflich hat Uwe Rittmann eine Leidenschaft: Familienunternehmen und Familienunternehmer. Und so wundert es nicht, dass er bei PwC Deutschland für diese Kundengruppe verantwortlich ist. Was ihn und seine Kollegen antreibt und jeden Tag aufs Neue motiviert? „Wir sind dafür da, Sie noch besser zu machen.“

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Uwe Rittmann

Leiter Familienunternehmen und Mittelstand, PwC Germany

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