Vorwerk: Mit der Digitalisierung neue Märkte erschließen

24 Juli, 2019

Neue Ära der Digitalisierung

Über mehr als hundert Jahre hat sich Vorwerk, ein diversifiziertes deutsches Unternehmen, das für den Direktvertrieb der Thermomix-Küchenmaschine und des Kobold-Staubsaugers bekannt ist, mit dem Verkauf und der Vorführung seiner Produkte auf Partys einen Namen gemacht. 

Inzwischen ist das Wuppertaler Familienunternehmen an Platz vier der weltweit größten Direktvertriebsgesellschaften (gemessen am Umsatz). Jetzt soll für das Unternehmen in der achten Generation eine neue Ära der Digitalisierung eingeleitet werden.  

Für viele Unternehmensleiter ist die digitale Transformation beängstigend, zumal neue Technologien – wie Drohnen oder Künstliche Intelligenz – zunächst komplex und futuristisch erscheinen mögen und ein Umdenken erforderlich machen. Führungskräfte müssen Bewährtes infrage stellen und offen sein für das, was sie in Zukunft erfolgreicher machen könnte. Ein oft schmerzhafter Prozess. Doch jene Unternehmen, die sich dem Wandel stellen, können enorm davon profitieren, so wie es Vorwerk jetzt plant. 

Mehr als 50 Jahre erfreute sich der Absatz des Thermomix stetigen Wachstums – bis 2012 der Marktanteil durch Konkurrenzprodukte bedroht wurde. Das nahm Vorwerk zum Anlass, die Stärken und Schwächen seines Gerätes genauer unter die Lupe zu nehmen. Das Management wusste, dass es neue Technologien in seine Produkte und Dienstleistungen integrieren musste, um sich von Wettbewerbern abgrenzen zu können. 

Im Jahr 2014 brachte Vorwerk einen modernisierten Thermomix mit einem Chip auf den Markt, der digitale Rezepte samt den erforderlichen Zubereitungsschritten – die das Gerät ebenfalls übernimmt – direkt auf das Touch-Display spielt. Der Nutzer musste also nur der Arbeitsanleitung folgen und die angezeigten Zutaten hinzufügen. Ein Jahr später führte das Unternehmen eine Version für das digitale Zeitalter ein.

Der Thermomix von Vorwerk

Der aktuelle Thermomix ist mit der Internet of Things (IoT)-Technologie ausgerüstet, eine der Essential-Eight-Technologien, und hat verschiedene internetbasierten Zusatzdienste: Vorwerk-Kunden können zum Beispiel auf eine Rezeptdatenbank zugreifen und von dort direkt Rezepte an das Gerät senden. Auch der Austausch mit anderen Thermomix-Nutzern ist auf diese Weise möglich, zum Beispiel um neue Funktionen, Kochtechniken oder ähnliches zu teilen. 

Über eine App können sich Nutzer zudem Gerichte zur Zubereitung vorschlagen lassen, erhalten dazu eine Liste mit den betreffenden Zutaten und können sich diese durch die Zusammenarbeit mit lokalen Lieferdiensten direkt nach Hause liefern lassen. 

Aus den Daten der Vorwerk-Kunden, die sich auf einer weltweiten Cloud-basierten E-Commerce-Plattform registriert haben, kann das Unternehmen Kundenprofile erstellen und diese nutzen, um seine Produkte und Dienstleistungen kontinuierlich zu verbessern.

Reiner Strecker, geschäftsführender Gesellschafter der Vorwerk & Co KG.

„Wir wollen nicht einfach nur hochwertige Haushaltsprodukte herstellen, wir wollen die besten und digital unterstützten Produkte entwickeln und vertreiben, die den Kunden täglich Mehrwert bieten.“

Reiner Strecker, geschäftsführender Gesellschafter der Vorwerk & Co KG.
Der Kobold-Staubsauger von Vorwerk

Als weiteres Beispiel für die Digitalisierungs-Initiative bei Vorwerk wurde der Kobold-Staubsauger jetzt mit einer App ausgestattet, die eine Fernsteuerung über das Smartphone ermöglicht. Vorwerk arbeitet nach eigenen Angaben außerdem an einer Überwachungsfunktion für Saugroboter, um diese eines Tages für die Haussicherheit einsetzen zu können. 

In seinen Werken setzt Vorwerk zunehmend auf Industrie-4.0-Prozesse und hat über den Bereich Vorwerk Ventures aktuell in mehr als 15 Start-ups investiert, um nach eigenen Angaben Innovationsführer zu bleiben. Strecker gesteht ein, dass der Transfer von Kultur und Technologien von einem Start-up zu einem Familienunternehmen nicht einfach ist. Doch auch hier lerne man dazu und verbuche erste Erfolge.

Die Digitalisierung hat ihren Preis. Das Unternehmen plant, bis zu 500 Millionen Euro in Infrastruktur und digitale Geschäftsmodelle zu investieren, sagt Strecker. Dazu gehören unter anderem eine neue Produktionsstätte sowie eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung am Stammsitz in Wuppertal und digitale Geschäftsmodelle.     

Die Produkte von Vorwerk werden nach wie vor über Direktvertrieb auf Partys und bei individuellen Produktvorführungen verkauft. Zudem sind diese in eigenen Shops und im Internet erhältlich. Man darf gespannt sein, wie Vorwerk diese drei Kanäle in Zukunft intelligent und digital miteinander verknüpft, um seinen Kunden einen möglichst einfachen Zugang zu den Produkten zu gewähren und gleichzeitig die Beziehung zwischen Kunden und Vertriebskräften in diesen Kanälen zu optimieren.

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Uwe Rittmann

Uwe Rittmann

Leiter Familienunternehmen und Mittelstand, PwC Germany

Tel.: +49 211 981-1998

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