Wie MindMaze die Gesundheitsbranche revolutioniert

24 Juli, 2019

Die Geburtsstunde von MindMaze

Im Jahr 2012 gründete Tej Tadi, ein Neurowissenschaftler und Ingenieur, sein Unternehmen in einer Schweizer Garage. Nicht in irgendeiner Garage. In „Le Garage“, einem Gebäude der Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL), das Start-ups nutzen können, um ihre Anfangsphase zu erleichtern.

Tadi, der Sohn von Ärzten in Hyderabad, Indien, hatte Elektrotechnik studiert, bevor er für seine Promotion an der EPFL in die Schweiz kam. Während seiner Arbeit in Schweizer Krankenhäusern bemerkte Tadi, dass sich Patienten nach einem Schlaganfall nicht vollständig erholten, weil die traditionelle Rehabilitation unzureichend war und sich, noch schlimmer, seit Jahren nicht verändert hatte.

Für seine Doktorarbeit konzentrierte sich Tadi auf die Körperwahrnehmung mit den Methoden der Virtual Reality (VR). Schon früh erkannte er, dass seine Forschung kommerziell genutzt werden könnte, um Schlaganfallpatienten zu helfen.

Seine Idee: Menschen mit Gehirnverletzungen wie Schlaganfällen spielerisch zu rehabilitieren. Das war die Geburtsstunde von MindMaze.

Virtual Reality in der Gesundheitsbranche

Seit vielen Jahren wird VR vor allem in der Gaming-Industrie eingesetzt. Mittlerweile gehen die Anwendungsgebiete weit darüber hinaus, wie hier in der Gesundheitsbranche:

Nach einem Schlaganfall hat das Gehirn nur eine kurze Zeitspanne, um sich zu regenerieren. Obwohl die menschliche Komponente bei der Therapie wichtig ist, verbringen die meisten Patienten neben der medizinischen Erstversorgung und medikamentösen Therapie den größten Teil des Tages mit Warten, während sich das Rehabilitationsfenster schließt. Nach der Entlassung der Patienten aus dem Krankenhaus ist es oft für die Genesung zu spät, die Möglichkeiten der Reha erschöpft. Tadi sah ein riesiges Potenzial, diese Schwachstelle mit allgemeinen, intuitiven Spielen zu beheben.

So funktioniert MindMotion

Dafür hat MindMaze eine Produktplattformfamilie namens MindMotion entwickelt, die verschiedene therapeutische Spiele anbietet, mit denen normative Körperbewegungen gefördert werden sollen. MindMaze bietet die Plattform weltweit an, von der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA ist sie bereits zugelassen.

Wie funktioniert das Produkt? Nach einem Schlaganfall kann der Patient beispielsweise seinen rechten Arm nicht mehr bewegen. Die MindMaze-Technologie ermöglicht es nun, dass der Patient durch das Spielen eines Autorennens, die Flugsimulation oder das Schneiden von vom Himmel fallender Früchte mit einem Samuraischwert bestimmte Bewegungen ausführt. Die Technologie erkennt die tatsächlichen kinematischen Bewegungen des Patienten und gibt daraufhin Empfehlungen zur Ausübung normativer Bewegungen (zum Beispiel kann ein Patient die Beeinträchtigung der Oberarmbewegung durch Drehen des Oberkörpers kompensieren).

MindMaze verwendet eine maschinelle, selbstlernende Bewegungserkennung, um die kinematische Bewegung und die Spielleistung des Patienten während des Trainings zu messen. Gerade arbeitet das Start-up daran, zusätzliche Mechanismen der Künstlichen Intelligenz (KI) in die MindMotion-Spiele zu integrieren, die Daten über das Verhalten der Nutzer sammeln und die in das Spiel zurückgespeist werden können, um das optimale Spielniveau basierend auf Leistungs- und Therapiezielen neu zu kalibrieren.

Martin Ciupa, Chief Artificial Intelligence Officer bei MindMaze

„Wir versuchen, die Therapie neu zu erfinden, indem wir Daten sammeln, mit denen wir viel wissenschaftlicher arbeiten können. In Zukunft können wir durch Data-Mining bestimmen, welche Therapien die besten und welche weniger geeignet sind.”

Martin Ciupa, Chief Artificial Intelligence Officer bei MindMaze

Revolution nicht nur in der Gesundheitsbranche

Ein McLaren-Modell von MindMaze

Im Jahr 2016 erhielt das Unternehmen in einer Investitionsrunde unter der Führung der indischen Hinduja Group 100 Millionen US-Dollar. Damit wurde das Unternehmen auf eine Milliarde US-Dollar geschätzt – die bisher höchste Bewertung für ein Schweizer Start-up.

In der Zwischenzeit expandiert MindMaze in andere Branchen. In diesem Jahr ging das Unternehmen eine Partnerschaft mit McLaren Racing ein, um ein Produkt namens MindDrive zu entwickeln, das wichtige neuronale Signale des Rennfahrers erfassen und in Echtzeit an das medizinische Team auf der Rennstrecke übermitteln kann. Die Idee ist es, Leistungsdaten zu erfassen, um so die Sicherheit des Rennfahrers zu verbessern.

Diese Erkenntnisse könnten auch die Sicherheit aller Fahrer im Straßenverkehr verbessern und auch bei autonomen Fahrzeugen und im Transportwesen eingesetzt werden.

„Diejenigen, die in der Lage sind, agil zu sein und sich an die technologischen Möglichkeiten anzupassen, werden weiter wachsen und in neue Märkte eintreten können. Die digitale Transformation ist das Thema unserer Zeit. Mit KI, Mixed Reality, IoT und den weiteren, von PwC identifizierten Zukunftstechnologien können wir die ganze Transformation mit größerer Produktivität, Personalisierung und Qualität vollziehen. Die Anforderungen der Unternehmen und Kunden stehen im Mittelpunkt – die Technologie ist nur der Enabler.”

Martin Ciupa, Chief Artificial Intelligence Officer bei MindMaze

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Uwe Rittmann

Uwe Rittmann

Leiter Familienunternehmen und Mittelstand, PwC Germany

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