Petra Justenhoven im Interview

11 Mai, 2017

Petra Justenhoven, Mitglied der Geschäftsführung und Leiterin des Bereichs Wirtschaftsprüfung und prüfungsnahe Beratung bei PwC Deutschland, ist Jury-Mitglied des Building Public Trust Award. Sie erklärt, warum Integrated Reporting heute schon bedeutend für Unternehmen ist, in Zukunft aber noch viel relevanter für die Unternehmensstrategie und -steuerung wird.

Frau Justenhoven, warum ist das Thema Integrated Reporting so wichtig für Unternehmen?

Petra Justenhoven: Eines ist sicher: Die Anforderungen an die unternehmerische Berichtserstattung werden weiter steigen, insbesondere durch gesetzliche Vorgaben und Richtlinien. In der „nicht-finanziellen (Konzern-)Erklärung“ sind zukünftig Angaben zu Umwelt-, Arbeitnehmer- und Sozialbelangen, zur Achtung von Menschenrechten und Korruptionsbekämpfung zu machen. Darüber hinaus sind auch die bedeutsamsten nicht-finanziellen Leistungsindikatoren zu beschreiben.

Und worum geht es beim Integrated Reporting genau?

Justenhoven: Beim Integrated Reporting geht es nicht einfach darum „grün“ zu sein. Vielmehr geht es darum, den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens langfristig sicherzustellen. Ein verantwortlicher Umgang mit Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten und natürlichen Ressourcen kann dabei helfen, neue Werte zu schaffen und die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens nachhaltig zu stärken. Dabei ist vielen Unternehmen gar nicht bewusst, welche Kosten beispielsweise durch unzufriedene und unmotivierte Mitarbeiter entstehen, welchen konkreten Wertbeitrag ihr gesellschaftliches Engagement leistet oder welchen Erfolgsbeitrag die Kundenzufriedenheit liefert. Hier besteht weiterer Handlungsbedarf.

Stichwort Messbarkeit: Lassen sich nicht-finanzielle Faktoren und deren Auswirkungen auf den Geschäftserfolg überhaupt messen?

Justenhoven: Definitiv: Die nicht-finanziellen Faktoren sind messbar und beeinflussen den Wert eines Unternehmens erheblich. Allerdings erforderte diese Form der nachhaltigen Unternehmensführung ein Umdenken im Unternehmen und die Anpassung der strategischen Ausrichtung. Nicht zuletzt auch ein kritisches Hinterfragen und Anpassen der eigenen Bewertungsmethoden. Und genau dieses Vorgehen schafft Nachhaltigkeit, denn: Nur ein Gesamtüberblick über sämtliche finanziellen und nicht-finanziellen Kennzahlen ermöglicht ein umfassendes Verständnis über die tatsächlichen Chancen und Risiken des eigenen Geschäftsmodells. Das ist die solide Basis, um in einem volatilen Marktumfeld fundierte unternehmerische Entscheidungen treffen zu können.

Welchen konkreten Vorteil haben Unternehmen, wenn Sie Nachhaltigkeit in ihrer Strategie verankern?

Justenhoven: Studien belegen, dass sich die Aktienkurse dieser Unternehmen, die Nachhaltigkeit in ihre Strategie verankert haben und darüber am Kapitalmarkt kommunizieren, besser entwickeln. Gleichzeitig erlangen diese Unternehmen eine höhere Flexibilität und werden in die Lage versetzt, innerhalb kürzester Zeit neue Werttreiber im Unternehmen zu identifizieren. Und auch die Widerstandsfähigkeit von Unternehmen steigt: Nachhaltige Unternehmen sind weniger anfällig gegenüber disruptiven Veränderungen und Risiken am Markt. Die Mühe lohnt sich also.

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