Die neuen Sustainable Development Goals: Wie entscheidend sind sie für den Geschäftserfolg?

15 Oktober, 2015

70 Prozent der Unternehmen beabsichtigen, die SDGs innerhalb der nächsten 5 Jahre in ihr Geschäftsmodell zu integrieren.

Die Staats- und Regierungschefs haben die neuen Ziele für nachhaltige Entwicklung beschlossen, aber wie bereit ist die Wirtschaft, sie bei der Zielerreichung zu unterstützen? Wie sehen die Pläne und Zukunftsvisionen der Unternehmen aus? Stehen die neuen Ziele bloß für weitere Maßnahmen, die es im Tagesgeschäft umzusetzen gilt, oder sind sie entscheidend für den zukünftigen Geschäftserfolg?

In einer perfekten Welt wüssten die Unternehmen, welchen Effekt das jeweils eigene Geschäft und dessen Folgen (einschließlich der unvorhergesehenen Aspekte) auf die einzelnen SDGs  haben. Für jeden ihrer Geschäftsbereiche hätten sie die maßgeblichen Nachhaltigkeitsziele identifiziert und bewertet und würden erfassen, wie sie zur Erreichung der Ziele beitragen. Die Auswirkungen des eigenen Geschäfts auf die Ziele würden kontinuierlich überwacht und neue Ansätze zur Verbesserung würden umgesetzt. Das Bewusstsein über den eigenen Beitrag zur Erreichung der SDGs würde sich nicht auf bestimmte Vorzeigeprojekte beschränken, sondern in einer vollständig neuen Arbeitsweise aufgehen, die sich nicht nur an den eigentlichen Geschäftszielen, sondern auch an den Nachhaltigkeitszielen ausrichtet.

PwC hat Unternehmen und die Bevölkerung zu ihrem Kenntnisstand und ihren Plänen für die Umsetzung der SDGs befragt. Auch haben wir gefragt, wie sie die Zukunft sehen.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick

1) Bekanntheitsgrad der SDGs: Das Wissen über die Ziele für nachhaltige Entwicklung  ist in der Wirtschaft deutlich ausgeprägter (92 Prozent) als in der allgemeinen Bevölkerung (hier waren die SDGs 33 Prozent der befragten Bürger bekannt)

2) Verantwortung für die Zielerreichung: Sowohl die Unternehmen als auch die Bevölkerung  sehen die Hauptverantwortung für die Erreichung der SDGs beim Staat (49 Prozent der befragten Unternehmen sowie 44 Prozent der Bevölkerung nannten den Staat an erster Stelle (noch vor der Wirtschaft und der Gesellschaft))

3) Unternommene Schritte: Obwohl nur 10 Prozent der befragten Unternehmen die Hauptverantwortung bei der Wirtschaft sehen, sind die Unternehmen bereits aktiv geworden:

  • 71 Prozent der Unternehmen gaben an, dass sie schon dabei seien, ihren Umgang mit den SDGs zu planen
  • 34 Prozent der Unternehmen gaben an, dass sie bereits konkrete Pläne beschlossen hätten und/oder dabei seien, diese umzusetzen
  • 37 Prozent der Unternehmen gaben an, dass sie gerade an ihrer Strategie arbeiten würden

4) Lücken in der Umsetzung: Eine deutliche Kluft zeigt sich bei der konkreten Umsetzung, insbesondere dort, wo schwierige Entscheidungen gefordert sind:

  • Lediglich 13 Prozent der Unternehmen haben die für sie passenden Instrumente identifiziert
  • Lediglich 29 Prozent setzen sich selbst Ziele

5) Grund zum Optimismus: Es besteht Grund zu der Hoffnung, dass sich das Engagement bis 2020 verstärken wird:

  • Etwa ein Fünftel aller Unternehmen tut bisher noch nichts. 22 Prozent gaben an, dass sie entweder erst noch die Ratifizierung der SDGs oder die nationale Gesetzgebung abwarten würden oder waren der Ansicht, dass die Umsetzung nicht ihre Aufgabe sei, sondern in der Verantwortung der jeweiligen Regierung liegt
  • Danach befragt, wo sie sich in fünf Jahren sehen, sinkt die Zahl der inaktiven Unternehmen jedoch auf 4 Prozent

6) Relevanz der SDGs: Auch wenn die SDGs in der Bevölkerung nicht allgemein bekannt sind, so erkennt diese  doch sofort deren Relevanz:

  • 90 Prozent der Bevölkerung halten es für wichtig, dass die Wirtschaft die SDGs mitträgt
  • 78 Prozent der Bevölkerung gaben an, dass sie eher die Waren und Dienstleistungen von Unternehmen konsumieren würden, die sich klar zu den SDGs bekannt haben (in Lateinamerika lag dieser Wert sogar bei 90 Prozent)

Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Unternehmen und die Erreichung der SDGs? Bei der Analyse der Ergebnisse mit Blick auf die Wirtschaft sind wir auf folgende interessante Erkenntnisse gestoßen:

Eigeninteresse maßgeblich für Zielauswahl

Die Unternehmen sehen sowohl ihren eigenen Beitrag als auch Chancen am ehesten in Bereichen, die das Wachstum ihres Geschäfts befördern können. Wenn Unternehmen von der Lösung sozialer Probleme profitieren, wenn ihre Leistungen nicht nur zum Nutzen der Gesellschaft sind, sondern auch Gewinne erwirtschaften und die eigene Geschäftsentwicklung voranbringen, entstehen skalierbare Lösungen. Wir sollten uns fragen, ob wir die Motive der Unternehmen infrage stellen wollen, auch wenn ihre Aktivität und ihr Erfindungsreichtum der Gesellschaft zugutekommen. Sofern die Unternehmen ihre eigenen Interessen mit Fokus auf die SDGs bewusst wahrnehmen, könnte das einen spürbaren Unterschied machen.

Business impact on the SDGs and potential opportunities

Fokus der Wirtschaft liegt potentiell auf bequemeren Zielen

Es zeigt sich deutlich, dass die Unternehmen nicht vorhaben, ihren eigenen Beitrag zur Erreichung der SDGs über die Gesamtheit aller Ziele hinweg zu betrachten, sondern sich primär auf diejenigen Ziele oder Teilziele zu fokussieren, die für ihr eigenes Geschäft von Bedeutung sind.  Die Frage ist, wie sie bei der Auswahl vorgehen. Sie sollten sich dabei weniger auf die am leichtesten erreichbaren, naheliegendsten oder positivsten Ziele konzentrieren, sondern eher die Ziele auswählen, die für ihr Geschäft von maßgeblicher Bedeutung sind oder die größten negativen Auswirkungen haben.

Business is planning how to assess their impact on the SDGs

Bestimmte Ziele drohen aus dem Blickfeld zu geraten

Einige der SDGs werden gar nicht erst richtig wahrgenommen – die Unternehmen erkennen hier entweder nicht, dass sie einen Beitrag leisten können oder sehen damit keine Chancen verbunden. Sollten sich die Unternehmen lediglich ein paar „Rosinen“ herauspicken, wird es für einige SDGs, z. B. das Ziel 14 (Schutz der Ozeane und maritimen Ressourcen), nur wenige von der Wirtschaft getragene Änderungsinitiativen geben.

SDGs – Business impact and opportunity

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Hendrik Fink

Leiter Sustainability Services, PwC Germany

Tel.: +49 89 5790-5535

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