Low Carbon Economy Index 2019

PwC-Studie: Klimabilanz der G20-Staaten: Deutschland an der Spitze

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Dr. Nicole Röttmer
Partnerin Sustainability Services bei PwC Deutschland
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Die Pariser Klimaschutzziele rücken in weite Ferne

Der Klimawandel hat die Schlagzeilen bereits 2018, dem heißesten Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnung, bestimmt. Seitdem dominiert der Klimaschutz die politische Debatte in Deutschland, zahlreiche Städte und Gemeinden haben den Klimanotstand ausgerufen. Doch der Unterschied zwischen den Klimazielen auf der einen und der tatsächlichen Erderwärmung auf der anderen Seite könnte kaum größer sein: Wie der „Low Carbon Economy Index 2019“ von PwC belegt, konnten Länder weltweit ihre CO2-Intensität im vergangenen Jahr lediglich um 1,6 Prozent verringern. Nach vier Jahren leichten Fortschritts fallen sie damit auf den Durchschnittswert seit 2000 zurück. Um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen und die globale Erderwärmung auf maximal zwei Grad zu begrenzen, müssten die Staaten eine jährliche Dekarbonisierungsrate von 7,5 Prozent erzielen. Für eine Obergrenze der Erderwärmung von 1,5 Grad wären sogar 11,3 Prozent notwendig. Eine Ursache dafür, dass die meisten Länder weit hinter ihren Klimazielen zurückbleiben, liegt in dem steigenden Energiebedarf um 2,9 Prozent. Er ging 2018 mit einem Weltwirtschaftswachstum von 3,7 Prozent einher.

Download Studie (PDF, 1,85 MB)

Die Studie im Überblick

Deutschland im internationalen Vergleich

Mit einer Dekarbonisierungsrate von 6,5 Prozent schneidet Deutschland in puncto Klimaschutz unter den G20-Staaten am besten ab. Zur deutlichen Reduktion der CO2-Emissionen hat beigetragen, dass es Deutschland gelungen ist, fossile Energieträger wie Kohle, Öl und Gas zu reduzieren. Gleichzeitig ist der Anteil erneuerbarer Energien wie Wind und Sonne um 8,7 Prozent gestiegen. Allerdings ist dieses Ergebnis nicht allein auf die Anstrengungen Deutschlands beim Klimaschutz zurückzuführen, sondern hängt auch mit dem Wetter des vergangenen Jahres zusammen – durch die warmen Temperaturen haben die Menschen weniger Heizenergie verbraucht. Trotz des guten Ergebnisses erreicht Deutschland nicht sein eigentliches Klima-Ziel: die Emissionen bis zum Jahr 2020 im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent zu reduzieren.

Ebenfalls unter den Top 5: Mexiko, Frankreich, Italien und Saudi-Arabien

Wie Deutschland ist es auch Mexiko (-6,5 Prozent), Frankreich (-4,2 Prozent), Italien (-4 Prozent) und Saudi-Arabien (-4 Prozent) gelungen, ihre NDC-Ziele (Nationally Determined Contributions) einzuhalten, das heißt, ihren nationalen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Sie konnten ihre Emissionen bei steigendem Wirtschaftswachstum senken. Damit gehören diese Länder allerdings zu den Ausnahmen innerhalb der G20-Staatengemeinschaft, die sich weiter von den Pariser Klimazielen entfernt. Zu den Schlusslichtern beim Klimaschutz zählen Russland, Indien und Indonesien mit hohen CO2-Emissionen.

Der Energiebedarf wächst weltweit

Um knapp drei Prozent ist der globale Energiebedarf im vergangenen Jahr gestiegen – trotz aller Anstrengungen zu mehr Energieeffizienz. Dieser Bedarf wird vor allem durch energieintensive Branchen wie die Konstruktions- und Stahlindustrie verursacht. Das gilt vor allem für schnell wachsende Märkte wie China, Indien und Indonesien. Allein China investiert hunderte Milliarden Dollar in große Infrastrukturprojekte in Asien, im Mittleren Osten, in Nordafrika und Europa. Zum Steigen des Energiebedarfs trägt aber ebenso der Klimawandel selbst bei: Extreme Wetterperioden mit sehr niedrigen oder sehr hohen Temperaturen treiben den Bedarf an Energie zur Klimatisierung und zum Heizen. Das sind Warnsignale dafür, wie weit der Klimawandel auf der Erde schon vorangeschritten ist.

Fossile Energieträger dominieren den Markt

Der steigende Energiebedarf wird derzeit zu zwei Dritteln durch fossile Energieträger wie Kohle, Öl und Gas gedeckt, die für einen hohen Ausstoß an CO2 sorgen. Ein besonders starker Anstieg ist derzeit in Indien zu beobachten. Dort ist der Bedarf an Kohle um 8,7 Prozent oder 36,3 Mtoe gestiegen – dieser Anstieg entspricht dem Gesamtbedarf von Zentral- und Südamerika.

Alternative, emissionsarme Energien spielen beim Energiemix mit einem Anteil von weniger als zwölf Prozent nur eine untergeordnete Rolle, da viele Staaten beim Klimaschutz wenig ehrgeizig und unkoordiniert vorgehen.

Klima-Risiken für Unternehmen steigen

Unternehmen weltweit spüren bereits deutlich die Auswirkungen des Klimawandels – einerseits durch Extremwetterereignisse, mit denen hohe Risiken einhergehen, andererseits durch Regularien und Vorgaben zum Ausstoß von Treibhausgas, die auf internationaler Ebene wenig abgestimmt sind. Es ist zu erwarten, dass das Thema Klima in den Jahren 2019 und 2020 noch stärker auf die Agenda vieler Parlamente rücken wird. So haben beispielsweise Großbritannien, Frankreich, Kanada und Irland bereits den Klimanotstand ausgerufen.

„Der Klimawandel ist zu einer der größten Gefahren für die Weltwirtschaft geworden. Unternehmen müssen sich den Risiken der Erderwärmung, die etwa mit dem Ausfall von Lieferketten und dem Wegbrechen ganzer Märkte einhergehen können, dringend stellen. Allerdings können sich beim Thema Klimaschutz auch ganz neue Geschäftschancen ergeben, beispielsweise im Bereich der emissionsarmen Produkte und Dienstleistungen.“

Hendrik Fink,Leiter Sustainability Services bei PwC Deutschland

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