Region DACH – Schweiz: Die Schweiz startet die Gesetzgebung für Pillar Two der OECD-Reform

30 Mai, 2022

Von Robert Fischer und Florian Baderschneider. Mit der freiwilligen Umsetzung von Pillar Two des OECD/G20-Projekts zur Besteuerung der digitalen Wirtschaft wahrt die Schweiz ihre wirtschaftspolitischen sowie fiskalischen Interessen. Die Einführung einer sogenannten Ergänzungssteuer für betroffene Unternehmen stellt die Mindestbesteuerung von 15 Prozent sicher und erspart den Unternehmen aufwändige Steuerverfahren im Ausland. 

Des Weiteren behält die Schweiz auf internationalem Parkett ihre Glaubwürdigkeit in fiskalpolitischen Angelegenheiten und wird als Mitträgerin des Projekts nicht als Steueroase angesehen. Dies dient auch den in der Schweiz ansässigen, von dem Projekt betroffenen Unternehmen.

Schweizer Ergänzungssteuer

Damit die Mindestbesteuerung gemäß OECD bei international tätigen, in der Schweiz ansässigen Unternehmen eingehalten werden kann, wird eine neue Regel in Form einer Ergänzungssteuer (Gegenstück zu der sogenannten Income Inclusion Rule (IIR) für Muttergesellschaften und Undertaxed Payments Rule (UTPR) für weitere Länder) eingeführt. Diese Ergänzungssteuer wird auf Basis einer vereinheitlichten Bemessungsgrundlage gemäß anerkannter Rechnungslegung (z. B. IFRS) und mit Korrekturen, welche von der OECD vorgegeben werden, kalkuliert und erhoben.

Maßnahmen zum Erhalt der Standortattraktivität

Der internationale Standortwettbewerb um die Ansiedlung bedeutender Unternehmen dürfte in Zukunft durch die Mindestbesteuerung von 15 Prozent weit weniger über die Unternehmensbesteuerung erfolgen. Die Schweiz plant daher auf Bundes- sowie auf Kantonsstufe mehrere Maßnahmen, um die Standortattraktivität zu erhalten. Mögliche Maßnahmen, welche kompatibel mit internationalen Vorgaben und volkswirtschaftlich sinnvoll sein sollten, sieht das Eidgenössische Finanzdepartment durch: 

  • Förderbeiträge für Forschung, Entwicklung und Innovation;
  • Maßnahmen im Bereich der Besteuerung natürlicher Personen;
  • Maßnahmen bezüglich des Arbeitsmarkts und Fachkräftepotenzial;
  • Administrative Entlastung von Unternehmen;
  • Reform der Verrechnungssteuer, welche die Finanzierung in der Schweiz wieder attraktiver macht.

Transfer Pricing Webinare von PwC

In zahlreichen Webinaren berichten wir verständlich und praxisnah über neueste Entwicklungen rund um das Thema Verrechnungspreise.

Mehr erfahren

Zeitplan

Der Zeitplan zur Umsetzung von Pillar Two ist sehr eng und wird von einigen Ländern bereits per 1. Januar 2023 anvisiert. Die Schweiz hat jedoch bereits früh kommuniziert, dass dieser Zeitrahmen für die Schweiz aufgrund der Dauer des lokalen Gesetzgebungsprozesses unrealistisch ist und strebt ein Inkrafttreten per 1. Januar 2024 an. Dies steht unter der Voraussetzung, dass das obligatorische Referendum am 18. Juni 2023 vom Volk und den Ständen angenommen wird.

Fazit und Ausblick

Die zeitgerechte Umsetzung des OECD-Projektes ist eine große Herausforderung, bietet jedoch Unternehmen in der Schweiz Rechtssicherheit und Planbarkeit. Die damit verbundene erhöhte Steuerbelastung der Unternehmen sollte mit griffigen neuen Standortmaßnahmen abgefedert werden.

Für international tätige Unternehmen in der Schweiz ist das Bemühen des Schweizer Bundesrats, die Standortattraktivität der Schweiz auch nach Umsetzung der globalen Mindeststeuer zu erhalten und durch geeignete Kompensationsmaßnahmen sogar weiter auszubauen, sehr zu begrüßen.

Newsletteranmeldung

In unserem vierteljährlich erscheinenden Newsletter informiert Sie unser internationales Expertenteam über aktuelle Entwicklungen zum Thema Verrechnungspreise.

Jetzt anmelden

Follow us