Fachkräftemangel macht Start-up-Unternehmen zu schaffen

03 Juni, 2015

73 Prozent der Start-ups haben Probleme, gute Mitarbeiter zu finden / Professionelle Strukturen im Personalwesen fehlen häufig / Bauchgefühl entscheidet bei Mitarbeiterauswahl / Berlin besonders gründerfreundlich

Frankfurt am Main, 3. Juni 2015

Engagierte Mitarbeiter sind für 36 Prozent der deutschen Start-up-Unternehmen der zentrale Erfolgsfaktor. Damit schenken aufstrebende Entrepreneure dem Faktor Personal höhere Priorität als einer Geschäftsidee mit Wachstumspotenzial (29 Prozent) oder einer klaren Vision und Strategie (22 Prozent). 73 Prozent der Gründer geben jedoch an, dass sich die Mitarbeitersuche schwierig gestaltet. Für Berliner Start-ups ist die Situation etwas besser: Nur 63 Prozent der in der Hauptstadt ansässigen Jungunternehmer bestätigen, dass sie sich bei der Rekrutierung von Mitarbeitern schwer tun. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Befragung von deutschlandweit rund 270 Start-up-Unternehmen im Auftrag der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC.

„Start-up-Unternehmen bekommen den Fachkräftemangel deutlich zu spüren. Die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern gestaltet sich für viele schwierig. Dabei gibt es jedoch regionale Unterschiede: Berlin als deutsche Start-up-Hochburg profitiert von seiner Reputation als kreative Stadt mit hoher Lebensqualität. Die deutsche Hauptstadt zieht viele gut ausgebildete Nachwuchskräfte an“, kommentiert Thomas Kieper, der den PwC-Standort in Berlin und die Start-up-Initiative „Next Level“ leitet.

Fehlbesetzungen sind viel zu häufig

Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels ist es besonders problematisch, dass viele Start-up-Unternehmen bei der Personalauswahl kein glückliches Händchen haben: 20 Prozent der befragten Entrepreneure würden sich gerne wieder von Mitarbeitern trennen. Hauptgrund ist deren fehlende Motivation (44 Prozent). Gut ein Drittel beklagt einen Mangel an Loyalität und Identifikation mit dem Unternehmen (37 Prozent) oder fehlenden Teamgeist (35 Prozent).

„Die Quote der Fehlbesetzungen liegt im Vergleich zu etablierten Unternehmen zu hoch. Jungunternehmer müssen bei der Mitarbeiterauswahl genauer hinschauen und ihre Personalprozesse professionalisieren“, empfiehlt Thomas Kieper. Professionelle Strukturen im Personalwesen fehlen häufig: In 95 Prozent aller Start-ups und bei rund 80 Prozent der befragten Berliner Unternehmen ist die Geschäftsführung selbst für Auswahl und Rekrutierung neuer Mitarbeiter verantwortlich.

Mitarbeitersuche vor allem über private Kontakte und Empfehlungen

Auch die Mitarbeitersuche läuft häufig wenig professionell ab: 74 Prozent der Jungunternehmer rekrutieren ihr Personal über private Kontakte und Empfehlungen. Vergleichsweise selten werden neue Mitarbeiter auf dem freien Arbeitsmarkt gesucht: 36 Prozent inserieren in Jobportalen im Internet, ein Drittel nutzt die Arbeitsagentur. Nur gut ein Viertel (26 Prozent) setzt auf Online-Netzwerke wie Xing. Berliner Start-up-Unternehmen nutzen die Vorteile der Digitalisierung bei der Mitarbeitersuche deutlich intensiver: Immerhin 73 Prozent schalten Anzeigen im Internet, gut zwei Drittel (67 Prozent) setzen Online-Netzwerke ein.

Neben der fachlichen Qualifikation entscheidet für knapp zwei Drittel aller Befragten das Bauchgefühl bei der Auswahl der Bewerber. Der Lebenslauf, Zeugnisse oder akademische Grade sind dabei weniger wichtig. Gefordert werden vor allem eine „Hands-On“-Mentalität (75 Prozent), Soft Skills wie Teamgeist (70 Prozent) und hohe Flexibilität (56 Prozent).

Start-up-Unternehmen locken mit Flexibilität und kreativem Umfeld

Im Kampf um gute Mitarbeiter müssen die Jungunternehmer die richtigen Argumente ins Feld führen. Denn sie haben einiges zu bieten: 84 Prozent geben ihren Mitarbeitern die Chance, kreativ zu arbeiten und sich aktiv einzubringen. Rund drei von vier Start-up-Unternehmen verweisen darauf, dass sie keine festgefahrenen Strukturen und Prozesse haben und die Arbeitszeiten flexibel sind. „Diese Eigenschaften sollten die Unternehmen bei der Suche nach Nachwuchskräften in den Vordergrund stellen“, so der Rat von Thomas Kieper.

Jungunternehmer blicken optimistisch in die Zukunft

Trotz aller Stolpersteine stehen die Chancen für eine erfolgreiche Entwicklung gut. Deutsche Start-up-Unternehmer blicken entsprechend optimistisch in die Zukunft: 76 Prozent erwarten für 2015 ein Umsatzwachstum. Etwa jeder fünfte Firmenchef geht dabei sogar von einem Umsatzplus von 50 Prozent und mehr aus. Berliner Entrepreneure sind etwas skeptischer: Nur 57 Prozent rechnen mit Umsatzwachstum. Lediglich drei Prozent kalkulieren mit einem Umsatzplus von 50 Prozent und mehr.

„Die Gründer-Szene in der Hauptstadt ist professioneller aufgestellt als in vielen anderen Regionen und in ihrem Entwicklungszyklus schon einen Schritt weiter. Die Umsätze wachsen nicht mehr so rasant wie in den ersten Jahren. Zudem sind insbesondere Berliner Start-ups mit digitalen und disruptiven Geschäftsmodellen erfolgreich, bei denen zunächst andere Erfolgskennzahlen als die Umsatzentwicklung zählen“, analysiert Thomas Kieper.

Die Befragung bestätigt die Attraktivität Berlins für Gründer: Dort ansässige Unternehmer sind mit ihrem Standort sehr zufrieden. 90 Prozent halten die deutsche Hauptstadt für besonders gründerfreundlich. Bundesweit bewerten 58 Prozent der Entrepreneure die Gründerfreundlichkeit ihres Standorts mit gut oder sehr gut.

Über PwC:

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