Familienunternehmen und Mittelstand in NRW leiden unter Personalmangel und kritisieren digitale Infrastruktur

24 Oktober, 2016

Im bevölkerungsreichsten Bundesland gibt es großen Nachholbedarf bei der digitalen Infrastruktur, es herrscht Mangel an Fachkräften, außerdem sind die Steuern und Abgaben zu hoch: Nach Ansicht nordrhein-westfälischer Familienunternehmen und Mittelständler liegen hier die größten Schwächen, was die Rahmenbedingungen in ihrem Bundesland betrifft. 

Frankfurt am Main, 24. Oktober 2016

Als top bewerten sie hingegen die Gesundheitsversorgung, die Auswahl an Kooperationspartnern und die Attraktivität der Region. Damit landet NRW auf Rang drei der mittelstandsfreundlichsten Bundesländer – mit weitem Abstand zu Bayern und Baden-Württemberg. Zu diesen Ergebnissen kommt die Befragung „Mittelstand und Familienunternehmen in NRW: Fit für die Zukunft“ unter 400 Entscheidern im Auftrag der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC. Dafür wurden je 100 Unternehmen aus dem Ruhrgebiet, dem nördlichen Rheinland, dem südlichen Rheinland und Westfalen befragt.

Geeignete Arbeitskräfte: Mangelware

Große Sorgen macht den Befragten der Mangel an Fachkräften. Für drei von vier Firmen (73 Prozent) gestaltet sich die Personalsuche schwierig. Im Ruhrgebiet liegt dieser Wert nur bei 63 Prozent. „Das Ruhrgebiet profitiert von der generellen Attraktivität der Region mit großen Ballungszentren, einer starken Infrastruktur und engen Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Kommunen, Universitäten und Forschungszentren“, kommentiert Lutz Granderath, Standortleiter von PwC in Essen.

Besonders schwer tun sich dagegen Firmen aus Westfalen. In dieser Region berichten 78 Prozent der Unternehmer über Probleme bei der Personalsuche. 58 Prozent der westfälischen Entscheider gaben an, dass ihre Region als unattraktiv gelte (Gesamt-NRW: 36 Prozent). „Westfalen schafft es bisher noch nicht, seine Attraktivität nach außen deutlich zu machen – im Gegensatz zu den Rheinmetropolen, die sehr positiv wahrgenommen werden und sich dadurch beim Kampf um die besten Köpfe leichter tun“, so die Einschätzung von Uwe Rittmann, Standortleiter von PwC in Düsseldorf.

Knapp die Hälfte sieht Verbesserungsbedarf in den Schulen

Eine Ursache für die prekäre Personalsituation liegt aus Sicht der Unternehmer vor allem in dem zu geringen Potenzial geeigneter Arbeitskräfte. Das wiederum könnte mit der Qualität der Schulbildung zusammenhängen: Denn knapp die Hälfte der Befragten (48 Prozent) hält sie für verbesserungswürdig – anders als die Qualität der betrieblichen Ausbildung und der Hochschul-Ausbildung, bei der nur 10 und 14 Prozent Verbesserungsbedarf sehen.

Und was sind die Gründe für rund ein Viertel der Befragten, sich bei der Personalsuche nicht so schwer zu tun? Nach deren Einschätzung vor allem gute Sozialleistungen (75 Prozent), eine attraktive Branche und ein gutes Gehalt (jeweils 68 Prozent). Vor allem im nördlichen Rheinland können die Unternehmen Bewerber mit ihrer Branchenzugehörigkeit locken (81 Prozent). „Unternehmen aus der Region um Düsseldorf sind für viele Bewerber besonders spannend, da sie zu attraktiven Branchen wie der Konsumgüterindustrie oder dem Handel gehören“, sagt Uwe Rittmann.

Luft nach oben bei der digitalen Infrastruktur

Ein weiterer Kritikpunkt an den Rahmenbedingungen in der Region ist die digitale Infrastruktur. 43 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass diese verbesserungsfähig ist. In Westfalen liegt die Anzahl der Kritiker sogar bei 53 Prozent. Luft nach oben gibt es insbesondere beim Breitbandausbau. 51 Prozent sehen ihr Bundesland hier schlecht aufgestellt. 42 Prozent kritisieren, dass die Ausbildung im Hinblick auf die Anforderungen durch die Digitalisierung nicht ausreichend gefördert wird (Westfalen: 60 Prozent). „Das ist ein alarmierendes Ergebnis, weil es hier letztlich auch um die Wettbewerbsfähigkeit der nordrhein-westfälischen Unternehmen geht“, kommentiert Jens Pollmann, Standortleiter von PwC in Köln. „Denn 90 Prozent der Befragten sehen in der Digitalisierung für sich selbst eine Chance.“

Viele Unternehmen haben folglich bereits in Digitalisierung investiert und werden das auch weiter tun. Verstärkte Investitionen sind vor allem in vernetzte Produktionstechnologien (Industrie 4.0), die Digitalisierung der eigenen Produkte und Services, in Cyber Security und die Rekrutierung von Digitalisierungsexperten geplant. „Auch wenn nicht jedes Unternehmen in NRW bereits in alle Bereiche und Teilaspekte investiert hat, zeigt unsere Umfrage doch, dass die Digitalisierung längst Realität ist. Fast alle Firmen haben erste Schritte hin zu digitalen Technologien gemacht und sind bereit, ihre Investitionen auszubauen“, so Jens Pollmann.

Mittelstandsförderungsgesetz häufig unbekannt

Nachholbedarf für das Land gibt es nach Meinung der befragten Familienunternehmen und Mittelständler, wenn es um die Mittelstandsförderung geht: 31 Prozent der Befragten sehen ihr Bundesland in puncto Wirtschaftsförderung schlecht aufgestellt. Allerdings sind zentrale Initiativen der Landesregierung in der Breite auch nicht sehr bekannt. Nur 46 Prozent der Befragten ist das Mittelstandsförderungsgesetz ein Begriff. Es schreibt zum Beispiel vor, dass die

„Clearingstelle Mittelstand“ alle relevanten Gesetzesvorhaben des Landes auf ihre Mittelstandsfreundlichkeit überprüfen muss. In Westfalen, wo besonders viele kleine und mittelgroße Unternehmen – also potenzielle Nutznießer des Gesetzes – ihren Sitz haben, kennen es immerhin 58 Prozent der Entscheider.

Cluster-Politik: Gut gemeint, mittelgut gemacht

Die Cluster-Initiative, mit der Nordrhein-Westfalen landesweite und regionale Cluster aufbauen möchte, um Unternehmen untereinander und mit anderen Einrichtungen zu vernetzen, ist 53 Prozent der Befragten bekannt. In Westfalen kennen sogar knapp zwei Drittel der Entscheider (63 Prozent) das Gesetz. Das Votum über den Nutzen ist jedoch gespalten: Nur gut die Hälfte der Unternehmen, die diese Regelung kennt, hält sie für geeignet, das Ziel der Vernetzung zu erreichen.

 

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