Auto und Mobilität entkoppeln sich – 54 Prozent der Deutschen sind bereit, Autos zu teilen

08 November, 2017

PwC-Umfrage: Mehrheit der Deutschen zeigt sich offen für neue Mobilitätskonzepte / 66 Prozent der jüngeren Deutschen sind bereit, ihr Auto zu teilen / Zwar wollen 74 Prozent am liebsten jederzeit über einen Pkw verfügen können – das heißt aber nicht, dass sie ihn unbedingt auch besitzen müssen

Düsseldorf, 8. November 2017

Die Mehrheit der Deutschen ist offen für neue Mobilitätskonzepte wie zum Beispiel Car-Sharing – allerdings nur, wenn diese nicht zulasten von Flexibilität und Bequemlichkeit gehen. So lautet das wichtigste Ergebnis einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC unter 1.183 Deutschen ab 16 Jahren. Insgesamt zeigten sich 54 Prozent der Befragten bereit, ihr Auto mit anderen Personen zu teilen; unter den 16- bis 29-Jährigen waren es sogar stolze 66 Prozent. Zugleich betonten 74 Prozent, ihnen sei es „wichtig“ oder sogar „sehr wichtig“, ständig über ein Auto verfügen zu können – was allerdings nicht zwingend bedeutet, dass sie es auch besitzen müssen. 68 Prozent meinten, bei der Wahl ihrer Mobilitätsform komme es auch auf die „Bequemlichkeit“ an. Auffällig: Die Frage, was für ein Auto sie nutzen, spielt bei alldem nur noch eine untergeordnete Rolle. So meinten gerade einmal 40 Prozent, beim Autofahren komme es auch aufs „Vergnügen“ an. Und sogar nur 19 Prozent gaben an, dass die Fahrzeugmarke wichtig für sie sei. Diese Ergebnisse zeigen klare Unterschiede zwischen der relativ kleinen Gruppe der Neuwagenkäufer und dem großen Rest der Gesamtbevölkerung.

„Es geht nicht mehr nur darum, Autos zu verkaufen – sondern Mobilität“

„Auf den ersten Blick mögen die Ergebnisse unserer Umfrage widersprüchlich erscheinen – auf den zweiten lässt sich allerdings sehr wohl ein eindeutiges Muster erkennen. Die Vorstellung, der persönliche Besitz eines Autos sei ein Statussymbol, hat an Bedeutung eingebüßt; und auch der Fahrspaß steht für immer weniger Menschen im Vordergrund. Gleichzeitig können oder wollen die Deutschen aber auch in Zukunft nicht auf individuelle Mobilität verzichten.“

Felix Kuhnert, Partner und Global Automotive Leader bei PwC

Das bedeute für die Automobilbranche zweierlei, so Kuhnert: „Sie wird weiterhin gebraucht – muss sich allerdings radikal umstellen.“

Ein „Weiter so“ sei unmöglich, nicht nur aus klimapolitischen Gründen, „sondern auch, weil auf Deutschlands Straßen sonst wirklich der vielbeschworene Verkehrsinfarkt drohen würde“, so Christoph Stürmer, Global Lead Analyst von PwC Autofacts. Stattdessen seien neue Mobilitätskonzepte nötig, „um zukunftsträchtige Lösungen wie autonomes Fahren und Car-Sharing sinnvoll miteinander zu verknüpfen“. Das heiße für die Hersteller: „Sie verkaufen in Zukunft nicht mehr nur Autos, sondern neue Formen von Mobilität. Oder anders gewendet: Sie müssen den Nutzer als Kunden gewinnen, nicht mehr primär den Käufer.“

Die Kunden ändern sich – die Hersteller tun es auch

Gestützt wird diese These von parallel durchgeführten PwC-Umfragen in den USA und China. Auch dort zeigte sich – sogar noch stärker als in Deutschland – dass sich in der Kundschaft ein tiefgreifender Wertewandel vollzieht. Um dies herauszufinden, unterteilte PwC die Befragten in drei Kategorien, nämlich 1.) den „traditionellen Nutzer“, für den der Besitz eines Pkw einen Wert an sich darstellt, 2.) den „pragmatischen Nutzer“, für den Mobilität vor allem eine Frage von Kosten und Nutzen ist, sowie 3.) den „modernen Nutzer“, der Car-Sharing oder Elektromobilität nicht bloß als Notwendigkeit begreift, sondern solche Konzepte aktiv unterstützt.

Schon jetzt – so zeigte die Umfrage in den drei größten Automobilmärkten weltweit – treffen die Merkmale des „traditionellen Nutzers“ nur noch auf 26 Prozent der potenziellen Kunden zu. Bis 2030 dürfte dieser Anteil geschätzt auf 23 Prozent sinken. Die größte Gruppe sind aktuell mit 41 Prozent die „pragmatischen Nutzer“. Ihr Anteil wird laut PwC-Prognose bis zum Ende des nächsten Jahrzehnts leicht auf 39 Prozent zurückgehen. Auf jeden dritten Befragten treffen unterdessen schon jetzt die Charakteristika des „modernen Nutzers“ zu – und diese Gruppe dürfte in den kommenden Jahren weiter wachsen, sodass sie 2030 bereits 38 Prozent der potenziellen Kunden ausmacht. Für Christoph Stürmer steht darum fest: „Viele Hersteller und Zulieferer richten ihre Strategie noch immer in erster Linie an den traditionellen Autokäufern aus. Dabei wäre es das Gebot der Stunde, sich allmählich für alle Nutzer von individueller Mobilität zu öffnen.“

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