Deutschland bei steuerlichen Bedingungen für digitale Geschäftsmodelle im Nachteil

25 April, 2017

Vergleichsstudie betrachtet steuerliche Rahmenbedingungen für digitale Geschäftsmodelle in 33 Ländern / Irland, Italien und Ungarn auf den vorderen Plätzen / Deutschland landet auf dem drittletzten Platz / Förderung von Forschung und Entwicklung (FuE) beeinflusst effektive Besteuerung maßgeblich

Frankfurt, 25. April 2017

Die digitale Transformation der Wirtschaft (Industrie 4.0) ist ein weltweites Phänomen und verändert Geschäftsmodelle, Unternehmen und ganze Branchen. Hierzu benötigte Investitionen in die Digitalisierung der Wertschöpfung sind maßgeblich von länderspezifischen Standortfaktoren wie Infrastruktur, Kosten oder Personal abhängig. Zudem machen insbesondere die steuerlichen Rahmenbedingungen in den jeweiligen Ländern Standorte unterschiedlich attraktiv für Investitionen in digitale Geschäftsmodelle, wie die neue Gemeinschaftsstudie “Steuerliche Standortattraktivität digitaler Geschäftsmodelle. Steuerlicher Digitalisierungsindex 2017“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC, der Universität Mannheim und dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) nun erstmalig zeigt.

Besteuerung digitaler Geschäftsmodelle als Standortfaktor

Für die Analyse haben die Autoren die steuerlichen Standortbedingungen in über 30 Ländern anhand der Bemessungsgrundlagen, der effektiven Durchschnittssteuersätze und Kapitalkosten miteinander verglichen. „Dabei zeigt sich, dass digitale Geschäftsmodelle grundsätzlich geringer steuerlich belastet werden als traditionelle“, stellt Dr. Frank Schmidt, Tax-Partner und Leiter des Bereichs Industrielle Produktion bei PwC, fest. „Gerade weil digitale Geschäftsmodelle aber überaus mobil sind, ist die länderspezifische Besteuerung als Investitionskriterium von enormer Relevanz.“

Die Studie verdeutlicht, dass sich die steuerlichen Standortfaktoren im internationalen Vergleich stark unterscheiden. Der effektive Durchschnittssteuersatz variiert in der Gruppe der betrachteten Ländern z.B. zwischen minus 10 und plus 25 Prozent. Vor allem Irland, Italien und Ungarn erscheinen in dieser Hinsicht als besonders attraktive Standorte für Investitionen in digitale Geschäftsmodelle, während Deutschland mit 23 Prozent den drittletzten Platz im internationalen Vergleich belegt. Dahinter rangieren lediglich noch die USA und Japan. Auch die Kapitalkosten als Maß für die Attraktivität eines Standortes zur Ausweitung des Investitionsvolumens zeigen im Ländervergleich eine hohe Bandbreite von minus 4 bis plus 6 Prozent. Besonders günstige Investitionsbedingungen liegen in dieser Hinsicht in Italien, Frankreich und Ungarn vor. Deutschland liegt mit einem Wert von knapp 5 Prozent auf Platz 28 von 33.

Steuerliche Sonderanreize geben den Ausschlag

Wie die Studie zeigt haben steuerliche Sonderanreize einen erheblichen Einfluss sowohl auf die Kapitalkosten als auch auf die effektiven Durchschnittssteuersätze. „Die Platzierung eines Landes in unserem Digitalisierungsindex hängt maßgeblich von Sonderanreizen wie günstigen Abschreibungsregeln oder so genannten Patent-Boxen ab“, analysiert Prof. Dr. Christoph Spengel vom Lehrstuhl für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre an der Universität Mannheim und Research Associate beim ZEW. „Bei einigen Ländern sind die Investitionen in digitale Geschäftsmodelle nach Steuern sogar profitabler als vor Steuern. Mit anderen Worten: sie werden steuerlich subventioniert.“

Einen wichtigen Einfluss auf die Platzierung eines Landes hat zudem die steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung (FuE). Wie die Studie zeigt verändert diese den effektiven Durchschnittssteuersatz für digitale Geschäftsmodelle im Ländervergleich um bis zu -6 Prozentpunkte und die Kapitalkosten um bis zu -1,4 Prozentpunkte. Damit können FuE-Anreize das Investitionsverhalten von Unternehmen in digitale Innovationen an einem bestimmten Standort begünstigen und einen Vorteil im internationalen Wettbewerb darstellen. „Deutschland hat im internationalen Vergleich Nachholbedarf bei der steuerlichen FuE-Förderung“, kommentiert PwC-Experte Schmidt. Verglichen mit Ländern wie etwa Irland und Frankreich, die bei der FuE-Förderung sehr aktiv sind, fällt Deutschland daher im internationalen Vergleich zurück. Insgesamt belegen Länder ohne oder mit nur geringfügig ausgestalteten Steueranreizen die hinteren Plätze im steuerlichen Digitalisierungsindex 2017.

 

Hinweis an die Redaktion:

Die Gemeinschaftsstudie „Steuerlicher Digitalisierungsindex 2017“ hat das Ziel, Transparenz über steuerliche Rahmenbedingungen für digitale Geschäftsmodelle in unterschiedlichen Ländern zu schaffen und objektive Kennzahlen für Politik und Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Dazu wurden neben allgemeinen steuerlichen Faktoren, wie etwa landesspezifischen Steuersätzen, Bemessungsgrundlagen und gewinnunabhängigen Steuern, auch steuerlich relevante Sonderregelungen, u.a. Sonderabschreibungen auf digitale Investitionsgüter, FuE-Förderung und IP-Box-Regime, analysiert. Die Ergebnisse basieren auf den steuerlichen Rahmenbedingungen im Zeitraum der Studienerstellung (Rechtsstand: 1.1.2016). Bei steuerlichen Änderungen in einzelnen Ländern können sich auch die Indexplatzierungen verändern.
 

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